O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Nana Franck

Großformatige Lautmalerei

BEAUTIFUL IN THE SUBVERSION OF BEAUTY
(Bojan Vuletić)

Besuch am
19. Juli 2018
(Urauf­führung)

 

Asphalt-Festival, Glashalle im Weltkunst­zimmer, Düsseldorf

In diesen Tagen sieht man Bojan Vuletić ständig in Bewegung. Hier ein Small-Talk, dort eine herzliche Umarmung, zwischen­durch noch ein paar Inter­views, vor der nächsten Aufführung die Ankün­digung und zwischen­durch mal schnell mit angepackt, um eine Bierkiste beiseite zu räumen oder Glasscherben aus dem Durchgang zu schieben. Ganz selbst­ver­ständlich werden da am Vormittag noch inter­na­tionale Gäste vom Flughafen abgeholt oder zum Bahnhof gebracht. Halt all das, was so ein engagierter Künst­le­ri­scher Leiter während eines Festivals zu erledigen hat. Ja, das Festival ist in seiner Leistungs­fä­higkeit im positiven Sinne an der oberen Grenze angekommen. Da baden die Verant­wort­lichen in Adrenalin – vermutlich die einzige Möglichkeit, die elf Festival-Tage mit der gezeigten Gelas­senheit zu überstehen.

Und hinter den abwechs­lungs­reichen Kulissen kümmert sich Vuletić darum, dass die nächste Aufführung problemlos über die Bühne geht. Das ist die Urauf­führung seiner eigenen Kompo­sition Beautiful in the subversion of beauty – also etwa: schön in der Zerstörung der Schönheit – in der Reihe Recom­posing Art der bereits achte Teil. Um die zusätz­liche Anfor­derung zu leisten, vertraut der Komponist auf ein bewährtes Team. Und behält Recht. Schon in den Tagen vor der Aufführung ist ihm die Begeis­terung über die Zusam­men­arbeit mit den Musikern anzumerken, die die Besucher aus dem letzten Jahr schon kennen. Das Mivos Quartet tritt mit Olivia de Prato und Lauren Cauley an der Geige, Victor Lowris an der Bratsche und Mariel Roberts am Cello unver­ändert an. Auch Matt Moron am Vibraphon und Nate Wooley als Trompeter sind „alte Bekannte“. Nur Anna Kristin Webber ist in diesem Jahr nicht dabei. Statt­dessen spielt Jon Irabagon das Saxofon. Konse­quent verzichtet Vuletić in der Instru­men­tierung auf die Querflöte.

Jetzt ist der große Tag gekommen, unmit­telbar vor dem finalen Wochenende des Festivals, das noch einmal prall mit Programm gefüllt ist. Vuletić tritt vor das Publikum und versucht, das schwierig zu Verste­hende zu erklären. In diesem Jahr hat er Cy Twombly als Inspi­ra­tions- oder Assozia­ti­ons­quelle auser­koren. Ein bedeu­tender Maler des abstrakten Expres­sio­nismus, der vor allem mit großfor­ma­tigen Bildern bekannt wurde und den Kompo­nisten künst­le­risch begeistert. Entscheidend dabei ist, dass der Hörer seiner Musik den Ursprung gar nicht kennen muss, weil Vuletić nicht etwa Bilder neu vertont, sondern seine persön­lichen Eindrücke und Empfin­dungen neu zusammen- und in Musik umsetzt.

Bojan Vuletić – Foto © Nana Franck

Und so braucht es auch keine Projek­tionen vom Werk des Malers während der Aufführung der Musik. Wer das mal verstanden und sich mit den Qualen der Schalen­sitze in der Glashalle des Weltkunst­zimmers abgefunden hat, kann den Abend voll und ganz genießen, indem er sich ausschließlich auf die Musik konzen­triert. Wie üblich – es geht um Neue Musik – bleibt auf der Tribüne viel Platz, vor der die Musiker auf einem kleinen Podest platziert sind.

Recom­posing Art VIII ist keine Neuerfindung, sondern eher die konse­quente Weiter­ent­wicklung einer Reihe. Bekannte Elemente des vergan­genen Jahres tauchen wieder auf. Anschwel­lende Melodien, die abgebrochen werden, Disso­nanzen, schöne Klänge vom Vibraphon brechen sich an Reibungen auf dem Cello, die von kurzen Ausflügen mit dem Saxofon in den Jazz abgelöst werden. Die Zweck­ent­fremdung der Instru­mente wird besonders deutlich beim Solo des Trompeters, der viel mit der Stimme arbeitet, oder beim Saxofon, das Irabagon ohne Luftstrom bearbeitet. Das Strei­cher­konzert in langen Bögen wird durch Zupfen unterbunden.

Es lohnt nicht, nach Merkmalen zu suchen, die aus den Bildern Twomblys stammen. Im Gegenteil: Gäbe es sie, wäre es nach Auffassung von Vuletić am Thema vorbei. Und so erleben die Hörer ein sehr eigenes Konzert, das sich aus dem vergan­genen Jahr bruchlos weiter­ent­wi­ckelt. Nachdem Musiker und Komponist ihren hochver­dienten Applaus empfangen haben, geht es für Vuletić mit dem Festival weiter. Schließlich muss die nächste Aufführung vorbe­reitet werden.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: