O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Ralf Puder

Starker Einstieg

THE FAIRY QUEEN
(Henry Purcell)

Besuch am
12. Juli 2018
(Deutsche Erstaufführung)

 

Asphalt-Festival, Glashalle, Düsseldorf

Noch hängen schwere Wolken über Düsseldorf. Aber der Regen bleibt aus, und die Tempe­ra­turen steigen schon mal auf 27 °C. Die Prognosen versprechen, dass in den kommenden Tagen der Hochsommer in der Landes­haupt­stadt Einzug hält. Beste Voraus­set­zungen für das „Sommer­fes­tival der Künste“, das in diesem Jahr zum sechsten Mal statt­findet. Und glaubt man der alten Wirtschafts­regel, dass es sechs Jahre braucht, bis ein Unter­nehmen den Durch­bruch schafft, wird es für das Asphalt-Festival ein besonders wichtiges Jahr. Die Vorzeichen stehen gut. Der Parkplatz ist überfüllt, die auswär­tigen Kennzeichen haben deutlich zugenommen. Am Eröff­nungs­abend gibt es keinen freien Platz mehr in der Glashalle, dem Haupt­ver­an­stal­tungsort im Weltkunst­zimmer. Die Besucher­zahlen sind genauso gestiegen wie die Promi-Dichte. Der Intendant des Schau­spiel­hauses Düsseldorf, Wilfried Schulz, der neue Intendant des Rheini­schen Landes­theaters Neuss, Reinar Ortmann, und die Künst­le­rische Leiterin des Düsseldorf-Festivals, Chris­tiane Oxenfort, geben ihr Stell­dichein. Und Oberbür­ger­meister Thomas Geisel lässt es sich als Schirmherr des Festivals nicht nehmen, die Gäste mit einer begeis­terten, knackig-kurzen Ansprache zu begrüßen.

„Have a good festival”, mit diesem Wunsch hat sich kurz zuvor Duda Paiva vom Publikum der ersten Aufführung des diesjäh­rigen Festivals verab­schiedet. Das ist noch ganz berauscht von einem fanta­sie­vollen, wahrhaft bezau­bernden Auftritt. Gemeinsam mit dem Neder­lands Blazers Ensemble hat die Duda Paiva Company die Elfen­kö­nigin im Sinne des Kompo­nisten Henry Purcell neu und dem Zeitgeist angepasst inter­pre­tiert. Auf gute 70 Minuten zusam­men­ge­kürzt, entfachen die vier Darsteller der Compagnie mit den vierzehn Musikern des von Bart Schneemann wieder­be­lebten Bläser-Ensembles ein Feuerwerk an Fantasie, Zauber und Komik, ohne den nötigen Respekt vor der Dichtung William Shake­speares oder der Kompo­sition Purcells vermissen zu lassen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Bühne in der Glashalle ist prall gepackt. Rechts und links sind Tribünen für die jeweils sieben Musiker und ihre Instru­mente aufgebaut. Dahinter sind weiße Leinwände abgehängt, die später die Möglichkeit von Schat­ten­spielen bieten. Mittig ist eben Platz für die Spiel­handlung. Nach hinten ist die Bühne von Daniel Patijn mit einer dreistu­figen Treppe vor einem schwarzen Gaze-Vorhang abgegrenzt. Auf diesem Spiel­grund dürfen sich die Darsteller, von Sally Pittman und Hennie Arensman vollständig in Schwarz gekleidet und verschleiert, mit den halbmanns­hohen Schaum­stoff-Puppen von André Mello und Duda Paiva vergnügen. Denn das ist der Clou der Insze­nierung von Paiva: Puck, Oberon, Titania und die übrigen treten als Puppen auf, die von den Darstellern, vor den Bauch gebunden, geführt werden. Neu einge­führt wird das Kind der Liebe, weil es das Band zwischen Oberon und Titania kurzfristig festigt und vor allem für allerlei grobe Scherze dient. Ansonsten erzählt Paiva lediglich ein Fragment der Geschichte.

Foto © Nana Franck

Wer gern über Werktreue nachdenkt, ist hier hoffnungslos verloren. Wer sich an den wunder­baren, liebevoll gestal­teten Puppen und der darstel­le­ri­schen wie musika­li­schen Leistung erfreuen mag, erlebt einen herrlichen Abend, wie ihn wohl nur Nieder­länder erfinden können. In Deutschland setzte man vermutlich Puppen­spieler ein und ließe Sänger vom Rand auftreten oder so was. Bei der Duda-Paiva-Company müssen sich die Darsteller nicht nur mit ihren schweiß­trei­benden Kostümen, sondern auch mit den Puppen ausein­an­der­setzen. Und ganz nebenbei noch vom Feinsten singen. Hat Purcell die Oper als Nummern-Revue aufgebaut, versucht Paiva, eine Geschichte zu erzählen. Das verhindert das Publikum, das nach jeder musika­li­schen Nummer in begeis­terten Applaus ausbricht. Nun ja, nicht ganz zu Unrecht.

Francesca Lanza entzückt als Titania mit einem makellos intonierten Sopran, Augusto Valença, Ilja Surla und Alexander Brouwer wechseln zwischen Sprech­rollen, Counter, Alt und anspruchs­vollen Tenor-Gesängen, während sie bei der Führung der Puppen Schwerst­arbeit leisten. Und einen Chor gibt es selbst­ver­ständlich auch. Sitzen ja schließlich vierzehn Musiker auf den Tribünen. Dann können die doch auch mal zwischen­durch singen. Ja, können sie. Genauso, wie sie im Sinne eines griechi­schen Chors zwischen­durch immer wieder Stellung nehmen und beispiels­weise gute Tipps für Puck bereithalten.

Die Musiker sind im Arran­gement von Willam van Merwijk nicht überfordert und benötigen nur selten die Anzeigen von Bart Schneemann, um sauber alte Töne in modernem Klang zu präsentieren.

Das Publikum kennt am Ende kein Halten mehr. Springt von den Stühlen auf, um zu applau­dieren. Und freut sich, dass es sich nach der Aufführung noch einmal persönlich davon überzeugen darf, wie sich bei den Puppen Schaum­stoff anfühlt. Bleibt nur zu hoffen, dass sich das Gequatsche während der Aufführung nicht als Trend fortsetzt.

Das Asphalt-Festival hat einen sauberen Neustart hingelegt. Nach dieser überragend fanta­sie­vollen Arbeit muss die Steigerung erst mal geschafft werden. Als nächstes steht While I was waiting an. Die Künst­le­ri­schen Leiter Christoph Seeger-Zurmühlen und Bojan Vuletić haben Mohammad Al Attair und Omar Abusaada aus Syrien in die Halle 29 der Alten Farbwerke eingeladen.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: