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Foto © Wilfried Hösl

Wenig Meistersinger in Mailand

DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG
(Richard Wagner)

Besuch am
16. März 2017
(Premiere)

 

Teatro alla Scala, Mailand

Nürnberg steckt mitten im Wieder­aufbau der Nachkriegszeit. Metall­ge­rüste, Plastik­planen prägen die Baustelle rund um die Ruinen einer gotischen Kirche. Ein paar Säulen, Spitz­bo­gen­fenster und Reste eines Portals sind auf der Drehbühne als Katha­ri­nen­kirche ersichtlich. Ein hellaus­ge­leuch­teter, leicht bewölkter Himmel schimmert über der Stadt, am Horizont sind verschiedene Kräne und Bautürme erkennbar. So gestaltet Hans Schavernoch das Bühnenbild für den gesamten Abend dieser Neuin­sze­nierung von Richard Wagners Meister­singer von Nürnberg, eine Kopro­duktion des Teatro alla Scala und der Oper Zürich.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum    
Chat-Faktor  

Regisseur Harry Kupfer belebt die Szenerie mit munterem Treiben, an dem Jung und Alt aktiv teilnehmen. Yan Tax steckt die Nürnberger Bürger in Anzug und Krawatte, die Bürge­rinnen in schlichte, aber modisch elegante Kleider, etwas überzogen für den Besuch der Baustelle. Auch die Prügel­szene oder Hans Sachs‘ Werkstatt finden in den Ruinen Platz. Die Licht­regie von Jürgen Hoffmann lässt Sonnen­licht auf die Bühne strahlen und nimmt auf Tages­zeiten wenig Rücksicht. Ausge­lassen, verspielt und positiv wirkt die Gesamt­stimmung. Der Chor der Mailänder Scala ist stimmlich wiederum bestens von Bruno Casoni vorbe­reitet worden, und auch auf die Verständ­lichkeit wird Wert gelegt. Mächtig durch­dringend hallt sein Klang für das Volk im letzten Akt und versetzt das Publikum in Staunen und Ehrfurcht.

Daniele Gatti hat die musika­lische Leitung übernommen. Seine Inter­pre­tation ist ein breiter, roman­ti­scher Fluss; scharfe Konturen, militä­risch anmutende Tempi oder Staccati sowie Wechsel in den Lautstärken fehlen. Er lässt das Orchester mehr als Begleitung anstatt als Führung erscheinen. Einige Unsicher­heiten bei den Bläsern gehen im sonst sicher und souverän spielenden Orchester unter.

Foto © Winfried Hösl

Missfallen verur­sacht die Auswahl der umfang­reichen Sänger­riege. Allen voran kämpft Michael Schade auf verlo­renem Posten mit den Anfor­de­rungen an die Rolle des Walther von Stolzing. Mit viel Druck forciert er die Höhen, kaum gelingt ein sicherer Melodie­bogen und über breite Phasen ist sein Gesang kaum hörbar oder die Hilfe­stellung des Souffleurs besser verständlich. Die Ameri­ka­nerin Jacquelyn Wagner hat viel Stimme, aber auch Dramatik, und ihre Eva wirkt überzogen. Angestrengt versucht sie, spitze Höhen zu vermeiden. Michael Volle zieht so die Aufmerk­samkeit voll auf seine Gestaltung des Hans Sachs, die ihm meisterhaft gelingt. Über den gesamten Abend bleibt er sicher und kraftvoll, sehr wortdeutlich und auch im Spiel sehr präsent. Sein Hans Sachs ist durchaus kämpfe­risch und mit erhobenem Zeige­finger selbst­be­wusst anstatt väterlich umsorgend. Dem jungen Öster­reicher Markus Werba gelingt eine stimmlich saubere und farben­reiche Inter­pre­tation des schrägen Sixtus Beckmesser, im Spiel bleibt er verhalten. Peter Sonn ist ein frischer, junger David mit leichten Schwie­rig­keiten in den Höhen, aber weicher, klarer Mittellage. Seine Magdalena, Anna Lapkovskaja, setzt da mehr auf Präsenz und Dramatik, beein­druckt aber mit ihrer Wortver­ständ­lichkeit und Stimm­stärke. Albert Dohmen zeigt einen sehr gealterten Veit Pogner und bleibt im Parlando. Wenig Akzente setzt die restliche Riege der Meister­singer, sodass die Lehrbuben und auch der Nacht­wächter von Wilhelm Schwing­hammer hervorstechen.

Viel diffe­ren­zierter Beifall des am Ende ausge­dünnten Premie­ren­pu­blikums und positiver Zuspruch für das Regieteam. Helmut Pitsch

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