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Der schöne Schein des wüsten Don

DON GIOVANNI
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
4. Juni 2017
(Premiere)

 

Opéra de Lausanne

Er vernascht seine Geliebten im spani­schen Designerbett, lässt sich den Champagner von Damen mit roten Samthand­schuhen reichen und singt auf einem Luxus-Toten­schädel seinem Ende entgegen. Bei Wolfgang Amadeus Mozarts Zweiakter Don Giovanni, 1787 im Prager Natio­nal­theater urauf­ge­führt, haben die meisten Opern­freunde viele Vergleichs­mög­lich­keiten, was die szenische Inter­pre­tation anbelangt. Aber selten ging eine Lesart so nahe an das Dramma giocoso heran, wie jetzt in der Opéra de Lausanne. Eric Vigié, der Direktor der Opéra de Lausanne, insze­niert Mozarts Meisterwerk als lustiges Drama und setzt in seiner Anschauung gezielt auf den Humor, der im Libretto von Lorenzo da Ponte zur Genüge vorhanden ist.

Der gebürtige Franzose, der das Haus am Genfersee seit vielen Jahren erfolg­reich führt, zeichnet auch für die Kostüme im Sevilla-Stil verant­wortlich, und die bestehen jede Haute-Couture-Moden­schau. Das sexy Leder verleiht dem Lüstling zusätz­liche Virilität, die bauschigen Volants umhüllen die Edeldame und werden alsbald von einem eng anlie­genden Torero-Bolero abgelöst. Es gilt edler Zwirn für den gehobenen Stand und wilde Vivienne-Westwood-Kreationen für die Domes­tiken um die Magd Zerlina und ihren Bräutigam Masetto. Halb Mensch, halb Fabel­wesen, erinnert die Kostü­mierung der Bauern und somit des Chors der Opéra de Lausanne unter Pascal Mayer an die Mittelerde aus der Saga Herr der Ringe. Mit der weitgehend entrüm­pelten Bühne von Emmanuelle Favre, der diffe­ren­zierten Licht­ge­staltung von Henri Merzeau und dem kühlen Dekor bildet die fanta­sie­volle Gestaltung eine ästhe­tische Einheit. Dabei spiegelt das polierte Parkett den Charakter eines aalglatten Verführers wider, der selbst vor Mord nicht zurückschreckt.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Die Oper, die in d‑Moll beginnt und mit diesem Akkord am Ende der Oper den Tod des Lebemanns intoniert, erhält in der Bühnen­ge­staltung von Vigié trotz einfalls­reichem Schabernack genug Düsterheit. Das Zentrum, in dem der Don seine Gelage mit Wein, Weib und Gesang feiert, ist einge­zäunt von dunklem Gemäuer. Es mahnt die Zuschauer von Beginn weg an das tragische Ende des Antihelden. Im vorletzten Bild ergänzt ein monumen­taler Grabstein mit dem Konterfei des Komturs den bedroh­lichen Rahmen.

Bis der Casanova spani­schen Geblüts von dunklen Höllen­ge­stalten in den Bühnen­boden gezerrt wird und vom Schwe­re­nöter nur noch eine feine Rauch­säule sichtbar bleibt, punktet die Regie mit einer quick­le­ben­digen Perso­nen­führung und viel Humor. Die Kurzweil im fast dreistün­digen Opus ist garan­tiert. Herzhafte Lacher erntet Donna Elvira, die in ihrer spani­schen Tracht nicht nur verheult und deran­giert wirkt, sondern gut sichtbar einen kleinen Giovanni unter ihrem Herzen trägt. Die Madon­nen­figur, die ihr geräuschlos auf Schritt und Tritt folgt, symbo­li­siert Elviras Ambivalenz zwischen Keuschheit und Sünde. Geschickt drückt Lucia Cirillo diese Zerris­senheit mit ihrem facet­ten­reichen Sopran aus, der sowohl spitz zuschlagen als auch sanft nachgeben kann.

Foto © Marc Vanap­pelghem

Don Giovannis Diener Leporello ist mit Riccardo Novaro glänzend besetzt. Der Bariton ist der geborene Komiker und verzückt sein Publikum nicht nur bei der Regis­terarie mit kullernden Augen und sonorer Stimme. Kostas Smori­ginas verkörpert die Titel­partie mit osten­ta­tiver Männlichkeit. Sein vor Kraft strot­zender Don Giovanni ist im Spiel glaubhaft, wirkt aber stimmlich manchmal etwas schroff und trocken. Für seine virtuos darge­botene Serenade Deh, vieni alla finestra, o mio tesoro wäre jedoch ein Szenen­ap­plaus fällig gewesen. Novaro als schus­se­liger Untertan darf in jeder Szene auf seinen timbrierten, wendigen Bariton zählen. In die Herzen der Premie­ren­gäste singt sich jedoch ein anderer, nämlich Anicio Zorzi Giusti­niani als Don Ottavio. Seine Arien Dalla sua pace sowie Il mio tesoro intanto singt der Tenor jeweils vor einer gazeähn­lichen Wand mit feinem Schat­ten­spiel, und er erzeugt mit seiner Kunst, subtil zu reduzieren und vollendete Legati zu kreieren, wohlige Gänsehaut.

Catherine Trottmann versprüht als Bauernmagd Zerlina jugend­lichen Esprit, ihr warmes Timbre in der Tief- und Mittellage ist eine Verheißung für größere Partien. Anne-Catherine Gillet kennt die Grand Opéra gut und mir ihr die tragenden Rollen, wie diejenige der Manon von Jules Massenet. Scheinbar mühelos meistert sie mit ihrem beweg­lichen Sopran die Kolora­turen in Crudele! … Non mi dir und setzt im Forte markante wie im Piano sinnliche Akzente. Ruben Amoretti als Komtur und Leon Kosavic als Masetto ergänzen das starke und gut aufein­ander abgestimmte Sängerensemble.

Das Orchestre de Chambre de Lausanne unter der Leitung von Michael Güttler offeriert ein wahrhaft musika­li­sches Soufflé, dem es nicht an rhyth­mi­scher Dramatik fehlt. Streicher, Blech und Holz sind meisterlich heraus­ge­ar­beitet und verleihen diesem vorwiegend heiteren, aber auch düsteren Don die Leich­tigkeit, ohne die kein Mozart besteht. Auch wenn der auf Hochglanz getrimmte Schein mitunter über Gebühr zelebriert wird, eignete sich diese Produktion hervor­ragend für eine Direkt­über­tragung in einen Kinosaal. Die Premie­ren­gäste honorieren die Gesamt­leistung von Ensemble, Orchester und Regie mit lautem Jubel und begeis­tertem Applaus.

Peter Wäch

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