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Viel Vergnügen bereitet die diesjährige Gemeinschaftsproduktion des Theaters und der Musikhochschule mit einer pfiffigen Version von Mozarts Singspiel Der Schauspieldirektor. Eine augenzwinkernde Parodie auf die Tücken des Theateralltags und die Eitelkeiten selbstgefälliger Stars am Opernhimmel. Ein 70-minütiges Divertissement, flott und voller Esprit wie spätere Abrechnungen mit dem alltäglichen Wahnsinn des Theaterlebens von Rossini oder Offenbach.
Aachens Hausherrin Elena Tzavara hat ihre Inszenierung bereits vor sechs Jahren bei den Salzburger Festspielen und später in Stuttgart erfolgreich erprobt. Die Aachener Studenten der doppelt besetzten Rollen bilden das mittlerweile sechste und siebte Ensemble, mit dem die Intendantin Mozarts kleinen, aber feinen Geniestreich interpretiert. Den Kern der schlichten Handlung tastet sie nicht an, die gesprochenen, mit zeitbezogenen Anzüglichkeiten gespickten, heute nicht mehr aussagekräftigen Dialoge hat sie moderat aktualisiert und Henrik Albrecht erweiterte die fünf originalen Musiknummern mit geschickt arrangierten Anleihen aus anderen Werken Mozarts zu einem amüsanten und geschmackvollen Pasticcio. Die Stilvielfalt der Variationen über das Lied Ah, vous dirai-je maman, hierzulande mit dem Text Morgen kommt der Weihnachtsmann bekannt, und mehr noch ein sechsminütiger Ritt durch die Höhepunkte der Zauberflöte ermöglichen den sechs Darstellern der Hauptrollen, das Profil ihrer Figuren noch schärfer zum Ausdruck zu bringen.
Das bringt rasante Stil‑, Tempo- und Stimmungswechsel mit sich, die die ohnehin hohen Anforderungen an die jungen Sänger, aber auch an das Orchester, noch steigern. Doch leicht macht es Mozart seinen Interpreten ohnehin nie. Auch nicht in diesem knapp dimensionierten Singspiel. Deshalb ist die Kürze des Stücks nicht von Nachteil, so dass Timo Handschuh, Professor für Dirigieren und musikalische Einstudierung von Opern, die Nummern noch intensiver und detailgenauer mit den Studenten erarbeiten konnte als mit einer der großen Opern Mozarts.
Wie wichtig Handschuh gerade Mozart für die Entwicklung junger Musiker hält, bewies er bereits mit seinem Antrittskonzert vor einem halben Jahr. Und das hört man sowohl dem präzisen, elastischen Spiel des Hochschulorchesters als auch dem mit heiklen Bravour-Arien bedachten Solisten-Ensemble an. Alle werden den Ansprüchen des Werks auf erfreulichem Niveau gerecht. Von der Spielfreude angesichts der turbulenten Handlung ganz zu schweigen.

Im Grunde geht es um das Casting für eine Opernproduktion, zu dem sich drei Soprane, ein Tenor und ein Bariton melden, vorsingen und sich heillos zerstreiten, wobei sich die Damen mit ihren Allüren besonders kratzbürstig hervortun. Unter anderem in dem Streit-Terzett Ich bin die erste. Und das Credo des am Rande des Wahnsinns taumelnden Theaterdirektors, „Oper ist die Überhöhung des menschlichen Daseins“, gerät mächtig ins Wanken, wenn ein Bankier mit Geldscheinbündeln winkt, um seiner Geliebten zur ersehnten Rolle zu verhelfen. Klischees gewiss, aber wie alle Klischees mit mehr als einem Körnchen Wahrheit, von denen Mozart mit seinen Erfahrungen mehr als ein Liedchen singen konnte. Klischees, die Tzavara noch „überhöht“, bisweilen an der Grenze zur Klamotte entlangschrammend, sie aber nie übertretend. Und am Ende sehen alle ein, dass Egoismus nicht zum Ziel führt: „Sich selbst den Vorzug geben, macht den größten Künstler klein“, heißt es im finalen Vaudeville.
Die aufs Korn genommenen Tücken der Theatertechnik bieten bereits einige Steilvorlagen für amüsante „Pannen“. Mit schrillen Kostümen und einer effektvollen Kanone dreht Bühnen- und Kostümbildnerin Elisabeth Vogetseder zusätzlich an der burlesken Stellschraube.
Die Sprechrolle des verzweifelten, am Ende doch erleichtert aufatmenden Schauspieldirektors Frank führt Benedikt Voellmy souverän aus. Erfreulich, dass das international zusammengewürfelte Ensemble auch die Sprechtexte vorzüglich artikuliert. Und gesanglich blieben ebenfalls keine Wünsche offen. In der Premiere beeindruckt Sangyun Bak als Regieassistent Buff mit seinem voluminösen Bariton, Hyoungjoo Yun als Herr Herz mit seinem kultivierten Tenor und Ferdinand Krumbügel als Bankier Eiler mit seiner sicher geführten Stimme. Und das Damenterzett mit den anspruchsvollsten Partien bestreiten in homogener Qualität und koloraturgewandter Brillanz Teresa Sales Rebordão, Luisa Trejos und Maria Portela Larisch.
Begeisterter Beifall für eine beachtliche Talentprobe des hoffnungsvollen Nachwuchses. Es kommen zwei alternierende Besetzungen zum Einsatz. Angesichts des hörbaren Vergnügens der anwesenden Kinder ist die Produktion auch als Familienoper zu empfehlen.
Pedro Obiera