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Am 26. August 1817 wurde unter der Leitung des theaterambitionierten Juristen Karl Theodor Küstner das neue „Theater der Stadt Leipzig“ eröffnet. Auf dieses Datum geht auch die Etablierung eines festen Opernchores zurück. Dieses 200. Jubiläum feiert die Oper Leipzig mit einem Festwochenende, an dem zwei große Choropern auf dem Spielplan stehen, der Freischütz und die Turandot. Höhepunkt dieses Wochenendes ist jedoch ein großes Festkonzert, dem Opernchor gewidmet, unter anderem mit Werken von Bach, Mendelssohn Bartholdy und Wagner, die als Komponisten und Persönlichkeiten mit Leipzig untrennbar verbunden sind. Doch bevor dieses große Festkonzert des Opernchores beginnt, wird im Opernfoyer eine musikwissenschaftliche Festschrift über die zweihundertjährige Geschichte des Leipziger Opernchors präsentiert. Herausgegeben wird diese Festschrift von Hagen Kunze und Stephan Wünsche im Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, und damit gibt es zum ersten Mal in der deutschsprachigen Musikgeschichtsforschung eine eigenständige Untersuchung der Historie und Gegenwart eines Opernchores.
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Nach einem kurzen Grußwort des Intendanten und Generalmusikdirektors Ulf Schirmer hält Verlagsleiter Klaus-Jürgen Kamprad die Laudatio auf den Opernchor und die ihm gewidmete Festschrift. Die beiden Autoren, der Publizist Hagen Kunze und der Musikwissenschaftler Stephan Wünsche haben diese umfangreiche Festschrift erstellt, wobei Wünsche sich den ersten einhundert Jahren von der historisch-wissenschaftlichen Seite nähert, während Kunze die zweiten Hundert Jahre mehr als Chronist beschreibt, garniert mit netten Anekdoten und wunderbaren Bildern, besonders aus der Zeit der Wiedereröffnung der Leipziger Oper 1960. Komplettiert wird diese Festschrift mit Interviews mit dem langjährigen Chordirektor Andreas Pieske, dem aktuellen Chorleiter Alessandro Zuppardo und Regisseur Peter Konwitschny.
Insgesamt erstreckt sich diese Chronik auf über 240 Seiten, und jeder der aktuell 75 Mitglieder des Leipziger Opernchors wird mit Bild und Kurzvita gewürdigt. Diese Festschrift ist nicht nur eine besondere Würdigung des Leipziger Opernchors, sondern als musikwissenschaftliche Untersuchung eines Chores auch ein Alleinstellungsmerkmal, das über die Grenzen Leipzigs hinaus sicher von Interesse sein dürfte.

Nachdem die Präsentation der Festschrift quasi als Ouvertüre zum eigentlichen Festkonzert überleitete, präsentiert der Leipziger Opernchor nicht nur sein großes Repertoire, sondern zeigt alle Facetten von der Barockmusik bis hin zur großen Chor-Oper. Eröffnet wird das Konzert mit Tönet ihr Pauken, erschallet Trompeten von Johann Sebastian Bach, dem Leipziger Thomaskantor. Das Werk wurde am 8. Dezember 1733 als Glückwunschkantate anlässlich des Geburtstags der Maria Josepha, Kurfürstin von Sachsen und Königin von Polen, mit dem Untertitel Dramma per musica aufgeführt. Die Musik ist fast identisch mit dem ersten Satz aus Bachs Weihnachtsoratorium, und so kommt fast so etwas wie Festtagsstimmung auf. Der Chor interpretiert diesen Satz sehr feierlich, dem Anlass des Jubiläums entsprechend. Überhaupt besteht der erste Teil des Festkonzertes aus sakralen Werken. Ein Kleinod ist Gioachino Rossinis Kyrie eleison – Christe eleison aus der Petite Messe Solenelle. Feierlich getragen erklingt es, und der Mittelteil, ohne Orchester gespielt, zeigt den warmen, weichen Klang dieses Stimmkörpers. Einem weiteren großen Musiker der Stadt Leipzig ist das nächste Werk gewidmet. Felix Mendelssohn Bartholdy war von 1835 bis 1847 Leipziger Gewandhauskapellmeister und prägte die Musikszene Leipzigs wie kaum ein anderer Künstler vor ihm. Alles, was Odem hat, aus seinem Lobgesang, nimmt der Chor wörtlich und singt dieses Werk mit voller Inbrunst. Danach wird es wieder sehr feierlich mit Wie lieblich sind deine Wohnungen aus dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms, bevor zum ersten Mal Giuseppe Verdi an diesem Abend erklingt, mit der Stabat Mater aus den Quattro Pezzi Sacri. Ähnlich wie sein Requiem hat Verdi dieses Stück sehr differenziert angelegt, es ist ein stetiger Wechsel zwischen Chor und Orchester, pathetisch vorgetragen und die perfekte Überleitung für den zweiten Teil, mit großen Chorszenen aus Opern, die fast alle im Repertoire des Leipziger Opernchores sind.
