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DAS LIED DER FRAUEN VOM FLUSS
(Howard Arman)
Besuch am
24. Mai 2017
(Premiere am 20. Mai 2017)
Carlus Padrissa und seine katalanische Künstler- und Artistentruppe La Fura dels Baus haben mit ihren originellen Menschengirlanden und abenteuerlichen Bühnenapparaturen Kultstatus erzielen können. Ähnlich wie Robert Wilson und Herbert Fritsch mit ihren unverkennbaren Handschriften. Die Kehrseite der glänzenden Medaille sind freilich Abnutzungserscheinungen, die den Produktionen durch teilweise jahrzehntelange Wiederholungen der gleichen Stilmittel und Posen eine austauschbare Maskenhaftigkeit verleihen.
Bei den Katalanen verschärft sich dieser Eindruck, wenn nicht einmal Abwechslung durch einen besonders originären Spielort geschaffen werden kann. Das lässt sich an dem jüngsten Faust-Projekt ablesen, das jetzt unter dem Titel Das Lied der Frauen vom Fluss zwei Jahre nach seiner Luzerner Uraufführung im Kölner Staatenhaus seine deutsche Erstaufführung feiern durfte.
Eigentlich war für die Kölner Produktion ein stillgelegtes Rheinschiff geplant, doch Vater Rhein zeigte mit niedrigem Wasserstand wenig Verständnis für die künstlerischen Ambitionen, so dass man sich mit einer konventionelleren Umgebung begnügen musste.
Das Deutzer Staatenhaus bietet zumindest ausreichend Platz für die Materialschlachten, mit denen die Katalanen unter der Leitung von Carlus Padrissa und dem Bühnenbildner Roland Olbeter das anderthalbstündige Werk in gewohnter Fura-dels-Baus-Manier ausstatten und aufdonnern. Der Titel sagt wenig zum verquasten Inhalt des Werks aus, das den Faust-Stoff aufgreift, wobei Faust allerdings zur weiblichen Fausta mutiert und sich auf eine Reise in das innere Ich begibt. Das zweite Ich nimmt im Libretto von Marc Rosich sozusagen Mephistos Rolle ein. Faustas Suche ist in sechs Teile gegliedert, betitelt mit Die Reise in den inneren Kosmos, Suche nach dem Gottesteilchen, Suche nach Schönheit, Erwachen in Licht und Tod. Das Ende bleibt so nebulös offen wie das der Tragödie Goethes. Zum Finale zitiert die Musik standesgemäß das Finale aus Liszts Faust-Symphonie.
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Musikalisch erwartet die zu Seiten einer langegezogenen ebenerdigen Spielfläche auf zwei Tribünen platzierten Besucher eine Collage aus bekannten Arien von Monteverdi bis Offenbach, die Howard Arman neu arrangiert und mit eigenen Klängen ergänzt hat, zu denen er wie in einer Gemischtwarenhandlung alles aufbot, was die avantgardistische Musik unserer Tage aufweisen kann. Für ein paar surreale Töne sorgt eine elektronische Folie, die von eigens entwickelten Klangmaschinen produziert werden. Insgesamt eine fleißig zusammengebastelte Collage mit viel musikalischem Leerlauf und einigen Rosinen, die das sechsköpfige Gesangsensemble dankbar aufgreift.

Eine Mammutaufgabe kommt dabei der Mezzosopranistin Adriana Bastidas Gamboa in der zentralen Fausta-Rolle zu, die sowohl die barocken Gesänge, besonders schön I am laid aus Purcells Dido and Aeneas, als auch die Zutaten Armans ebenso souverän zum Klingen bringt wie ihre Kollegen, unter denen die Sopranistin Claudia Rohrbach mit Dvořáks lyrischem Lied an den Mond aus Rusalka und Maria Kublashvili mit einer geschmeidig vorgetragenen Arie der Olympia aus Offenbachs Hoffmanns Erzählungen die dankbarsten Aufgaben zu erfüllen haben. Und das in teilweise akrobatischen Positionen.
Denn mindestens so wichtig wie die Sänger sind bei La Fura dels Baus die Tänzer und Bühnenmaschinen, die ständig in Aktion sind. Aufwändig ausgeleuchtete und mit Videoprojektionen illuminierte Leinwände flattern durch den Raum, die Sänger werden in großen Aquarien oder festgeschnallt auf drehbaren Podesten durch den Raum geschoben und teilweise auf den Kopf gestellt.
Zu dem optischen und musikalischen Spektakel werden auch andere Sinne gereizt, die Geschmacksnerven durch kleine gereichte Leckereien, die Hautsensorien durch Streicheleinheiten weicher Geflügelfedern.
Am Pult des Gürzenich-Orchesters sorgt der Arrangeur und Komponist Howard Arman für eine glatt polierte Klangkulisse. La Fura dels Baus ist seiner bewährten Masche treu geblieben, den Mangel an wirklich tragfähiger Substanz durch optische Spielereien auffangen zu wollen. Mit unterschiedlichen Erfolgen.
Das Publikum zeigt sich von der Bühnen-Show sichtlich angetan.
Pedro Obiera