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Er gilt als hervorragender Kenner barocker Operntradition: Bernd Roger Bienert und sein Teatro Barocco haben sich dieser historischen Überlieferung verschrieben und zu ihrem Credo erhoben, die originalnahe Belebung eines möglichst werktreuen Gesamtkunstwerkes in Szenerie und Regie auf die Bühne zu hieven. So haben sie im heute pluralistischen Spektrum der Inszenierungsstile einen fixen Platz gewonnen. Besonders reizvoll ist es diesmal Piramo e Tisbe, ein Alterswerk des heute selten gespielten deutschen Komponisten Johann Adolf Hasse, der von 1699 bis 1783 lebte, im Schlosstheater Laxenburg, wo die Uraufführung 1768 stattfand und das Maria Theresia erbauen ließ. Hier erfreute sich die Monarchin jeden Sommer verschiedenster Opern, so etwa auch etwas später auch Wolfgang Amadeus Mozarts Le nozze di Figaro.
Damals beherrschte der als Il divino Sassone bezeichnete und als herausragendster Repräsentant der barocken Opera seria seinerzeit geltende Komponist die europäischen Bühnen und hatte 1768, dem Entstehungsjahr des Werkes, schon an seinem Lebensabend stehend, gut achtzig Seria-Werke geschrieben. Schon lange gab er an den Höfen von Dresden, Paris, Wien und zuletzt in Venedig den Ton an, als er mit diesem Werk am Wiener Kaiserhof Anschluss an die Reformoper Glucks suchte und auch fand. In dem gut zweistündigen „Intermezzo tragico“ sind Arien und Duette zu schlüssigen, kompakten Szenen verbunden.
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Den Stoff fand er in der Antike. Ovid hat in seinen Metamorphosen die traurige Geschichte des Liebespaares Pyramus und Tisbe erzählt, die durch einen Streit ihrer Familien nicht zusammenkommen dürfen, fliehen und durch einen tragischen Irrtum – er glaubt, sie sei von einem Löwen getötet worden – Selbstmord begehen. Eigentlich ist der Plot eine antike Romeo-und-Julia-Tragödie. In der Oper wird von Hasse und seinem Librettisten Marco Coltellini, der bei der Uraufführung selbst die Rolle des Vaters übernahm, in dem Drei-Personenstück noch die Tragik erhöht: Auch der hartherzige Vater von Tisbe begeht Selbstmord.
Und so wird das Intermezzo tragico in prächtigen Barockkostümen und durch akribische Forschung und minutiöse Sorgfalt des Intendanten Bienert, der nicht nur für Regie, sondern auch Bühnenbild, Kostüme und Lichtdesign verantwortlich zeichnet, in barocker, den Text nachvollziehender Gestik, und im schummrigen Licht, das hauptsächlich von unten strahlt, um so das damals verwendete Kerzenlicht nachzustellen, gezeigt. Besonders das mystische Waldbild mit seinem Tempel und dem Grabmal der Ahnen fasziniert.

Hasses elegante, meist sanfte, oft bittersüße Musik zielt eindeutig auf die Dominanz der Gesangsstimmen ab. Die lassen keine Wünsche offen: Ausdrucksstark, mit vielen Nuancen und wunderbar phrasierend, ja teils flammend erklingt der Sopran der Maria Taytakova in der Hosenrolle des Piramo, die auch im Original als Sopran besetzt ist. Innigst und glockenrein ertönt der Sopran der diesmal vielbeschäftigten Megan Kahts, sie singt hier auch die Fiordiligi in Così fan tutte, als Tisbe. Die oft langen Rezitative der beiden Frauen haben Leben, ihre koloraturreichen Arien imponierende Kraft und ergeben einen fein dosierten Zusammenklang. Hasse hat bei den Koloraturen auch wegen seiner Frau, der damals berühmten Diva Faustina Bordini, nie gespart. Beide Damen sind auch darstellerisch intensiv zu bewundern. Peter Widholz leiht seinen kultivierten Tenor dem eher spärlich eingesetzten Vater. Etwas zu bärenhaft wirkt der tolpatschige Löwe von Gabriel Wanka, dem Hasse für seinen Auftritt eigens eine Sinfonica Leone geschrieben hat.
Vital, frisch, farben- und akzentreich erklingt das Werk. Man kann die Freude am Musizierennicht nur sehen und hören, sondern auch erspüren. Das auf Alte Musik spezialisierte, nur zehnköpfige Ensemble Teatro Barocco, das Emanuel Schmelzer-Ziringer vom Hammerklavier aus leitet, spielt auf historischen Instrumenten mit allen ihren Tücken und Intonationsschwächen wunderbar stimmungsvoll auf. Die vielen Lyrismen und Affekte werden ideal herausgearbeitet.
Viel Applaus vom Publikum auch für die zweite Premiere in Laxenburg.
Helmut Christian Mayer