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Foto © Will van Iersel

Liebesdrama in Grün

PIQUE DAME
(Peter Tschaikowsky)

Besuch am
9. Februar 2020
(Premiere)

 

Theater Aachen

Peter Tschai­kowskys Puschkin-Oper Pique Dame steht derzeit hoch im Kurs. Allein im Rheinland widmet sich jetzt mit dem Theater Aachen nach der Deutschen Oper am Rhein und dem Aalto-Theater Essen innerhalb weniger Monate die dritte Bühne der Region dem russi­schen Spieler- und Liebes­drama. Im Vorfeld schon hat Regis­seurin Ewa Teilmans verlauten lassen, welchen Ehrgeiz sie in die Produktion inves­tieren wollte. Und gespart hat man in Aachen an nichts. Weder an einer vorzüg­lichen Besetzung noch an aufwän­digen Bühnen­bildern und einer Flut an Kostümen, die die Nähma­schinen in Dauer­be­trieb versetzt haben dürfte. Zudem zeigt man die ungekürzte Fassung mit allen Chorszenen und dem Schäfer­spiel als Inter­mezzo, so dass die Aufführung mit etwa dreiein­viertel Stunden mehr als eine Stunde länger dauert als die gelichtete Fassung in Essen.

Dass das Ergebnis dennoch einen zwiespäl­tigen Eindruck hinter­lässt, liegt mögli­cher­weise daran, dass Teilmans zu viel zeigen will. Sie hat Recht, wenn Sie darauf hinweist, dass Tschai­kowsky die ungleiche Liebes­be­ziehung zwischen Hermann und Lisa deutlicher betont als Puschkin, den das Spieler-Schicksal stärker inter­es­sierte. Aber gerade die Feinheiten, die eine intime und filigrane Umsetzung der tragi­schen Liaison erfordern, werden permanent durch ablen­kenden Aktio­nismus überspielt. Der Chor und eine Statis­ten­truppe sind fast ständig präsent und wenn es zu intimeren Treffen kommt, umschwirren drei „Schreck­ge­stalten“ mit Toten­masken die Protagonisten.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die von der geheim­nis­vollen Gräfin und dem wachsenden Wahnsinn Hermanns ausge­hende Dämonie inter­es­siert die Regis­seurin weniger. Die Gräfin erweist sich als selbst­be­wusste, ältere Frau mit neutraler Ausstrahlung, Hermann erschießt sich am Ende eher wegen seiner ausweg­losen Situation, nicht als Folge eskalie­render Wahnvor­stel­lungen. Und Lisa stürzt sich auch nicht in die Newa, sondern verlässt im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte lebend den Geliebten und die Bühne.

Die Kernhandlung insze­niert Ewa Teilmans also recht nüchtern. Um die auch in der Musik spürbare Dämonie der Handlung nicht zu kurz kommen zu lassen, greift sie auf den Einsatz von Statisten zurück, die freilich eher einen Mummen­schanz veran­stalten, als die Defizite ausgleichen zu können. Warum die Staffage in Starre verharrt oder in puppenhaft mecha­nische Bewegungen gerät, bleibt nicht nur unklar, sondern lenkt zusätzlich ab. Angesichts der perma­nenten Unruhe auf der Bühne wird auch der an sich von der Regis­seurin gut gemeinte Sinn des Inter­mezzos vernebelt. Denn die Idee, in dem Schäfer­spiel die Dreiecks­be­ziehung zwischen Lisa, dem ihr von der Gräfin aufge­zwun­genen Fürsten Jeletzkij und ihrem Geliebten Hermann zu spiegeln, ist im Ansatz diskutabel.

Obwohl Elisabeth Pedross die Bühne in zwei Etagen teilt, wird es oft so eng, dass der Blick auf die Protago­nisten auch szenisch immer wieder einge­schränkt wird. Und das merkwürdige Grün, das die Wände ihrer Dekora­tionen schmückt, wirkt so penetrant, dass die Figuren verblassen. Ihre große Arie singt Lisa auf einer riesigen, auf dem Boden gelagerten Uhr wie die Traviata in Willy Deckers denkwür­diger Salzburger Insze­nierung. Hier wirkt der Einfall jedoch isoliert und ohne zwingende Logik. Da hat man von der Bühnen­bild­nerin in Aachen schon Überzeu­gen­deres gesehen.

Foto © Will van Iersel

Es ist kein Zufall, dass die Szene am stärksten wirkt, in der Ewa Tilmans am Zurück­hal­tendsten vorgeht: Wenn nämlich Hermann in das Schlaf­gemach der Gräfin eindringt und sich der Fokus ausschließlich auf die Inter­aktion zwischen den beiden Figuren konzen­triert. Ein Indiz für die Vermutung, dass die Insze­nierung durch eine konse­quente Reduktion der optischen Ablen­kungs­ma­növer erheblich mehr an Nachdruck und Stringenz gewinnen könnte.

General­mu­sik­di­rektor Chris­topher Ward zeigt durchaus Sinn für das spezi­fische Kolorit der Musik, wobei ihm das Aachener Sinfo­nie­or­chester mit einer gehörigen Portion an Klang­sinn­lichkeit folgt. Aller­dings scheint es, dass er vor den akusti­schen Problemen des Theaters schon so weit resigniert hat, dass er nicht ansatz­weise versucht, den Lautstär­ke­pegel des Orchesters zu dämpfen. Wie gewohnt sind die Sänger gezwungen, forcierter zu singen als nötig.

Das mindert den insgesamt vorzüg­lichen vokalen Eindruck der Produktion nur marginal. Larisa Akbari verkörpert eine sensa­tio­nelle Lisa. Jugendlich, selbst­be­wusst, stimmlich mit lyrischer Sensi­bi­lität und ausrei­chender Kraft für die drama­ti­schen Akzente ausge­stattet, markiert sie einen Höhepunkt der Aufführung. Die extrem kräfte­zeh­rende Partie des Hermann bewältigt Cooper Nolan mehr als beachtlich, auch wenn ihm die Anstren­gungen deutlicher anzuhören sind als seiner Kollegin. Ronan Collett stellt einen noblen Fürsten Jeletzkij mit einer prachtvoll gesun­genen Bravour-Arie dar. Auf gleichem Niveau bewegen sich Fanny Lustaud als Pauline und Hrólfur Saemundsson als Graf Tomskij. Livia Budai gelingt eine eindrucks­volle Rollen­studie der Gräfin. Auch der verstärkte Opernchor und der Kinderchor des Aachener Theaters lassen keinen Wunsch offen.

Das Aachener Premieren-Publikum reagiert mit großer Begeis­terung auf einen ambitio­nierten und stimmlich hervor­ra­genden Abend, bei dem szenisch aller­dings eine Menge an innerer Spannung verschenkt wird.

Pedro Obiera

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