O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Carl Brunn

Habanera auf dem Akkordeon

CARMEN
(Georges Bizet)

Besuch am
10. Dezember 2021
(Premiere am 31. Oktober 2021)

 

Theater Aachen

Endlich wieder große Oper im Aachener Theater. Die Pandemie hat gleich zu Beginn vor knapp zwei Jahren das Ensemble mit vielen Infek­tionen stark betroffen, so dass Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck den Spiel­be­trieb nur sehr vor- und umsichtig wieder aufge­nommen hat. Umso dankbarer reagiert das Publikum auf die lange erwartete Produktion von Georges Bizets Super-Hit Carmen. Die zahlreichen Auffüh­rungen sind, mit hygie­nisch bedingten Einschrän­kungen, restlos ausver­kauft und alle Betei­ligten stürzen sich mit solchem Engagement auf die wieder­ge­wonnene Freiheit, dass die Produktion ihre Wirkung auch mehrere Wochen nach der Premiere nicht verfehlt.

Zu erleben ist eine Carmen, die wesent­liche Impulse aus den vokalen Quali­täten und der Bühnen­präsenz der franzö­si­schen Mezzo­so­pra­nistin Fanny Lustaud bezieht, einem der begab­testen Ensem­ble­mit­glieder des Aachener Theaters. Ihr warmer, sinnlicher Mezzo bietet beste Voraus­set­zungen für eine musika­lisch prickelnde Darstellung. Dabei hält sie sich mit plaka­tiven, klischee­be­haf­teten eroti­schen Attri­buten zurück, sondern präsen­tiert sich als eher distan­zierte, selbst­be­wusste Frau, die durch ihre leichte Kühle noch an Anzie­hungs­kraft gewinnt.

Damit entspricht sie auch ideal dem Konzept der jungen Regis­seurin Lucia Astigarraga, die auf folklo­ris­ti­schen Plüsch verzichtet, die Handlung in ein regional neutrales Milieu des frühen 20. Jahrhun­derts verlagert und in der nüchternen, mehrdi­men­sional nutzbaren, aus Stahl­rohren gefloch­tenen Bühnen­kon­struktion von Aida Guardia die psycho­lo­gi­schen Dimen­sionen des komplexen Werks in den Mittel­punkt rückt. Dabei geht sie in Sachen Perso­nen­führung präzise, detail­genau und treff­sicher vor, wobei sie geschickt mit den Resten empfoh­lener Abstands­reg­lungen vorgeht. Was sie nicht daran hindert, Carmen von Don José nicht erstechen, sondern erdrosseln zu lassen. Einer der wenigen überflüs­sigen Eingriffe in die Handlung.

Foto © Carl Brunn

Ein Problem bereitet stets die Charak­te­ri­sierung Don Josés. Auf den ersten Blick ein schwaches, leicht verführ­bares Mutter­söhnchen. Aber nur auf den ersten Blick. Schließlich wäre ein Pantof­felheld völlig uninter­essant für eine Persön­lichkeit vom Format der Carmen. Vergessen wird oft, dass Don José als Baske Straf­dienst im verhassten Andalusien für einen Totschlag an einem seiner Kameraden leistet. Er ist ein zur Aggression neigender, willens­starker Baske. So ist es eine gute Idee, dass Teile der Dialoge zwischen ihm und Micaëla auf Baskisch gesungen werden. Dem chile­ni­schen Tenor Carlos Moreno Pelizari gelingt es über weite Strecken, der komplexen Figur ein angemessen nachhal­tiges Profil zu verleihen. Und zwar sowohl gesanglich als auch darstellerisch.

Wenig fällt der Regis­seurin zu Escamillo ein, den Csaba Kotlár relativ blass darstellt. Anrührend empfiehlt sich Anne-Aurore Cochet als Micaëla. Sie entwi­ckelte sich als ehema­liges Mitglied des Aachener Opern­studios zu einer Sopra­nistin mit beacht­lichen lyrischen Quali­täten. Mit der vorzüg­lichen Besetzung der vielen kleineren Partien stellt das Aachener Theater seine solide Ensem­b­le­pflege unter Beweis. Das gilt auch für den zuver­lässig agierenden Chor einschließlich des Aachener Kinder- und Jugendchors.
General­mu­sik­di­rektor Chris­topher Ward betont die drama­ti­schen Aspekte des Werks und bevorzugt forsche Tempi, die die Koordi­nation zwischen Orchester und Bühne mitunter auf eine harte Probe stellen. Aller­dings hat man den Strei­cher­ap­parat corona-bedingt so stark reduziert, dass eine ausge­wogene Klang­ba­lance und ein ausrei­chendes Klang­vo­lumen nicht annähernd erzielt werden können. Dass man den dünnen Strei­cher­klang in der Habanera Carmens durch ein Akkordeon aufzu­peppen versucht, kann nur als fauler Kompromiss verstanden werden.

Von diesen orches­tralen Defiziten abgesehen bietet das Aachener Theater eine spannende, sorgfältig erarbeitete Carmen mit einer überra­genden Inter­pretin der Titelpartie.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: