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Foto © Lorraine Wauters

Verträumt-narkotisierende Barock-Oper

DIDO AND AENEAS
(Henry Purcell)

Besuch am
9. Mai 2017
(Premiere)

 

Opéra Royal de Wallonie, Liège

Henry Purcells 1688 urauf­ge­führte Oper Dido and Aeneas erfreut sich nicht ohne Grund großer Beliebtheit. Eine Kurzoper, die sich überschaubar besetzen und auch ohne großen szeni­schen Aufwand wirkungsvoll reali­sieren lässt. Die Lütticher Oper gibt sich damit nicht zufrieden und wandelt das Werk in eine üppige Ausstat­tungsoper um, wobei sie nicht kleckert, sondern mit allem klotzt, was der technische Apparat hergibt. Dass man durch eine lange, letztlich überflüssige Tanzsuite vor verschlos­senem Vorhang und eine ebenso überflüssige ausge­dehnte Pause das knapp einstündige Werk auf die doppelte Länge bläht, hat freilich seinen Preis. Ungewollte und vor allem unnötige Längen sind nicht zu verhindern.

Für das Auge bietet das Regie-Duo Cécile Roussat und Julien Lubek, das zugleich für Bühnenbild, Kostüme und die Choreo­grafien zuständig ist, jedoch eine Menge, wenn die Liebe zwischen dem troja­ni­schen Helden Aeneas und der kartha­gi­schen Königin Dido von einer Zauberin und Hexen durch­kreuzt wird und Dido am Ende ihr kummer­volles Leben aushaucht.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Dido erleidet in Lüttich einen leisen, sanften Tod. Drama­tische Impulse gehen von der Insze­nierung kaum aus. Die feinfühlige Sensi­bi­lität, die den Abend bestimmt, nimmt für sich ein, führt aber angesichts der verkrampften zeitlichen Ausdehnung zu Spannungs­ver­lusten. Dass die Matrosen arg besoffen über die Bühne taumeln und mit akroba­ti­schen Einlagen auf dem Boden und in schwe­bender Höhe für zirzen­si­sches Kolorit sorgen, kann über die zurück­hal­tende, mitunter kaum vorhandene Perso­nen­führung der Haupt­fi­guren nicht hinweg­täu­schen. Oft belässt es das szenische Team bei anmutigen Tableaus, die durch einfältige Tanz-Choreo­grafien nur wenig belebt werden.

Foto © Lorraine Wauters

Das alles spielt sich in einer azurblau ausge­leuch­teten Bühne ab, die mit fanta­sie­vollen Versatz­stücken und noch skurri­leren Kostümen überrascht. Es ist eine künst­liche Märchenwelt, ausge­stattet mit pitto­resken Felsvor­sprüngen, Schiffen, Sänften und vielen optischen Schman­kerln, die einem barocken Bilderbuch entsprungen zu sein scheinen. Und vor allem die Kostüme der Neben­fi­guren tauchen in eine geheim­nis­volle Fabelwelt ein, wenn sich Krakenarme ausbreiten oder anmutige Mädchen in schlichten, weißen Stoffen zur Gambe greifen und eine Art barocken Engels­kon­zerts anstimmen.

Das alles lässt sich prächtig anschauen. Aber der drama­tische Kern wird durch den verträumt-narko­ti­sie­renden Grundton der Insze­nierung überspielt.

Es scheint, dass sich der Dirigent Guy van Waas von dieser anämi­schen Stimmung anstecken ließ. Der kann zwar mit dem authen­ti­schen Instru­men­tarium des Barock-erfah­renen Ensembles Les Agrément für farbige, zarte Klänge sorgen, vermag aber die Aufführung nicht so recht in Schwung zu bringen. Dafür konzen­triert er sich zu sehr auf einen harmo­nisch runden Wohlklang anstatt auf die Musik, vor allem in den elegi­schen Klage­ge­sängen, als affekt­be­tonte Klang­reden zu begreifen, wie es sich für eine barocke Oper gehört.

Entspre­chend blutarm singt Roberta Inver­nizzi als Dido ihre Partie, auch wenn gesanglich nichts an ihrer Inter­pre­tation auszu­setzen ist. Und Benoit Arnould als Aeneas mit seinem schönen, in den Höhen etwas substanz­armen Bariton bleibt vokal ebenfalls zu passiv. Katherine Crompton als Didos Schwester Belinda hat in der Premiere noch mit einigen Intona­ti­ons­pro­blemen zu kämpfen. Rundum zufrie­den­stellend präsen­tiert sich der Chor.

Das Premieren-Publikum fühlt sich von der pastoral-lyrischen Inter­pre­tation des Stücks hörbar angetan. Viel Beifall für eine aufwändige Produktion mit durch­wach­senem Ergebnis.

Pedro Obiera

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