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TRIONFO DEL TEMPO E DEL DISINGANNO
(Georg Friedrich Händel)
Besuch am
23. September 2018
(Premiere)
Auftritte des Aachener Sinfonieorchesters im Aachener Dom gehören zwar zu den schönen Traditionen des hiesigen Musiklebens, doch für eine Opernproduktion unter dem Oktogon bedarf es schon eines besonderen Anlasses. Der ist mit dem 40-jährigen Jubiläum des Gotteshauses als Weltkulturerbe der UNESCO gegeben. Was allerdings die Wahl eines geeigneten Stücks und vor allem die begrenzten und erschwerten Aufführungsbedingungen nicht erleichtert. Mit der „Szenischen Installation“ eines frühen Oratoriums von Georg Friedrich Händel ist man für die beiden Aufführungen im Dom erstaunlich gut gefahren, bevor die Produktion am 28. Oktober ins Theater umziehen wird. Die Wahl fiel auf Händels allererstes Oratorium, Il Trionfo del Tempo e del Disinganno – Der Triumph der Zeit und der Erkenntnis. Ein Werk, das der 22-jährige, reisefreudige Komponist 1708 in Rom aus der Taufe hob. Ein Werk, das zwar noch nicht die eindrucksvollen Chöre aufweist, die zum Markenzeichen seiner späteren Oratorien werden sollten, das aber in seiner weichen, kantablen, quasi sonnengereiften Melodik ganz vom italienischen Geist der Zeit erfüllt ist und in dem Händel den schwierigen Solo-Geigenpart niemand Geringerem als Arcangelo Corelli anvertraut hat. Vier Allegorien streiten sich in Rezitativen und Arien um den nachhaltigen Sinn des Lebens: die vergängliche Schönheit und das Vergnügen auf der einen Seite und die unermüdlich voranschreitende Zeit sowie die Erkenntnis auf der anderen Seite. Am Ende lässt sich Bellezza, die Schönheit, davon überzeugen, dass das Vergnügen den falschen Weg weist, um zu einem Glück über den Tod hinaus finden zu können.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Gebraucht werden neben einem kleinen Instrumentalensemble nur vier Sänger, allerdings sehr gute. Und da kann man dem Aachener Theater nur gratulieren, dass es zwei so junge und begabte Kräfte wie die Sopranistin Suzanne Jerosme und die Mezzosopranistin Fanny Lustaud ins Ensemble übernommen hat. Jerosme, die in der letzten Saison in Poulencs Dialogues des Carmélites ein vokales Glanzlicht setzte, kann auch im Dom sogleich mit ihrer ersten, mit schwierigen Koloraturen gespickten Arie das Publikum zum Szenenapplaus hinreißen. Tief erfüllt und gesangstechnisch nahezu perfekt setzt sie auch hier besondere Akzente. Nicht minder Lustaud als laszive Piacere, das Vergnügen. Schöner, wärmer und makelloser kann man den Ohrwurm Lascia la spina kaum singen.
Die männlichen Gegenspieler haben weniger Gelegenheit, sich so kantabel einschmeicheln zu können wie die Damen. Sie müssen Überzeugungsarbeit leisten und sich deklamatorischer gebärden. Das bereitet dem Countertenor Cameron Shahbazi als Erkenntnis ebenso wenig Probleme wie dem Tenor Patricio Arroyo als Zeit, auch wenn der gesundheitlich gehandicapt ist.

Justus Thorau und einige Musiker des Aachener Sinfonieorchesters haben sich in den letzten Jahren so intensiv mit historischen Aufführungspraktiken beschäftigt, dass das Händel-Oratorium nicht nur eine stilistisch überzeugende Gestaltung erfährt, sondern dass die Musiker die hohen, auf den ungewohnten historischen Instrumenten noch höheren spieltechnischen Anforderungen, die Händel nicht nur den Oboisten und dem Solo-Geiger abverlangt, rundum erfüllen können.
Viel Raum für szenische Sensationen bietet der Diskurs von vier Personen natürlich nicht. Regisseur Ludger Engels, ohnehin ein Freund reduzierter Mittel, verzichtet klugerweise auf jeglichen konzeptionellen und äußeren Schnickschnack, sondern folgt sensibel den psychologischen Nuancen der Musik, so dass eine geschickte Positionierung der Figuren im Dom und eine behutsame Gestik vollkommen ausreichen. Ausstatter Ric Schachtebeck kann sich angesichts der überwältigenden Kulisse des Oktogons auf angemessene Kostüme und zusammen mit Eduard Joebges auf eine geschickte Lichtregie beschränken. So tauchen die Figuren immer wieder überraschend in den Öffnungen der Empore, der Portale oder auf Podesten inmitten des Publikums auf. Die Schönheit in schlichtem Weiß, das Vergnügen in einem geschmackvollen Revue-Dress, die Herren in gedeckten Farben. Teilweise geradezu märchenhaft illuminiert.
Eine rundum überzeugende Produktion, speziell in dieser Umgebung und speziell als „Szenische Installation“. Und alles getragen von einem erfreulich hohen musikalischen Niveau. Der Beifall des Publikums fällt entsprechend begeistert aus.
Pedro Obiera