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MANON LESCAUT
(Giacomo Puccini)
Besuch am
19. September 2017
(Premiere)
Am Dirigentenpult steht sie erst seit fünf Jahren. Der Taktstock stand dabei nie im Mittelpunkt der musikalischen Träume von Speranza Scappucci, der jungen Römerin, die ab jetzt an der musikalischen Spitze des Lütticher Opernhauses steht. „Ich bin vor allem Musikerin und lebe für die Musik. Mein Herz schlägt nicht nur für die Oper. Ich spiele mit gleicher Leidenschaft Klavier, am liebsten Schubert, ich mache Kammermusik im Klavierquintett oder mit einem befreundeten Cellisten und auch auf dem Konzertpodium ist nichts vor mir sicher“, sagt Scappucci.
Ihre glänzende Ausbildung als Pianistin an der New Yorker Juilliard School und am Conservatorio di Musica Santa Cecilia in Rom befähigte sie dazu, sich an etlichen internationalen Opernhäusern als Korrepetitorin ein großes Opernrepertoire zu erschließen. Darunter als Assistentin von Riccardo Muti an der Wiener Staatsoper und den Salzburger Festspielen. In der letzten Spielzeit explodierte ihre Karriere geradezu. Da allein debütierte sie an der Wiener Staatsoper sowie den Opern von Barcelona, Rom und Los Angeles und dirigierte im Amsterdamer Concertgebouw. In dieser Spielzeit folgen unter anderem Konzert- und Opernaufführungen in Zürich, Wien, Turin, New York, Tokio, Moskau und Shanghai.
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Die Saisoneröffnung der Lütticher Oper mit Giacomo Puccinis erstem Welterfolg Manon Lescaut steht somit ganz im Zeichen der neuen Musikchefin. Die temperamentvolle Dirigentin hat schon im Frühjahr mit einer eindrucksvollen Produktion von Verdis Rarität Jérusalem bewiesen, wie gut sie sich im italienischen Fach auskennt und wie souverän sie ihre Vorstellungen umsetzen kann. Auch wenn sie sich nicht auf die italienische Oper festnageln lassen möchte, kommt sie mit ihrer Mentalität und ihrer Erfahrung den Vorstellungen des Lütticher Intendanten Stefano Mazzonis di Pralafera besonders glücklich entgegen. Dessen Herz schlägt voll und ganz für die Oper seines Heimatlandes und wenn er auch als Regisseur nicht mehr als konventionelle Hausmannskost einfahren kann, zeigt er für die Besetzung der anspruchsvollen Stücke stets ein glückliches Händchen.
Das ist auch in der neuen Manon-Produktion nicht anders. Über die Inszenierung des Hausherrn ist nicht viel zu sagen. Di Pralafera kennt das Stück und liebt es auch. Das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen den von Puccini und seinen Librettisten alles andere als eindimensional gezeichneten Figuren arbeitet er detailgenau aus und hält sich strikt an die szenischen Vorgaben. Das alles präsentiert sich in ebenso werkadäquaten, in der Handlungszeit des 18. Jahrhunderts belassenen Dekorationen von Jean-Guy Lecat, bei denen sich der Salon des steinreichen Geronte ebenso üppig zeigt wie die finale Wüstenlandschaft von Louisiana trostlos. Eine insgesamt saubere, sehr konventionelle Inszenierung ohne besonderes Profil.

Und Scappucci? Sie hält die Fäden auch in den komplexesten Ensemble- und Chorszenen fest in der Hand, setzt in den etwas langatmigen Genreszenen der ersten beiden Akte auf straffe Tempi und lässt in den emotionsstarken Szenen dramatische Impulse wie lyrischen Schmelz gleichermaßen zu ihrem Recht kommen. Den für sentimentale Entgleisungen anfälligen Schlussakt dirigiert sie sensibel und mit feiner Leuchtkraft. Dass sie, selten genug im Opernalltag, Rücksicht auf die Sänger nimmt, die sich erfreulich frei entfalten können, rundet den hervorragenden Gesamteindruck ab. Beste Voraussetzungen auch für die zweite Produktion unter Leitung der jungen Dirigentin mit Bizets Carmen im kommenden Frühjahr.
Auch das Gesangsensemble kann sich hören lassen. Da vermag Anna Pirozzi in der Titelrolle über weite Strecken mit schwerelos zarten und gleichwohl substanzreichen Tönen und edlen Gesangslinien zu verwöhnen, auch wenn sich ihre Stimme in den Höhen verhärtet. Der Tenor von Marcello Giordani als des Grieux verfügt über den nötigen metallischen Glanz. Er bewältigt damit selbst die unbequemsten Spitzentöne, wenn auch nicht ohne Anstrengung. Stimmlich blasser wirken Ionut Pascu als Lescaut und Marcel Vanaud als Geronte. Vorzüglich gelingt der kleine, aber feine Auftritt des Nachwuchstalents Alexis Yerna als Musico.
Insgesamt eine musikalisch hochwertige und szenisch gediegene Produktion, die das Premierenpublikum mit großer Begeisterung goutiert.
Pedro Obiera