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Der Bürokrat tut seine Pflicht

DER OBERSTEIGER
(Carl Zeller)

Besuch am
28. Dezember 2019
(Premiere am 13. März 2016)

 

Eduard-von-Winter­stein-Theater, Annaberg-Buchholz

Das Eduard-von-Winter­stein-Theater ist ein winziges Zweispar­ten­theater in Annaberg-Buchholz am südlichen Rand des Erzge­birges. Über 100 Jahre alt ist das 1893 gegründete archi­tek­to­nische Schmuck­stück, das nach dem berühmten Schau­spieler benannt wurde, und es bietet abgesehen vom histo­ri­schen Ambiente einen Spielplan, der beliebtes Reper­toire mit musika­li­schen Raritäten mischt, die es anderswo nicht zu sehen gibt. Denn der geschäfts- und oft auch regie­füh­rende Intendant heißt Ingolf Huhn. Er hat schon in seinen früheren Wirkungs­stätten Freiberg und Plauen Trouvaillen wie Heinrich Dorns Die Nibelungen oder Max von Schil­lings Pfeifertag ausge­graben und setzt diese Forschungslust auch in Annaberg-Buchholz fort. Lortzings Zum Großad­miral, Tannhäuser von Carl Amand Mangold oder Der Löwe von Venedig von Peter Gast lassen das Herz jedes Opern­freundes höher schlagen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Doch Huhns Suche nach versun­kenen Schätzen macht nicht bei der Oper halt. 2016 insze­nierte er Der Obersteiger von Carl Zeller, einem der Meister der Wiener Goldenen Operette, dessen Der Vogel­händler sich bis heute im Reper­toire gehalten hat. Der 1894 urauf­ge­führte, auch verfilmte Obersteiger hingegen ist nahezu aus den Spiel­plänen verschwunden. Nicht so in Annaberg-Buchholz, wo er seine Lebens­fä­higkeit bereits im vierten Jahr beweist. Wo passt das Stück aber auch besser hin als ins Erzge­birge, dort wo bis in die 90-er Jahre des letzten Jahrhun­derts noch der Bergbau florierte? In dieses Milieu führt Der Obersteiger. Der zettelt zu Beginn einen Streik an, worauf der Bergdi­rektor aus der Stadt anreist, um nach dem Rechten zu sehen. Auch der Fürst und Besitzer des Bergwerks mischt inkognito als Volontär mit, ebenso eine als Bürger­liche verkleidete Komtesse. Es kommt zu Intrigen und Verwick­lungen, gewürzt mit ein bisschen Sozial­kritik, bis das Ganze in einer Doppel­hochzeit mündet.

Foto © Dirk Rückschloß

Huhn belässt das Stück in der vorge­ge­benen Zeit um 1850 und insze­niert es ganz tradi­tionell, aber in sich stimmig mit viel buntem Treiben, Tanz und Lokal­ko­lorit. Das Bühnenbild von Thilo Staudte ist ein echter Hingucker. Es stellt eine mehrstö­ckige erzge­bir­gische Pyramide dar, auf der die Dörfler, verkörpert durch den verstärkten, enorm spiel­freu­digen Chor, zu Beginn postiert sind.

Das seit langem aufein­ander einge­spielte Ensemble trifft den volks­tüm­lichen Ton der Operette überzeugend, auch wenn stimmlich nicht jede Note exakt sitzt. Frank Unger gibt einen sympa­thi­schen aufrüh­re­ri­schen Obersteiger, der den Frauen gern den Kopf verdreht, sehr zum Ärger seiner Braut Nelly in Gestalt der kecken Madelaine Vogt. Bettina Grothkopf als Komtesse und Jason Lee als Fürst sind das vokal dominie­rende adlige Paar. Ins Zentrum aber spielt sich Leander de Marel, der den Bergdi­rektor mit unauf­dring­lichem Witz ausstattet und sein Parade­couplet Der Bürokrat tut seine Pflicht kabaret­tis­tisch lässig serviert.

Dieter Klug am Pult der Erzge­bir­gi­schen Philhar­monie Aue dirigiert Zellers eingängige Melodien, von denen das Walzerlied Sei nicht bös zum inter­na­tio­nalen Schlager wurde, flott, aber auch etwas pauschal. Dass im Finale des zweiten Aktes das hiesige Bergmu­sik­korps Frisch Glück Annaberg-Buchhol­z/Frohnau aufspielt, sichert der Aufführung einen zusätz­lichen Clou.

Riesen­beifall nach der Reper­toire­vor­stellung. Der Obersteiger gastiert im Mai kommenden Jahres in Chemnitz. Opernfans sollten sich hingegen schon den März vormerken. Dann wird Ingolf Huhn im Eduard-von-Winter­stein-Theater Die Hochzeit des Jobs von Joseph Haas inszenieren.

Karin Coper

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