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BARBARELLA’S BANG BANG
Besuch am
13. Juli 2018
(Einmaliges Konzert)
Asphalt-Festival, Konzertsaal im Weltkunstzimmer, Düsseldorf
Bei der Namensgebung wird beim Asphalt-Festival gern mal ein bisschen hochgegriffen. Und so ist der Konzertsaal im Weltkunstzimmer eher ein großer Raum mit einer langen Theke, ein bisschen Ton- und Lichttechnik und einer Bühne, auf der die Künstler im Wortsinne zum Greifen nah auf einem Podium auftreten. Ein paar Stehtische und Barhocker ergänzen die Ausstattung. Und bei Tageslicht möchte man den Raum vielleicht lieber gar nicht sehen. Aber er strahlt den morbiden Charme einer Underground-Bühne aus und ist damit prädestiniert für ungewöhnliche Gruppen. Eine davon ist Barbarella’s Bang Bang, und die ist aus London angereist, um den Festival-Besuchern mal richtig einzuheizen.

Mit vier Jahren stand sie zum ersten Mal auf einer Bühne, und seitdem hat sie das Theater nicht mehr losgelassen. Barbara Pugliese, halb Engländerin, halb Italienerin, studierte am Trinity College of Music Musical und erwarb so alle Fähigkeiten, die sie braucht, um einen wirklich ungewöhnlichen Bühnenauftritt zu kreieren. Im Vordergrund steht dabei sicher ihre Stimme, die eine ungewöhnliche Bandbreite von Edith Piaf bis Nina Hagen aufweist, zwei Sängerinnen, die sie, wie sie selber sagt, verehrt. Von der brüchigen Blues-Stimme über einen gerundeten Alt bis zu Kunststückchen in den Spitzenlagen und einem unglaublichen Volumen reicht ihr Stimmvermögen, von dem sie an diesem Abend erfreulich viel Gebrauch macht. Dabei ist das Repertoire ungewöhnlich breitgefächert. Eigene Songs, Gipsy, Folk, Avantgarde, Rock, Funk, Blues – es gibt wohl kaum etwas, vor dem die Sängerin zurückschreckt. Und selbstverständlich gibt es für alles eigene Arrangements, die durch die Bank weg begeistern. Ihre anderen Stärken bleiben an diesem Abend ein wenig unter dem Scheffel. Schließlich ist Pugliese eine ausgezeichnete Tänzerin, was sie allerdings auf Plateau-Stiefeln von beachtlicher Höhe eher andeutungsweise zeigt. Immerhin zeigt sie auf der akustischen Gitarre und dem Miniatur-Xylofon ihre instrumentale Vielfalt, auch wenn das Kazoo, für dessen Spiel sie berühmt ist, im Koffer bleibt.
Angereist ist Pugliese mit der Basis ihrer Band Barbarella’s Bang Bang. Barbarella ist die italienische Verniedlichungsform von Barbara und Bang Bang (My baby shot me down) eine der schönsten Liebesballaden der Pop-Geschichte. 1966 sang Cher erstmals die traurige Ballade, die ihr damaliger Ehemann Sonny Bono geschrieben hatte. Aber egal, ob man die Version von Cher, die Cover-Version von Nancy Sinatra, die im darauffolgenden Jahr erschien oder Dalidas etwas unglückliche italienische Version bevorzugt, der Band-Name steht kongenial für den markanten Auftritt, der zwischen Cover-Versionen älterer Songs und eigenen Liedern changiert. Unterstützt wird die Sängerin an diesem Abend von Armands Ozolins an der Gitarre, Oliver Francis Lee am Kontrabass und Felix Cornwallis am Schlagzeug und als Hintergrundstimmen am Mikrofon.
Der Großteil des Publikums lässt sich von den meistenteils rockigen Klängen ansprechen und bald ist die Tanzfläche vor der Bühne gut besucht. In den Londoner Clubs und Bars gehört Barbarella’s Bang Bang längst zu den „berüchtigsten Live-Acts“ und auch auf zahlreichen Festivals sind diese unglaublichen Musiker in ganz Europa unterwegs. Beim Asphalt-Festival sind sie eine echte Entdeckung, die die meisten Gäste ordentlich feiern.
Michael S. Zerban