O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Will van Iersel

Da platzen sogar Donna Annas Brüste

DON GIOVANNI
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
11. Februar 2018
(Premiere)

 

Theater Aachen

Mit Mozarts Don Giovanni hat das Aachener Theater kein Glück. „Unver­gessen“ Elmar Ottenthals Defor­mierung des Werks zum unsen­siblen Zuhälter- und Schur­ken­stück vor 22 Jahren. Und Eva-Maria Höckmayr hinterließ aufgrund ihrer Erkrankung ihre Insze­nierung 2011 nur fragmen­ta­risch. Setzte Ottenthal bereits einen kaum zu unter­bie­tenden Tiefpunkt, schlägt Joan Anton Rechi mit seiner aktuellen Werkdeutung alle Rekorde des schlechten Geschmacks. Führte der Regisseur mit dem Faible für Ulk und Comedy in Aachen bereits Rossinis bekann­teste Buffas, den Barbier von Sevilla und La Cenerentola, an die Grenzen eines noch vertret­baren „Humors“, katapul­tierte er im letzten Jahr Richard Strauss‘ Ariadne auf Naxos mit diesem Ansatz ins Niemandsland der Bedeutungslosigkeit.

Und nicht einmal vor Mozarts Don Giovanni, einem der hinter­grün­digsten und psycho­lo­gisch feinsin­nigsten Werke der gesamten abend­län­di­schen Kultur, macht Rechi auf seiner Jagd nach abgeschmackten Gags halt. Wenn sich Donna Anna Luftballons ins Dekolleté steckt, die während des himmlisch schönen und tiefgrün­digen Masken­terzetts, in dem Mozart die Zeit geradezu anzuhalten scheint, effektvoll platzen, sind mir die Kamellen des Aachener Rosen­mon­tagszugs lieber. Die sind frischer als Rechis „olle Kamellen“. Ganz abgesehen, dass man seine Ohren offenbar fest mit Wachs vor den Klängen der Musik verschließen muss, um auf eine solche Idee an einer solchen Stelle kommen zu können. Und das macht Rechis Arbeit zum Ärgernis: Er nimmt weder das geniale Libretto da Pontes noch Mozarts Musik zur Kenntnis und biegt das Werk rücksichtlos zu einer Vorstadt-Posse um. Und alles nur, um ein paar Lacher an der falschen Stelle zu erhaschen.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Dass das als Dramma giocoso titulierte Werk nicht als „komische Oper“ zu verstehen ist, sondern eher als vielschichtige Tragi­ko­mödie, dass gerade die feinen Gratwan­de­rungen zwischen Ironie, Tragik und Dämonie den Reiz des Werks ausmachen, ficht Rechi nicht an. Mit dem toten Komtur, der am Ende im Nachthemd den Titel­helden erschreckt, wird Schabernack getrieben, Don Giovanni gebärdet sich als uninter­es­santer und zeitweise auch uninter­es­sierter banaler, wie ein jämmer­licher Hasenfuß agierender Schür­zen­jäger und die Damen werden als dümmlich zickende Hühner denun­ziert. Dass die charis­ma­tische Anzie­hungs­kraft Giovannis auf ebenbürtig starke Frauen, und zwar aller sozialen Schichten, die Grundlage der drama­tur­gi­schen Spannung bildet, lässt Rechi kalt. Entspre­chend banal und an vielen Stellen völlig unlogisch und vor allem antimu­si­ka­lisch gerät die Inszenierung.

Angesiedelt ist das Werk in einer dreige­teilten, drehbaren Museums-Suite mit antiken und klassi­schen Skulp­turen und Gemälden nackter, hier drastisch kastrierter Männer­körper. Ein Bezug der von Gabriel Insignares gestal­teten Bühnen­bauten zum Stück oder zur Insze­nierung bleibt verschlossen. Abgesehen davon, dass Don Giovanni den bereits von Leporello außer Gefecht gesetzten Komtur feige mit einem antiken Gipskopf erschlägt. Letztlich schränken die Räumlich­keiten freilich nur die Bewegungs­freiheit der Figuren ein. Geht man aller­dings davon aus, dass es im Grunde egal ist, ob man Mozart mit gepuderten Perücken oder, wie Peter Sellars, in einer Frittenbude spielen lässt, wenn nur die Psycho­logie stimmt, trägt der Bühnen­bildner allen­falls marginal zur szeni­schen Katastrophe bei. Wie auch die Kostüm­bild­nerin Merce Paloma, die die Damen recht gediegen und die Herren sehr fraulich ausstattet.

Leider kann Justus Thorau, der kommis­sa­rische Genemal­mu­sik­di­rektor Aachens, den szeni­schen Plati­tüden musika­lisch wenig entge­gen­setzen. Grob, als habe er sich die skurrilen Mozart-Verball­hor­nungen der „jungen wilden“ Dirigenten um Teodor Currentzis & Co. zum Vorbild genommen, ist auch im Orches­ter­graben wenig von der komplexen Hinter­grün­digkeit der Musik zu hören. Angesichts des ruppigen Vorwärts­drangs werden zudem etliche Ungenau­ig­keiten im Zusam­men­spiel in Kauf genommen.

Foto © Will van Iersel

Hrólfur Saemundsson hätte stimmlich und gestal­te­risch das Zeug zu einer attrak­tiven Darstellung der Titel­figur, passt sich gesanglich freilich seiner aufok­troy­ierten eindi­men­sio­nalen Chauvi-Rolle an, was ihm nicht einmal verübelt werden kann. Das Ergebnis ist eine vokal blasse Leistung, die hinter den Möglich­keiten des Sängers zurückbleibt.

Gut, dass wenigstens sein Diener Leporello von allzu grotesken Verzer­rungen verschont bleibt, so dass sich der stets verläss­liche Bassist Woong-jo Choi mit seiner mächtigen und gleich­zeitig agilen Stimme recht frei entfalten kann. Unter den Damen überzeugt Suzanne Jerosme als Zerlina mit ihrem frischen, substanz­reichen Sopran am Eindeu­tigsten. Eine Rolle, die auch der hell timbrierten Netta Or besser anstehen würde als die der Donna Elvira, die so die überdrehte Hysterie, die sie ausspielen muss, noch steigert. Schade, denn die insgesamt erfreu­liche Entwicklung der Sängerin verdient eine sorgfältige Beachtung. Als Elvira wäre dagegen Katharina Hagopian besser besetzt, deren Stimme für die Donna Anna zu leicht wirkt. Auch ihren ebenso positiven Kapazi­täten tut man mit dieser Besetzung keinen Gefallen.

Ang Du verkörpert einen stimmlich etwas leicht­ge­wich­tigen Komtur, während Patricio Arroyo als Don Ottavio und vor allem Michael Terada als Masetto ihre Aufgaben ohne Fehl und Tadel erfüllen. Desgleichen der Aachener Opernchor mit seiner kleinen Partie.

Das Publikum bedachte alle Mitwir­kenden mit großem Beifall, auch das szenische Team. Buh-Rufe blieben aus. Aller­dings verwei­gerten doch etliche Premie­ren­be­sucher dem Regisseur ihren Beifall.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: