O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Thilo Beu

Viele Worte und wenig Töne

KING ARTHUR
(Henry Purcell)

Besuch am
30. September 2023
(Premiere)

 

Theater Aachen

Bereits mit der Eröff­nungs­pre­miere ihrer ersten Saison setzt Aachens neue Inten­dantin Elena Tzavara eigen­willige Akzente, mit denen sie das Haus in eine neue Ära führen will. 17 Jahre stand Michael Schmitz-Aufterbeck an der Spitze des Zwei-Sparten-Theaters. Er sorgte nach turbu­lenten Jahren unter Elmar Ottenthal und Paul Esterhazy für gediegene Ruhe, abwechs­lungs­reiche Spiel­pläne und nicht zuletzt mit Unter­stützung hervor­ra­gender General­mu­sik­di­rek­toren wie Markus Bosch, Kazem Abdullah und derzeit Chris­topher Ward für eine hochwertige musika­lische Basis. In den letzten Jahren entwi­ckelte sich das Aachener Sinfo­nie­or­chester mit Hilfe von Förder­pro­grammen des Landes zu einem exzel­lenten Inter­preten Alter Musik auf dem aktuellen Stand histo­ri­scher Auffüh­rungs­prak­tiken, wovon auch die Eröff­nungs­pro­duktion mit Henry Purcells Semi-Opera King Arthur wesentlich profitiert.

Große Oper steht aller­dings nicht im Fokus der neuen Inten­dantin, die in leitender Funktion bisher nur an den Kinder- und Jugend­sparten der Kölner und Stutt­garter Opern gewirkt hat. Neben Puccinis La Bohème und einer Wieder­auf­nahme von Bizets Carmen füllen kleinere Produk­tionen den ersten Spielplan der 46-jährigen Inten­dantin: Rossinis Il Viaggio a Reims, ein neues Musik­theater von Paul Georg Dittrich Ich bin Carmen, Brittens Curlew River sowie – an zwei Abenden – Mozarts Zaide und Der Schau­spiel­di­rektor.

Foto © Thilo Beu

Von Oper im klassi­schen Sinn kann erst recht nicht beim King Arthur die Rede sein, nicht einmal von einer „Semi-Oper“, als die sie angekündigt wird. Purcell hat eine Schau­spiel­musik zu John Drydens Drama geschrieben, dessen Handlung Regisseur Marco Štorman stark verändert und durch sehr lange „Langge­dichte“ der non-binären Autorin Kae Tempest ergänzt und, drama­tur­gisch nicht sehr klug, letztlich zerreißt. Damit überwiegt der Sprech­anteil die musika­li­schen Beiträge, was sich nicht zuletzt in der Besetzung der meisten Haupt­rollen mit Kräften aus dem Schau­spiel­be­reich nieder­schlägt. Bei der Geschlech­ter­zu­ordnung geht es bunt zu: Die Titel­partie, King Arthur alias König Artus übernimmt mit ihrer knabenhaft andro­gynen Gestalt Marlina Adeodata Mitter­hofer, den Zauberer Merlin die feminis­tisch selbst­be­wusst auftre­tende Stefanie Rösner und Emmeline, das sanfte Opfer der Begierde, Hermia Gerdes, die oder der sich als „dey“ bezeichnet und nicht als „sie“ oder „er“. Ein Geschlech­ter­ka­russell, das Praktiken der Shake­speare-Zeit gar nicht so fernsteht, auch wenn damals etwas einseitig Männer in Frauen­kleider schlüpften.

Die Verkör­perung richtiger Manns­bilder bleibt den Bösewichtern vorbe­halten, mit dem Schau­spieler Tim Knapper als Arthurs Rivale Oswald im Ringen um die Gunst Emmelines und dem markigen Bariton Ronan Collett als dessen Adlatus Grimbald. Neben Collett müssen sich die Profi-Sänger des Hauses mit kleineren Rollen begnügen, die sie aber effektiv ausführen. An der Spitze die Mezzo­so­pra­nistin Fanny Lustaud als Emmelines Zofe Matilda und die Sopra­nistin Suzanne Jerosme als Arthurs Luftgeist Philidel. Nicht zu vergessen die junge Sopra­nistin Lara Vallés als kapri­ziöser Amor, ein zukunfts­träch­tiger Neuzugang des Ensembles. Sie alle profi­tieren von der inten­siven Pflege barocker Musik am Aachener Theater und sorgen für vitalere Eindrücke als die zähen Texte Tempests.

Foto © Thilo Beu

Die eigent­liche Handlung von Drydens Schau­spiel inter­es­siert Štorman nur beiläufig. Dort steht der Kampf des sächsi­schen Königs Oswald gegen König Artus um die Gunst der blinden Prinzessin Emmeline im Zentrum, die sich zu Artus hinge­zogen fühlt und von diesem auch erobert wird und durch ihn auch ihr Augen­licht wieder gewinnt. Regisseur Štorman geht dagegen von Artus legen­därer, bei Dryden nicht thema­ti­sierter Eroberung des magischen Schwertes Excalibur aus, das der Titelheld in Aachen in überdi­men­sio­naler Größe über die von einer grau betonierten Felsland­schaft beherrschten Bühne schleppt. Warum, wird nicht wirklich klar, wie so manches in Štormans eigen­wil­liger Deutung. Die von Purcell mit Chorein­lagen und einigen Arien garnierte Version wird durch die langen gespro­chenen Monologe Merlins noch stärker an den Rand gedrängt als im Original. Dabei startete die Aufführung effektvoll mit dem origi­nellen, der später einge­fro­renen Landschaft vorweg­ge­nom­menen „Schnatter-Chor“, indem er ins Parkett strömt, dem Publikum hautnah die hart rhyth­mi­sierten Töne in die Ohren bläst und Erwar­tungen auf einen leben­digen Theaterband weckt, die nicht eingelöst werden.

In der Presse wird angesichts der in der Tat ungewöhn­lichen Produktion ein Neuanfang gepriesen, der Tzavaras Interesse an gattungs­über­grei­fenden Misch­pro­duk­tionen bestätigt. Inwieweit das Musik­theater dabei nicht zu kurz kommt, wird sich bereits im Laufe ihrer ersten Saison zeigen.

Im Konzert­be­reich ändert sich dagegen wenig. General­mu­sik­di­rektor Chris­topher Ward stellte ein Konzert­pro­gramm zusammen, das groß besetzte Höhepunkte wie Strauss‘ Also sprach Zarathustra oder Rachma­ninows 2. Symphonie mit mäßig modernen Klängen des diesjäh­rigen „Composers in Focus“, den türki­schen Pianisten und Kompo­nisten Fazil Say, kombi­niert. Ein ebenso lange schwe­lendes wie heißes Eisen scheint die neue Inten­dantin aller­dings auch nicht anpacken zu wollen: Die Notwen­digkeit, den akustisch unzuläng­lichen Eurogress durch einen angemes­senen Konzertsaal ersetzen zu müssen. Dafür stehen die politi­schen Zeichen im Aachener Stadtrat aller­dings denkbar schlecht.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: