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Augenzwinkerndes Divertissementchen

DER SCHAUSPIELDIREKTOR
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
8. Juni 2024
(Premiere)

 

Theater Aachen

Viel Vergnügen bereitet die diesjährige Gemein­schafts­pro­duktion des Theaters und der Musik­hoch­schule mit einer pfiffigen Version von Mozarts Singspiel Der Schau­spiel­di­rektor. Eine augen­zwin­kernde Parodie auf die Tücken des Theater­alltags und die Eitel­keiten selbst­ge­fäl­liger Stars am Opern­himmel. Ein 70-minütiges Diver­tis­sement, flott und voller Esprit wie spätere Abrech­nungen mit dem alltäg­lichen Wahnsinn des Theater­lebens von Rossini oder Offenbach.

Aachens Hausherrin Elena Tzavara hat ihre Insze­nierung bereits vor sechs Jahren bei den Salzburger Festspielen und später in Stuttgart erfolg­reich erprobt. Die Aachener Studenten der doppelt besetzten Rollen bilden das mittler­weile sechste und siebte Ensemble, mit dem die Inten­dantin Mozarts kleinen, aber feinen Genie­streich inter­pre­tiert. Den Kern der schlichten Handlung tastet sie nicht an, die gespro­chenen, mit zeitbe­zo­genen Anzüg­lich­keiten gespickten, heute nicht mehr aussa­ge­kräf­tigen Dialoge hat sie moderat aktua­li­siert und Henrik Albrecht erwei­terte die fünf origi­nalen Musik­nummern mit geschickt arran­gierten Anleihen aus anderen Werken Mozarts zu einem amüsanten und geschmack­vollen Pasticcio. Die Stilvielfalt der Varia­tionen über das Lied Ah, vous dirai-je maman, hierzu­lande mit dem Text Morgen kommt der Weihnachtsmann bekannt, und mehr noch ein sechs­mi­nü­tiger Ritt durch die Höhepunkte der Zauber­flöte ermög­lichen den sechs Darstellern der Haupt­rollen, das Profil ihrer Figuren noch schärfer zum Ausdruck zu bringen.

Das bringt rasante Stil‑, Tempo- und Stimmungs­wechsel mit sich, die die ohnehin hohen Anfor­de­rungen an die jungen Sänger, aber auch an das Orchester, noch steigern. Doch leicht macht es Mozart seinen Inter­preten ohnehin nie. Auch nicht in diesem knapp dimen­sio­nierten Singspiel. Deshalb ist die Kürze des Stücks nicht von Nachteil, so dass Timo Handschuh, Professor für Dirigieren und musika­lische Einstu­dierung von Opern, die Nummern noch inten­siver und detail­ge­nauer mit den Studenten erarbeiten konnte als mit einer der großen Opern Mozarts.

Wie wichtig Handschuh gerade Mozart für die Entwicklung junger Musiker hält, bewies er bereits mit seinem Antritts­konzert vor einem halben Jahr. Und das hört man sowohl dem präzisen, elasti­schen Spiel des Hochschul­or­chesters als auch dem mit heiklen Bravour-Arien bedachten Solisten-Ensemble an. Alle werden den Ansprüchen des Werks auf erfreu­lichem Niveau gerecht. Von der Spiel­freude angesichts der turbu­lenten Handlung ganz zu schweigen.

Foto © Matthias Baus

Im Grunde geht es um das Casting für eine Opern­pro­duktion, zu dem sich drei Soprane, ein Tenor und ein Bariton melden, vorsingen und sich heillos zerstreiten, wobei sich die Damen mit ihren Allüren besonders kratz­bürstig hervortun. Unter anderem in dem Streit-Terzett Ich bin die erste. Und das Credo des am Rande des Wahnsinns taumelnden Theater­di­rektors, „Oper ist die Überhöhung des mensch­lichen Daseins“, gerät mächtig ins Wanken, wenn ein Bankier mit Geldschein­bündeln winkt, um seiner Geliebten zur ersehnten Rolle zu verhelfen. Klischees gewiss, aber wie alle Klischees mit mehr als einem Körnchen Wahrheit, von denen Mozart mit seinen Erfah­rungen mehr als ein Liedchen singen konnte. Klischees, die Tzavara noch „überhöht“, bisweilen an der Grenze zur Klamotte entlang­schrammend, sie aber nie übertretend. Und am Ende sehen alle ein, dass Egoismus nicht zum Ziel führt: „Sich selbst den Vorzug geben, macht den größten Künstler klein“, heißt es im finalen Vaudeville.

Die aufs Korn genom­menen Tücken der Theater­technik bieten bereits einige Steil­vor­lagen für amüsante „Pannen“. Mit schrillen Kostümen und einer effekt­vollen Kanone dreht Bühnen- und Kostüm­bild­nerin Elisabeth Vogetseder zusätzlich an der burlesken Stellschraube.

Die Sprech­rolle des verzwei­felten, am Ende doch erleichtert aufat­menden Schau­spiel­di­rektors Frank führt Benedikt Voellmy souverän aus. Erfreulich, dass das inter­na­tional zusam­men­ge­wür­felte Ensemble auch die Sprech­texte vorzüglich artiku­liert. Und gesanglich blieben ebenfalls keine Wünsche offen. In der Premiere beein­druckt Sangyun Bak als Regie­as­sistent Buff mit seinem volumi­nösen Bariton, Hyoungjoo Yun als Herr Herz mit seinem kulti­vierten Tenor und Ferdinand Krumbügel als Bankier Eiler mit seiner sicher geführten Stimme. Und das Damen­terzett mit den anspruchs­vollsten Partien bestreiten in homogener Qualität und kolora­tur­ge­wandter Brillanz Teresa Sales Rebordão, Luisa Trejos und Maria Portela Larisch.

Begeis­terter Beifall für eine beacht­liche Talent­probe des hoffnungs­vollen Nachwuchses. Es kommen zwei alter­nie­rende Beset­zungen zum Einsatz. Angesichts des hörbaren Vergnügens der anwesenden Kinder ist die Produktion auch als Famili­enoper zu empfehlen.

Pedro Obiera

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