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Foto © Tom Mesic-Sakher Almonem

Reise ins Innere der Seele

DIE ANDERE SEITE
(Michael Obst)

Besuch am
20. Mai 2017
(Öster­rei­chische Erstaufführung)

 

Landes­theater Linz

In erster Linie ist Alfred Kubin als Schöpfer von dunklen, teils bizarren Zeich­nungen, als Meister des Düsteren und Hinter­sin­nigen und als Illus­trator bekannt. Er schrieb aber auch den fantas­ti­schen Roman Die andere Seite, in dem er sich in einem psychi­schen Ausnah­me­zu­stand seine vielfach erlit­tenen Schick­sals­schläge quasi als Autopsych­iatrie vom Leib schrieb. Darin schuf er die utopische Traum­stadt Perle von bizarrer Fantastik, in die ein Zeichner auf Einladung eines Freundes in emotionale Extrem­si­tua­tionen gerät. Diese Welt, in der nie die Sonne scheint und es keinen Fortschritt gibt, ist in einem perma­nenten apoka­lyp­ti­schen Unter­gangs­zu­stand und sie gerät immer mehr aus den Fugen. Es kommt zur Aufhebung der Grenzen zwischen Wirklichkeit, irrealer Fiktion und Unter­be­wusstsein, worüber seine Frau zerbricht und stirbt. Letztlich wird die Welt von Tieren und Pflanzen übernommen, als er sie schließlich verlässt. Hermann Schneider, derzei­tiger Intendant des Linzer Landes­theaters, hat aus diesem Roman ein Libretto geformt und Michael Obst die Musik komponiert.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Eine wunderbare, tieftraurige, armenische Melodie hat ihn so faszi­niert, dass er sie auch gleich leitmo­ti­visch und variierend für seine dritte Oper einsetzt und sie chorisch damit beginnen und enden lässt. Darüber hinaus hat Obst aber in seinem 2010 in Würzburg urauf­ge­führten Musik­drama Die andere Seite, das jetzt am Linzer Landes­theater die öster­rei­chische Erstauf­führung erlebt, eine Partitur geschaffen, die viele Klang­sphären mischt: Reale Farben des Orchesters treffen auf fremd­artige Elektronik, die mit der laufenden Zunahme des Irrealen immer mehr an Dominanz gewinnt. A‑capella-Chorpas­sagen, vom bestens dispo­nierten Chor des Hauses gesungen, kontras­tieren sich mit Klang­gewalt, Schnei­dendes mit morbid-fragiler Schönheit. All das weiß das exzel­lente Bruck­ner­or­chester unter dem schei­denden Dirigenten Dennis Russell Davies, es ist seine – vorläufig – letzte geplante Opern­pro­duktion am Haus, mit ungemeiner Konzen­tration und Präzision ambitio­niert wiederzugeben.

Foto © Tom Mesic-Sakher Almonem

Jon Dew lässt den fantas­ti­schen Plot – schon wieder! – in einer Nerven­heil­an­stalt vor verän­der­baren Raumku­lissen, die an den indus­tri­ellen Stil um 1900, der Entste­hungszeit der Oper, erinnern und vor einer Brücke spielen. Dadurch werden natürlich die Aussagen der Protago­nisten relati­viert, denn sie sind ja jetzt alle Narren. Die Bewohner sind hier in Käfigen gehaltene Insassen. Die Ausstattung von Dirk Hofacker, auch was die Kostüme betrifft, stammt aus dieser Zeit und ist sehr detail­getreu. Auch die Couch von Freud aus der Wiener Berggasse 19 ist da. Immer mehr skurrile Figuren erscheinen auf der Bühne. Ein riesiges, beweg­liches Auge und Tierge­sichter schweben darüber.

Es ist ein langer, stummer Schrei, den der Zeichner, es ist Kubin selbst, gleich zu Beginn von sich gibt, mit dem er all seine Verzweiflung hinaus­schreit. Martin Achrainer spielt und singt ihn bravourös mit pracht­vollem Bariton. Seine Frau, die an den chaoti­schen Umständen in der Stadt Perle verzweifelt und stirbt, wird von Gotho Gries­meier nuancen­reich gezeigt. Der geheim­nis­volle Freund und hier auch Chefarzt der Nerven­heil­an­stalt, Claus Patera, wird vom Counter­tenor Denis Lakey, mit vielen musika­li­schen Zitaten gespickt, expressiv gestaltet. Vom Ensemble ragen meist in mehreren Rollen noch Martha Hirschmann als verfüh­re­rische Kranken­schwester Melitta, Nikolai Galkin sowie Michael Wagner unter anderem als Arzt heraus.

Nach den eindrei­viertel, pausen­losen Stunden gibt es vom Publikum im nicht ausver­kauften Haus, viel Applaus.

Helmut Christian Mayer

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