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COSÌ FAN TUTTE
(Wolfgang Amadeus Mozart)
Besuch am
14. März 2017
(Premiere am 9. März 2017)
Es hat schon einen ganz besonderen Reiz, Opernaufführungen an historischen Orten erleben zu können. Das Schlosstheater Laxenburg, südlich und nicht weit vor den Toren Wiens ist so ein magischer Ort. Erbaut von Kaiserin Maria Theresia 1753 ist es eines der wenigen erhaltenen Adelstheater. Hier wurde schon zu Lebzeiten von Wolfgang Amadeus Mozart seine Oper Le nozze di Figaro im gleichen Jahr der Uraufführung, die 1786 in Wien stattfand, im Sommer für die Kaiserin nochmals aufgeführt. Così fan tutte war für den Sommer 1790 vorgesehen. Der überraschende Tod von Kaiser Josef II, dem Sohn von Maria Theresia, kurz nach der Uraufführung im Wiener Hofburgtheater verhinderte jedoch eine Aufführung im Laxenburger Schlosstheater.
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Es hat auch noch einen weiteren besonderen Reiz, dass nun das Teatro Barocco hier ansetzt und im zweiten Jahr seines Festivals in Laxenburg konsequent sein Credo, nämlich eine historische, absolut werkgetreue Aufführungspraxis zu zeigen, fortführt. Spiritus rector des gesamten Unternehmens und Intendant ist seit fünf Jahren Bernd Roger Bienert, Wissenschaftler, Regisseur und ehemaliger Tänzer an der Wiener Staatsoper. Im Gegensatz zur Originalklangbewegung, wo die authentische Wiedergabe und Beweislage immer wieder umstritten ist, passt Bienert die Bewegungsregie den vielen erhaltenen Bildquellen von Opernaufführungen der Entstehungszeit an. So kommt die Bühnenbeleuchtung teils nur von der Seite und überwiegend nur von unten, um die damals übliche Beleuchtung durch Kerzen nachzustellen. Dadurch wirken die stark geschminkten Gesichter, wie es seinerzeit üblich war, noch maskenhafter und fast unheimlich. Selbstverständlich wird auch auf modernes Theaterequipment wie etwa auf Übertitel völlig verzichtet. Durch die nachgestellte, ausladende und stark symbolische Gestik wird aber der Text bei den Protagonisten, die selbstverständlich in historischen Kostümen auftreten, die ebenso wie die Kulissen vom rührigen Intendanten erdacht wurden, verständlich nachgestellt. Die nach der Seite beweglichen Bühnenelemente sind nur zweidimensional. Selbstverständlich bedarf es, um eine historische Aufführungspraxis glaubhaft zu realisieren, einer akribisch genauen Arbeit mit den Originalpartituren: Jede Anmerkung des Komponisten wird hier wörtlich genommen. Mozart hat auch in seiner Partitur genau bezeichnet, wann ein Sänger die Bühne zu betreten und wann er sie zu verlassen hat. Bienert inszeniert ein „komisches Singspiel“, das die Weisheiten, Bosheiten und erotische Anspielungen Da Pontes und Mozarts perfekt bedient. Es ist ihm ein ungemein vitales, ja turbulentes Verwechslungs- und Verkleidungsspiel mit einfachen, sparsamen Mitteln gelungen, für das er ein spielfreudiges Ensemble zusammengestellt hat.

Kraftzentrum für die Produktion ist Wolfgang Holzmair als Don Alfonso, der mit dieser Rolle seine Opernkarriere beenden will. Er singt die Partie mit kernigem, warmem Material. Er ist kein lächelnder Philosoph, sondern ein fanatischer Strippenzieher, der mit seiner Wette den Männern die Illusionen über die weibliche Treue ordentlich austreiben will. Seine Komplizin Despina ist die quicklebendige, freche, wendige und temperamantvolle Mega Kahts mit flexiblem Sopran, die sogar einige Obszönitäten charmant serviert. Anne Wieben gefällt als glasklare Fiordiligi, Juliette Mars als nervenschwächere Schwester Dorabella mit sattem Mezzosopran. Thomas Elwin ist ein tenoral schmelziger Ferrando, der mit seiner Arie Un aura amorosa innig punkten kann. Christian Kotsis ist eine sehr komödiantischer Guglielmo. Auch der kleine, von Matthias Schoberwalter einstudierte Chor lässt keine Wünsche offen.
Reizvoll und erstaunlich ist ebenso, wie das kleine, nur zwölfköpfige Ensemble Teatro Barocco, bei dem jede Stimme nur einfach besetzt ist, den Raum des reizenden Schlosstheaters auf Grund der exzellenten Akustik zu füllen vermag. Unter der stets animierenden Leitung von David Aronson, der bei Riccardo Muti gelernt hat, vom Hammerklavier aus wird auf alten Instrumenten mit all ihren Tücken inklusive Intonationsproblemen prickelnd frisch und ambitioniert musiziert. Die Transparenz ist enorm, bewirkt aber auch eine erbarmungslose Durchhörbarkeit aller Fehler, die jedoch nur in geringer Zahl zu vernehmen sind.
Das Publikum ist begeistert, es jubelt.
Helmut Christian Mayer