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Foto © Christoph Krey

Abschiedsvorstellung

SHAKESPEARE IN JAZZ
(Caroll Vanwelden)

Besuch am
8. Juli 2017
(Urauf­führung am 7. Juli 2017)

 

Shake­speare-Festival Neuss, Globe-Theater

Ermüdungs­er­schei­nungen gibt es auch nach einem Monat kaum. Ganz im Gegenteil. Auch am letzten Abend des Shake­speare-Festivals ist das Globe-Theater an der Neusser Rennbahn wieder hervor­ragend besucht. Fast möchte so etwas wie Wehmut aufkommen. Zum letzten Mal in diesem Jahr der freund­liche Empfang bei der Einfahrt. Die schon geradezu als intim zu bezeich­nende Atmosphäre auf dem Theater­vor­platz, durch­drungen vom Summen der Besucher­ge­spräche und der Stimme Vanessa Schor­manns, die letzte Sätze ihrer Einführung in das Mikrofon spricht. Für eine Festge­sell­schaft ist eigens ein langer Tisch auf dem Hof aufgebaut worden. Noch einmal erklingt der Schel­lenbaum, der zur Aufführung ruft. Rainer Wiertz, Kultur­re­ferent und Künst­le­ri­scher Leiter, zeigt sich mit dem Ergebnis des diesjäh­rigen Festivals außer­or­dentlich zufrieden, erzählt von überaus erfreu­lichen Auslas­tungs­zahlen und den zurück­lie­genden Höhepunkten der vergan­genen vier Wochen.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Wirklich ist Wiertz und seinem Team ein ausge­sprochen vielsei­tiges und abwechs­lungs­reiches Programm gelungen. Zahlreiche inter­na­tionale Gäste haben gezeigt, wie in anderen Ländern Theater gespielt wird, was sonst noch zu Lebzeiten Shake­speares auf den Bühnen aktuell war und auch die zeitge­nös­sische Musik kam nicht zu kurz. Vollkommen zu Recht also hält die Stadt Neuss an diesem Leuchtturm ihrer Kultur­arbeit fest. Und wer in die Zukunft, also auf kommende Festivals schaut, wird hoffentlich nicht auf die Idee kommen, LED-Licht einzu­bauen. Was nicht heißen soll, dass nicht Erhel­lendes gedacht werden darf. Beispiels­weise, was das Verständnis fremd­spra­chiger Auffüh­rungen beim deutschen Publikum angeht. Da könnten der Fantasie weniger Grenzen gesetzt werden.

Caroll Vanwelden hat es da vergleichs­weise einfach. Sie hat die Ehre, dem Festival den gebüh­renden Abschluss zu verschaffen. Mit Shake­speare in Jazz stellt sie ihr neues Album vor und kann dem Publikum mit Zwischen­texten Orien­tierung bieten.

Aus Caroll hätte was „Ordent­liches“ werden können. Schließlich absol­vierte sie nach dem Abitur in Brüssel ein Ingenieurs­studium. Aber dann packte sie die alte Leiden­schaft, die sie seit dem sechsten Lebensjahr verfolgt. So lange spielt sie schon Klavier. Und dann geht es ab in Richtung Jazz. 2011 zieht die Sängerin, als solche hat sie sich längst etabliert, mit ihrer Familie nach Heidelberg. Es ist eine Phase des Umbruchs. Und sie vertont 16 Sonette Shake­speares. Damit reüssiert sie im übernächsten Jahr in Neuss. So erfolg­reich, dass sie 2014 das Folge-Album heraus­bringt. Wieder ein Riesen-Erfolg in Neuss. Wiertz darf sie als so etwas wie seine persön­liche Entde­ckung betrachten. Inzwi­schen „gehört“ Vanwelden den Neussern. So zumindest der Eindruck an diesem Abend. Logisch, dass hier die Urauf­führung der dritten CD mit Sonetten Shake­speares gefeiert wird.

Und es wird ein großes Fest. Vanwelden übernimmt Klavier, Gesang und Moderation. Am Kontrabass steht ein vollkommen entspannter Mini Schulz, der die Arran­ge­ments der Songs mit verant­wortet hat. Thomas Siffling tobt sich – unter anderem in verschie­denen Soli – gekonnt an Trompete und Flügelhorn aus. Neu in der Gruppe ist Jens Düppe, der das Schlagwerk begeis­ternd bedient. Und als Gast kommt Hans van Oost hinzu, der mit seinen Gitarren für eine echte Berei­cherung sorgt. Er ist auf der CD nicht zu hören, darf aber hier ebenfalls in verschie­denen Soli glänzen. Heraus kommt an diesem Abend eine ganz eigen­ständige Aufführung, die in ihrer Dynamik nur noch entfernt an das eigent­liche Album erinnert.

Dem Publikum gefällt das so sehr, dass es in der Pause in langen Schlangen ansteht, um die CD zu erwerben und signieren zu lassen. Dabei sind es wohl weniger die Sonette, die die Menschen auf das Tiefste berühren, sondern viel eher ist es die Stimme Vanweldens, die in Kombi­nation mit den Instru­menten für eine durchaus heutige Inter­pre­tation sorgt und damit noch einmal verdeut­licht, dass Shake­speare auch dem jungen Publikum etwas zu sagen hat, was über Klamauk und Komödie hinausgeht.

Ab dem 21. Juli ist das Album Caroll Vanwelden sings Shake­speare Sonetts 3 im Handel erhältlich.  Dann verzichtet die Musikerin auf verspielte Instru­mental-Soli, was ihren Kompo­si­tionen noch mehr Ohren­schmeichler-Qualität verleiht und die Poesie der Shake­speare-Sonette stärker unterstreicht.

Das Live-Konzert und damit das Festival gehen mit drei Zugaben und einem nachhal­tigen Applaus zu Ende, der noch einmal bestätigt: Es war ein gutes Jahr für William Shake­speare in Neuss.

Michael S. Zerban

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