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Jugend - Foto © Matthias Stutte

Schöne Musik und solides Handwerk

SINFONIE DES LEBENS
(Robert North)

Besuch am
4. März 2017
(Premiere)

 

Theater Krefeld Mönchengladbach,
Theater Rheydt

Robert North, Ballett­di­rektor am Theater Krefeld Mönchen­gladbach, hat in seinem Schatz­kästchen an Erfah­rungen gekramt und drei Stücke heraus­ge­fischt, die er zu einer Sinfonie des Lebens zusam­men­ge­stellt hat. Überra­schend erkennt North zwar eher einen Trend zu abend­fül­lenden Balletten, erklärt sich aber dennoch bereit, drei der Perlen seines Reper­toires erneut einzu­stu­dieren. Dazu geht er weit in die Vergan­genheit zurück.

Die Rahmen­be­din­gungen für den Premie­ren­abend sind denkbar ungünstig. Noch sind Ressourcen und Kondition im Rheinland vom Karneval erschöpft, aber vor allem spielt der heimische Fußball­verein gegen einen Erzri­valen. Und im Theater sind die, die laut Bekunden einer Besucherin keine Karten für das Fußball­spiel bekommen haben. Das mag übertrieben sein, aller­dings füllt das Publikum nicht einmal die Hälfte der Plätze. Das kann heiter werden.

Findet auch North und eröffnet den Reigen des Abends mit Jugend, einem Stück, das er vor 17 Jahren „unter pädago­gi­schen Gesichts­punkten“ für seine Studenten erarbeitete. So erklärt sich die eher anspruchslose Choreo­grafie, die mit viel Personal und Verve im leeren Bühnenraum von Udo Hesse, lediglich nach hinten im weißen Einheits­licht von einer blauen Fläche begrenzt, statt­findet.  Versüßt wird das Bemühen, mit viel Bewegung auf der Bühne unter­schied­liche Spiel­arten der „Liebe“ darzu­stellen, durch die doch eher unbekannte Musik der Simple Symphony von Benjamin Britten, die er mit Anfang 20 verfasst hat und die insofern dann auch gut zum Thema passt.

POINTS OF HONOR

Musik  
Tanz  
Choreo­grafie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Bereits 1986 wurde Der Schlaf der Vernunft von North in Stuttgart urauf­ge­führt. Konzep­tionell führte er damals das Bild Francisco de Goyas Der Schlaf der Vernunft produ­ziert Monster und die Musik von Dmitri Schost­a­ko­witsch aus dessen vierzehnter Sinfonie zusammen. Der Titel der Sinfonie irritiert – eher handelt es sich hier um einen Lieder­zyklus, der den Grauen aller Kriege vor Augen führt, um das Leben zu verherr­lichen. Bühnen­bildner Andrew Storer findet dazu mit wenigen Versatz­stücken auf der überwiegend dunklen Bühne, die verstärkt von Verfolgern ins Visier genommen wird, drama­tische Wirkung. Janet Bartolova und Hayk Dëinyan treten als Sänger aus dem Ensemble auf. Da sie die Lieder in den Origi­nal­sprachen singen, was durchaus Sinn macht, hätte man die Wirkung mögli­cher­weise noch mit ein paar Übertiteln, vielleicht einmal in origi­neller Weise präsen­tiert, darin ist das Theater eigentlich sonst gut, steigern können. So bleibt es beim Stimm­klang, der aber auch ausreicht, um das Bühnen­ge­schehen zu unter­streichen oder es gar mitunter vergessen zu machen. Es ist ein düsteres, aber insofern eindrucks­volles Stück, in dem Irene van Dijk als das Leben in einem präch­tigen roten Kleid und Alessandro Borghesani als Tod im handels­üb­lichen Kostüm um die Oberhand kämpfen und das Corps als Beiwerk fungiert. Die Ausgangs­si­tuation ist stark, die Tänzer sind großartig – da wäre seitens der Choreo­grafie so viel mehr drin gewesen.

Der Schlaf der Vernunft – Foto © Matthias Stutte

Hat die Düsternis des Goya-Stückes das Publikum mehr bewegt als erschreckt, soll es in der Neufassung von Farben­spiel zum versöhn­lichen Ende geführt werden. Die Urauf­führung des Stücks fand 1983 unter dem Titel Colour Moves in London statt. Dazu gibt es eine eigene Musik, die Chris­topher Benstead kompo­niert und anlässlich der Wieder­auf­er­stehung überar­beitet hat. Fröhlichkeit steht im Vorder­grund, und man glaubt, manches Zitat aus ameri­ka­ni­schen Musicals zu hören. Hesse hat hier die farbigen Flächen von Bridget Riley auf der Bühne als Prospekte wieder­ver­wendet, die den farbig sortierten Tanzgruppen zugeordnet werden. Wenn aller­dings hier durch­trai­nierte Männer in rosafar­benen Ganzkör­per­kon­domen auftreten, braucht man nicht homophob zu sein, um das abgeschmackt oder gar lächerlich zu finden. Im Programmheft werden die Kostüme von Hesse vorsichts­halber als „Rot“ bezeichnet. Trotzdem überwiegt der Eindruck der Farbigkeit. Und das Schlussbild muss man unbedingt als originell bezeichnen.

War bislang wenig von den eigent­lichen Choreo­grafien zu lesen, liegt das nicht an den Tänzern und Tänze­rinnen, die ihr Handwerk einwandfrei beherr­schen und viel Engagement demons­trieren, sondern an den doch eher durch­schnitt­lichen Leistungen des Choreo­grafen. Sprung­stark und hebungs­freudig gewiss, aber Spitze scheint von der Ballett­ge­nos­sen­schaft verboten und Origi­na­lität von der Theater­leitung untersagt worden zu sein. Das Corps erscheint am Ende einer zweistün­digen Aufführung nahezu ausgeruht.

Großar­tiges leisten die Nieder­rhei­ni­schen Sinfo­niker, die hier in kleiner Formation unter der Leitung von Diego Martin-Etxebarria auftreten. Abseits des üblichen Konzert-Reper­toires beein­drucken die Musiker mit auch nach 30 Jahren noch aktuell erklin­genden Einfällen. Und man mag dem Choreo­grafen damals allen Beifall gezollt haben, dass er sich auf diese Kompo­si­tionen einge­lassen hat.

Aber: Dem Publikum gefällt’s. Großer Applaus. Robert North findet genau die Bilder, die Menschen vom Nieder­rhein begeistern. „Das dritte Stück ist besonders schön“, lautet die Meinung in Reihe vier. Na also, dem Publikum gilt’s und nicht der Kunst.

Michael S. Zerban

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