Eröffnet wird der zweite Teil passenderweise mit Richard Wagners Freudig begrüßen wir die teure Halle aus dem Tannhäuser. Nachdem dieses Werk vor zwei Jahren in einer konzertanten Fassung in Leipzig umjubelt wurde, ist es nun genau auf den Tag noch ein Jahr hin bis zur Premiere des neuen Tannhäuser an der Oper Leipzig, der am 17. März 2018 in einer Inszenierung von Katharina Wagner auf die Bühne kommen wird. Und Chor und Orchester sind jetzt schon musikalisch hervorragend auf dieses Werk eingestimmt, so dass die Vorfreude, zumindest was die musikalische Seite anbelangt, nicht größer sein kann.
Und Wagner gehört in seiner Geburtsstadt Leipzig fest zum Repertoire. Es ist nach wie vor Ulf Schirmers großes Ziel, in der Zukunft alle dreizehn Opern im aktiven Repertoire des Hauses zu haben. Der Tannhäuser wird die nächste Etappe sein.
Es folgen große Chorszenen aus Opern von Bellini, Donizetti und Rossini, und der Chor beweist, warum der Stil dieser Komponisten Belcanto heißt. Ob aus La Sonnambula, Don Pasquale oder Guglielmo Tell, der Chor zeigt alle Facetten seines Könnens und macht diese drei Stücke zu „schönem Gesang“. Bei Sparve il sol aus Verdis Macbeth dürfen die zweiunddreißig Herren des Chores mit dunklem Gesang die düstere, dämonische Seite des Werkes betrachten, bevor die vierunddreißig Damen mit Tre volte miagola la gatta in fregola die passende Antwort geben. Sowohl Damen- als auch Herrenchor bilden für sich alleine einen absolut harmonischen Stimmkörper mit kluger Intonation und großer Textverständlichkeit. In Verdis Lombarden, eine weitere Oper mit großem Choranteil, beweist der Chor mit O signore dal tetto natio seine wunderbare Klangharmonie mit dem Gewandhausorchester.
Natürlich darf der Jägerchor aus Carl Maria von Webers Freischütz bei so einem Konzert nicht fehlen, zumal dieses Werk ja erst vor zwei Wochen mit großem Erfolg seine Premiere an der Leipziger Oper feierte und natürlich beim Festwochenende mit auf dem Plan steht. Hier dominieren die Tenöre sauber und strahlend, und der Jubel des dankbaren Publikums ist ihnen gewiss. Heiter und volkstümlich präsentiert der Chor Feste e pane aus Amilcare Ponchiellis Gioconda, bevor Les voici, voici la quadrille aus Gorges Bizets Carmen das offizielle Programm mit großer Leidenschaft beschließt. Natürlich muss der Chor zwei Zugaben geben, das Publikum ist förmlich berauscht an diesem Klang. Nach Verdis Fuoca di gioia aus Otello steht die wohl bekannteste Chorszene der Opernliteratur als feierlicher Abschluss des Festkonzertes auf dem Programm, Verdis Va, pensiero, der Gefangenchor aus Nabucco. Diesen großen Hymnus singt der Chor mit allergrößter Hingabe und Leidenschaft.
Auch wenn an diesem Abend natürlich der Chor im Vordergrund steht, so ist es auch ein Abend des Leipziger Gewandhausorchesters und seines Generalmusikdirektors, Ulf Schirmer. Die Leidenschaft, der Spielwitz, das Enthusiastische, all die vielen Farben bringen die Musiker zum Leuchten, und Schirmer, der mit großem, körperlichem Einsatz dirigiert, hat sichtbar Freude an diesem Abend und an seinem Chor.
Bei Alessandro Zuppardo, der als Chorleiter zum Ende der Spielzeit nach fünf Jahren die Oper Leipzig verlässt, sind Stolz und Wehmut gleichzeitig in seinem Gesicht zu lesen. Die Oper Leipzig und das Publikum feiern ihren Chor gebührend, der sich heute zu seinem 200. Geburtstag im festlichen Gewand präsentiert. Herzlichen Glückwunsch dem Leipziger Opernchor!
Andreas H. Hölscher