O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
LA GRANDE-DUCHESSE DE GÉROLSTEIN
(Jacques Offenbach)
Besuch am
19. Mai 2019
(Premiere am 31. März 2019)
Das Offenbach-Jahr bietet eine ideale Gelegenheit, die vielen Missverständnisse und Verzerrungen, die die Rezeption der Bühnenwerke des deutschen Franzosen und französischen Deutschen vor allem in Deutschland teilweise bis heute bestimmt haben, endlich gründlich auszuräumen. Ob das gelingen wird, kann man nur erhoffen. So recht an den Erfolg mag man nicht glauben angesichts von Produktionen wie der Neuinszenierung der Grande-Duchesse de Gérolstein am Theater Aachen. Dass man Joan Anton Rechi mit der Inszenierung betraute, lässt darauf schließen, dass vor allem die Lachmuskeln des Publikums angesprochen werden sollen. Auch auf Kosten des leicht- und scharfzüngigen Esprits und des ernsten Hintergrunds der Handlung. Eine Ästhetik, mit der Rechi nicht nur zwei Rossini-Opern zu erfolgreichen Lachnummern verharmloste, sondern damit nicht einmal vor Mozarts Don Giovanni haltmachte.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Gewiss reagieren die Opéra bouffes von Jacques Offenbach unter diesem Aspekt nicht ganz so schmerzempfindlich wie die Geniestreiche Mozarts. Aber gerade Offenbachs antimilitaristische, drei Jahre vor dem Deutsch-Französischen Krieg entstandene Persiflage auf die politische Blindheit und Tollkühnheit Kaiser Napoléons III. als harmlose Glitzershow aufzuziehen, greift doch wesentlich zu kurz.
Dass bei der Uraufführung im Umfeld der Pariser Weltausstellung 1867 ausgerechnet Otto von Bismarck äußerst amüsiert auf Offenbachs böse Abrechnung mit dem heruntergekommenen und aufgeblasenen Militarismus Frankreichs reagiert hat, ist nicht verwunderlich. Bismarck wusste nicht nur von der miserablen Verfassung der französischen Armee, sondern auch von der politischen Isolation Frankreichs, während Preußen durch seine Vertragspolitik starke Verbündete um sich versammeln konnte, so dass der Ausgang des nur drei Jahre später ausbrechenden Kriegs keine Überraschung bot. Frankreich war im Grunde chancenlos.
Der geradezu menschenverachtende Zynismus, der die Handlung in Gang setzt und als Seitenhieb gegen den Kaiser zu verstehen ist, davon ist in Aachen nichts zu spüren. Schließlich wird in Gérolstein ein Krieg angezettelt, um die Langeweile der Großherzogin zu zerstreuen, damit sie nicht auf die Idee kommen kann, aktiv in die unfähige Politik der Barone, Grafen und Generäle einzugreifen.

Die show-reife Glitzerwelt, die Bühnenbildner Gabriel Insignares und Kostümdesignerin Merce Paloma erstehen lassen, übertüncht wenigstens streckenweise die latente Gefahr, zu dicht an einer harmlosen Militär-Klamotte entlang zu schlendern. Eine nachdrückliche Auseinandersetzung mit dem Gehalt des Stücks sieht anders aus.
Besser ist es um das musikalische Profil der Produktion bestellt. Jori Klomp, seit letztem Jahr Chordirektor am Aachener Theater, zeigt auch als Dirigent Qualitäten und führt mit Schwung durch den vokal sehr gut besetzten Abend. Irina Popova fühlt sich stimmlich in der Titelrolle hörbar wohl und präsentiert eine ihrer besten Leistungen. Die anspruchsvolle Tenor-Rolle des Soldaten Fritz bewältigt Patricio Arroyo mit Kraft und Eleganz. Ein Sonderlob verdient Suzanne Jerosme, eine der großen Nachwuchshoffnungen in Aachen, mit einer exzellenten Darstellung des Bauernmädchens Wanda. Pawel Lawrence als General Bumm, Soon-Wook Ka als Prinz Paul und Hans Schaapkens als Baron Puck bilden ein vortreffliches Komödianten-Trio.
Viele Lacher und noch mehr Beifall für eine unterhaltsame, aber die Dimensionen des Stücks nur bedingt auslotende Vorstellung. Man darf gespannt sein, was die Kölner Oper in einigen Wochen zu dem Werk zu sagen hat.
Pedro Obiera