O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Europäische Friedensbotschaft

IL VIAGGIO A REIMS
(Gioac­chino Rossini)

Besuch am
7. Februar 2024
(Premiere am 13. Januar 2024)

 

Theater Aachen

Die formal kaum verlässlich einzu­ord­nende Oper Il Viaggio a Reims – Die Reise nach Reims – ist nicht nur Gioac­chino Rossinis skurrilstes Bühnenwerk, sondern eins der origi­nellsten des Reper­toires überhaupt. Für das Aachener Theater bietet sich der Zweiakter geradezu als Steil­vorlage an. Urauf­ge­führt wurde das Werk 1825, im Gründungsjahr des Aachener Sinfo­nie­or­chesters. Reims ist die Partner­stadt Aachens, und die Schluss-Revue mit ihrer Folge von Natio­nal­hymen und Tänzen verschie­dener Regionen unseres Konti­nents beschwört bereits einen europäi­schen Geist, dem mit dem Karls­preis der Stadt Aachen Jahr für Jahr aufs Neue gehuldigt wird. Entstanden ist die Oper zwar nicht zur Krönung Karls des Großen, aber zur Inthro­ni­sation Karls X., von dem man sich eine fried­liche Herrschaft über die Grenzen Frank­reichs hinaus erhoffte, die aller­dings schon mit der Juli-Revolution 1830 ihr Ende fand.

Gedacht war das Werk ursprünglich gar nicht für die öffent­liche Bühne. Deshalb ist es nach wenigen Auffüh­rungen auch in Verges­senheit geraten und wurde erst 1984 wieder­belebt. Trotz des eher privaten Rahmens durfte Rossini in seiner ersten für Paris geschrie­benen und seiner letzten italie­nisch­spra­chigen Oper auffahren, was sich das reprä­sen­ta­ti­ons­süchtige Herrscherhaus leisten konnte und wollte. 18 zum Teil äußerst anspruchs­volle Solopartien, einen großen Chor, ein statt­liches Orchester und Bühnen­zauber vom Feinsten.

Eine strin­gente Handlung ist eigentlich nicht vorhanden. Eine illustre Reise­ge­sell­schaft aus aller Herren Länder Europas ist auf dem Weg zur Krönung Kaiser Karls X. nach Reims. Mitten auf der Wegstrecke gehen dem Tross die Pferde aus, und es sind keine Ersatz­tiere aufzu­treiben. Man sitzt im Gasthof fest, und die Damen und Herren aus Frank­reich, England, Russland, Polen, Spanien, Italien und sonst woher beginnen, sich näher kennen­zu­lernen. Mit Liebe­leien, Eifer­süch­te­leien, Annähe­rungs­ver­suchen und allerlei weiteren Necke­reien. Als man die Hoffnung aufgab, Reims noch recht­zeitig erreichen zu können, erinnerte man sich daran, dass man es auch in Paris ordentlich krachen lassen kann, ändert das Reiseziel und lässt die Oper mit einem rauschenden Fest schließen, bei dem jeder ein Lied oder eine Hymne seines Heimat­landes vortragen darf. So erklingen Haydns Gott erhalte Franz den Kaiser und die englische Hymne ebenso wie eine polnische Mazurka, ein spani­scher Fandango, eine italie­nische Romanze, ein franzö­si­sches Chanson und einiges mehr. Endend mit einem Lobgesang auf Karl X. auf die Melodie Vive Henri Quatre. Europäi­scher geht es nicht.

Foto © Annemone Taake

Regisseur und Bühnen­bildner Michiel Dijkema greift in seiner turbu­lenten Insze­nierung noch einen weiteren Bezug zu Aachen auf, indem er der Reise­gruppe nicht in einem Gasthaus den Weg versperrt, sondern mit einer Autobahn­sperre. Denn das Aachener Autobahn­kreuz mit seinen direkten Anbin­dungen an Belgien und die Nieder­lande sorgt seit Jahren für Dauer­staus. Eine prekäre Situation, die sich seit einigen Wochen durch die Sprengung der Haarbach­tal­brücke noch verschärfte. Und so kommt es gleich zum Auftakt zu munteren Ausein­an­der­set­zungen zwischen den Bauar­beitern des Chors und den Touristen.

Dijkema nimmt die natio­nalen Schrullen der Figuren deutlich, aber immer noch dezent und nur selten klamaukhaft überdreht aufs Korn. Etwa die Modesucht der Französin, deren Koffer ausge­rechnet von einer Planier­walze überrollt wird. Oder der feurige Spanier und die auf Moral bedachte, dennoch schwach werdende Tirolerin und vieles mehr. Darin steckt viel Liebe im Detail, die aber noch von der Kostüm­bild­nerin Julia Reindell überflügelt wird, die für Chor und Solisten eine Kollektion in der Stärke eines statt­lichen Theater­fundus entworfen hat. Gipfelnd in Hollywood-reifen Kostümen dreier fried­licher Marsmen­schen, die sich am Ende zu den Erden­be­wohnern gesellen und die Friedens­bot­schaft inter­ga­lak­tisch überhöhen.

Dass die 18 Solopartien mit wenigen Ausnahmen mit Ensem­ble­mit­gliedern auf hohem, teilweise sensa­tio­nellem Niveau besetzt werden können, spricht für die vorzüg­liche Ensem­b­le­pflege auch unter der neuen Intendanz von Elena Tzavara. Zu den Neuerwer­bungen gehört die spanische Sopra­nistin Laia Vallés, die in der Rolle der „Impro­vi­sa­ti­ons­künst­lerin“ Corinna zwei Romanzen zu schlichter Harfen­be­gleitung mit perfekter Legato-Kultur und einem außer­or­dentlich schönen Timbre zu Höhepunkten des Abends schraubt. Neu sind auch der junge mexika­nische Bariton Jorge Ruvalcaba als Don Alvaro und sein Landsmann Angel Macias als Belfiore mit seiner biegsamen und sicher geführten Stimme. Immer wieder gern gesehen ist die Sopra­nistin Suzanne Jerosme, die der koketten Contessa di Folle­ville Profil verleiht. Ihr ebenbürtig ist die kolora­tur­ge­wandte Sopra­nistin Larisa Akbari als Madama Cortese. Doch auch bei den vielen weiteren Partien ist kein Ausfall zu beklagen.

Ebenso wenig wie beim Chor und dem mit viel Brio aufspie­lenden Aachener Sinfo­nie­or­chester unter Leitung von Chanmin Chung.

Begeis­terter Beifall für einen kurzwei­ligen Abend, passend zur Karnevalszeit.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: