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ANDREA CHÉNIER
(Umberto Giordano)
Besuch am
31. Juli 2017
(Premiere am 12. März 2017)
Eine Großaufgebot an bekannten Namen erwartet das Publikum am letzten Abend der Münchner Opernfestspiele. Die gefeierte Neuinszenierung von Umberto Giordanos bekanntester Oper Andrea Chénier – Premiere am 12. März dieses Jahres – kehrt zurück. Wieder mit dem Münchner Erfolgsduo Anja Harteros und Jonas Kaufmann. So wird der Abschlussabend nochmals zum medialen und gesellschaftlichen Ereignis. Auf den Stufen zum ehrwürdigen Nationaltheater drängen sich „Karte gesucht“-Schilder unter weiß-blauem Himmel. Knisternd auch die Stimmung im Innern, ein Zuschauer nutzt die Stille vor dem Öffnen des Vorhangs, um das Handyverbot lautstark in den Raum zurufen. So soll der Abend keine Störungen erleben.
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Die Inszenierung von Philipp Stölzl ist eine realistische, bunte Erzählung der politisch brisanten Liebe des Poeten Andrea Chénier und der adeligen Maddalena di Coigny bei Ausbruch der französischen Revolution. Zwei politisch Verdächtige, die Gerard, der ehemals Diener im aristokratischen Hause der Coigny war und durch die Revolution an die Macht gespült wurde, vehement verfolgt. Eine Geschichte, die rührt, berührt und viel Handlungsraum für Regie und Bühne bietet. Den nutzt zweifelsohne der filmisch geprägte Regisseur Stoelzl, der zusammen mit Heike Vollmer auch die Bühne gestaltet. Paläste und unterirdische Gänge im Querschnitt machen den Betrachter zum Voyeur. Viele Ereignisse, viele handelnde Teilnehmer verweben diese Oper zu einem dichten Geschehen, das hier wie im Film in raschen Sequenzen technisch geschickt ohne Pause in den Ortswechseln abläuft. Edle, historische Kostüme von Anke Winkler kleiden die zahlreichen Protagonisten.

Jonas Kaufmann passt in Erscheinungsbild und Spiel bestens in diese Rolle. Im eleganten Zwirn erscheint er als der junge, hoffnungsvolle Poet im adligen Palais. Mit seiner eindringlichen, romantischen Arie an die Liebe erobert er in der jungen Comtesse Maddalena eine idealistische Mitstreiterin. Verhalten steigt er in diese anspruchsvolle Arie ein, die ein Hit der Opernliteratur geworden ist, dramatisch kostet er die hohen Töne im schwülstigen Crescendo aus, eines seiner gemeingesetzten Stilmittel, um sein vorsichtiges Ansingen und intonieren zu bedecken. Das wird besonders beim Liebesbekenntnis im Duett im zweiten Akt spürbar, wo einige unsichere Töne den wunderbaren Gesamteindruck schmälern. Strahlend und stimmlich in Bestform zeigt sich Anja Hateros als Maddalena. Wieder darf sie eine leidende, nach Erlösung suchende Jungfrau spielen. Ihre silbrig weiche, reine Stimme färbt sich melancholisch. Aber auch Dramatik und Zähne zeigt sie im dritten Akt im Kampf mit Gerard und ihrer Familiengeschichte, einfühlsam eingeführt in ihrer großen Arie La Mamma Morta. Souverän und selbstbewusst setzt sie Töne und Tonsprünge, sicher sitzt die Höhe und reifen die Melodiebögen. Hier schafft sie es auch, den Dirigenten zu romantischen Ausbrüchen im Orchester zu überreden. Auch Ambrogio Maestri, der kurzfristig für Luca Salsi eingesprungen ist, lässt sich da erweichen und wird vom Saulus zum Paulus. Unverblümt setzt er seine Körperfülle ein, um mit seinem Resonanzkasten volle, warme Töne von der Tiefe bis sind in die mittlere Höhe zu erzeugen. Stimmungsvolle Charakterdarstellungen mit sonorem Glanz bieten Doris Soffel als Gräfin von Coigny und Elena Zilio als Madelon.
Im Orchestergraben herrscht revolutionäre Aufbruchsstimmung. Lautstark zieht das Orchester von Beginn unter der gebärdenreichen Führung von Omer Meir Wellber los. Aufmerksam, diszipliniert folgen ihm die Musiker und lassen sich zu wuchtigen militärischen Aufmärschen wirkungsvoll hinreissen. Die zarten barocken Stellen der Partitur, Sinnbild für die überholte adelige Welt, gelingen tänzerisch. Die romantischen, gefühlvollen Passagen der unbeirrten Liebe wirken gehetzt, und das laut aufspielende Orchester fordert die Sänger heraus.
Viele Vorhänge und strahlend gelöste Gesichter am Ende. Mit Inbrunst und viel Freude nimmt das Publikum Abschied von den Sängern, aber nicht, ohne sich auf den Gängen bereits für die nächste Saison zu verabreden.