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Foto © Ludwig Koerfer

Mit Glimmer übertünchte Militärklamotte

LA GRANDE-DUCHESSE DE GÉROLSTEIN
(Jacques Offenbach)

Besuch am
19. Mai 2019
(Premiere am 31. März 2019)

 

Theater Aachen

Das Offenbach-Jahr bietet eine ideale Gelegenheit, die vielen Missver­ständ­nisse und Verzer­rungen, die die Rezeption der Bühnen­werke des deutschen Franzosen und franzö­si­schen Deutschen vor allem in Deutschland teilweise bis heute bestimmt haben, endlich gründlich auszu­räumen. Ob das gelingen wird, kann man nur erhoffen. So recht an den Erfolg mag man nicht glauben angesichts von Produk­tionen wie der Neuin­sze­nierung der Grande-Duchesse de Gérol­stein am Theater Aachen. Dass man Joan Anton Rechi mit der Insze­nierung betraute, lässt darauf schließen, dass vor allem die Lachmuskeln des Publikums angesprochen werden sollen. Auch auf Kosten des leicht- und scharf­zün­gigen Esprits und des ernsten Hinter­grunds der Handlung. Eine Ästhetik, mit der Rechi nicht nur zwei Rossini-Opern zu erfolg­reichen Lachnummern verharm­loste, sondern damit nicht einmal vor Mozarts Don Giovanni haltmachte.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Gewiss reagieren die Opéra bouffes von Jacques Offenbach unter diesem Aspekt nicht ganz so schmerz­emp­findlich wie die Genie­streiche Mozarts. Aber gerade Offen­bachs antimi­li­ta­ris­tische, drei Jahre vor dem Deutsch-Franzö­si­schen Krieg entstandene Persi­flage auf die politische Blindheit und Tollkühnheit Kaiser Napoléons III. als harmlose Glitzershow aufzu­ziehen, greift doch wesentlich zu kurz.

Dass bei der Urauf­führung im Umfeld der Pariser Weltaus­stellung 1867 ausge­rechnet Otto von Bismarck äußerst amüsiert auf Offen­bachs böse Abrechnung mit dem herun­ter­ge­kom­menen und aufge­bla­senen Milita­rismus Frank­reichs reagiert hat, ist nicht verwun­derlich. Bismarck wusste nicht nur von der miserablen Verfassung der franzö­si­schen Armee, sondern auch von der politi­schen Isolation Frank­reichs, während Preußen durch seine Vertrags­po­litik starke Verbündete um sich versammeln konnte, so dass der Ausgang des nur drei Jahre später ausbre­chenden Kriegs keine Überra­schung bot. Frank­reich war im Grunde chancenlos.

Der geradezu menschen­ver­ach­tende Zynismus, der die Handlung in Gang setzt und als Seitenhieb gegen den Kaiser zu verstehen ist, davon ist in Aachen nichts zu spüren. Schließlich wird in Gérol­stein ein Krieg angezettelt, um die Lange­weile der Großher­zogin zu zerstreuen, damit sie nicht auf die Idee kommen kann, aktiv in die unfähige Politik der Barone, Grafen und Generäle einzugreifen.

Foto © Ludwig Koerfer

Die show-reife Glitzerwelt, die Bühnen­bildner Gabriel Insignares und Kostüm­de­si­gnerin Merce Paloma erstehen lassen, übertüncht wenigstens strecken­weise die latente Gefahr, zu dicht an einer harmlosen Militär-Klamotte entlang zu schlendern. Eine nachdrück­liche Ausein­an­der­setzung mit dem Gehalt des Stücks sieht anders aus.

Besser ist es um das musika­lische Profil der Produktion bestellt. Jori Klomp, seit letztem Jahr Chordi­rektor am Aachener Theater, zeigt auch als Dirigent Quali­täten und führt mit Schwung durch den vokal sehr gut besetzten Abend. Irina Popova fühlt sich stimmlich in der Titel­rolle hörbar wohl und präsen­tiert eine ihrer besten Leistungen. Die anspruchs­volle Tenor-Rolle des Soldaten Fritz bewältigt Patricio Arroyo mit Kraft und Eleganz. Ein Sonderlob verdient Suzanne Jerosme, eine der großen Nachwuchs­hoff­nungen in Aachen, mit einer exzel­lenten Darstellung des Bauern­mäd­chens Wanda. Pawel Lawrence als General Bumm, Soon-Wook Ka als Prinz Paul und Hans Schaapkens als Baron Puck bilden ein vortreff­liches Komödianten-Trio.

Viele Lacher und noch mehr Beifall für eine unter­haltsame, aber die Dimen­sionen des Stücks nur bedingt auslo­tende Vorstellung. Man darf gespannt sein, was die Kölner Oper in einigen Wochen zu dem Werk zu sagen hat.

Pedro Obiera

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