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Foto © Greek National Opera

Die Zukunft hat begonnen

ELEKTRA
(Richard Strauss)

Besuch am
18. Oktober 2017
(Premiere am 15. Oktober 2017)

 

Greek National Opera, Stavros Niarchos Hall

Nahezu unkom­men­tiert von der inter­na­tio­nalen Presse ging in Athen am letzten Wochenende die Eröffnung des neuen Opern­hauses der National Greek Opera – der griechi­schen Staatsoper im Stavros Niarchos Foundation Cultural Center – über die Bühne. Dabei sendet dieses Ereignis ein wichtiges kultu­relles Lebens­zeichen des von wirtschaft­lichen Krisen gebeu­telten Landes. Vor den Toren der griechi­schen Haupt­stadt, nahe des bedeu­tenden Hafen Piräus entstand in den letzten Jahren auf einer Fläche von 210.000 qm ein nachhal­tiger Kultur‑, Ausbil­dungs- und Erholungs­komplex, finan­ziert von der Stavros Niarchos Foundation.  Der Stifter war eine schil­lernde Figur der Gazetten und einer der bedeu­tendsten Reeder, der einen erbit­terten Wettkampf mit dem ebenso erfolg­reichen Aristo­teles Onassis führte. Die Reeder sind die Berufs­gruppe, die in der Finanz­krise des griechi­schen Staates ob ihrer Steuer­freiheit angeprangert werden. Mittler­weile finden sich heute einige heraus­ra­gende Projekte, mit denen die der Öffent­lichkeit etwas zurückgeben.

Das Stavros-Niarchos-Kultur­zentrum wurde vom Starar­chi­tekten Renzo Piano gestaltet und beher­bergt neben der Oper auch die staat­liche Bibliothek, offen für alle, modern ausge­stattet. Dazu gehört ein Park, der förmlich ins Gebäude integriert ist. Archi­tek­to­nisch besteht das Zentrum aus zwei mitein­ander verbun­denen Gebäu­de­teilen. Eine bedächtig aus dem Park heraus anstei­gende bewachsene schiefe Ebene prägt die Natio­nal­bi­bliothek. Ein durch­sich­tiger Glasblock verbindet diese mit dem Opern­ge­bäude, einem fünfstö­ckigen Glaswürfel, gekrönt von einem riesig anmutenden, ausla­denden Dach auf hohen, schlanken Stelzen. Darunter befindet sich eine begehbare Plaza und ein großes Restaurant, beides für die mittler­weile nahezu überall und ständig statt­fin­denden Events. So integriert sich das großflä­chige, in hellgrau gehaltene Gebäude kaum erkennbar anmutig in die schmucklose Umgebung und verschmilzt mit dem glitzernden Meeres­spiegel vor der Haustür. Milde Oktober­abende verleiten zum gemüt­lichen Wandelgang auf der Terrasse vor dem Gebäude mit großem Pool. So werden die Hektik und der Lärm der Großstadt schnell vergessen.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Drinnen erwartet den Besucher ein helles, zweck­mäßig gestal­tetes Foyer, bevor er den tradi­tionell nachemp­fun­denen Zuschau­erraum im gestreckten Halbrund betritt. Zinno­berrote Wände und Sitze dominieren neben eleganten, weichen Braun­tönen für die Verkleidung der vier Ränge. Bis zu 1400 Zuschauer fasst das Haus. Die Technik der großflä­chigen Bühne mit Hinter­bühne ist auf dem letzten Stand, sodass auch mehrere Bühnen­bilder Platz finden. Anerkannte Spezia­listen sorgten für eine vielge­lobte und für den Zuhörer erkennbare Akustik, die sich durch einen warmen, vollen, aber klar abgrenz­baren Klang auszeichnet. Hier ist ein im Gesamtbild ausge­zeich­netes, anspre­chendes, funktio­nales Bauwerk entstanden. Die Athener haben das Gebäude auch mit Begeis­terung aufge­nommen, und die Besuchs­zahlen des Kultur­zen­trums liegen bereits über den Erwartungen.

Mit Elektra von Richard Strauss eröffnet die griechische Staatsoper das neue Kapitel ihrer Geschichte, ein anspruchs­volles Opernwerk mit tiefem griechi­schen Bezug. Noch nie wurde dieses tragische, expres­sio­nis­tische Werk mit über hundert Musikern im Orchester von der griechi­schen Staatsoper aufge­führt. Regisseur Yannis Kokkos sieht in Elektra zwei Gesichter: die durch Verletzung und Ungerech­tigkeit wilde und ungestüme Rächerin und die durch unsag­baren Schmerz religiös geadelte Heilige. Die Bühne wird zum Schau­platz von Ungerech­tig­keiten, Obses­sionen, Wahnsinn und Phantasie, dreckigem Sumpf und goldenem Palast, trotz antiker griechi­scher Wurzel bleibt der Stoff tages­ak­tuell. Das Bühnenbild, auch von Kokkos, ist zeitlos undefi­niert. Eine golden ausge­legte Treppe, mit einem Gitter verschlossen, stellt den Palast dar. Hohe, glatte Seiten­wände muten wie mächtige Felsen, ab und an tiefrot angestrahlt. Die Kostüme von Lili Kendaka sind ebenso zeitlos. Lange, schmucklose, dunkel gehaltene Kleider für die weiblichen, Mäntel für die männlichen Darsteller.

Foto © Greek National Opera

Sabine Hogrefe steht den gesamten Abend im Mittel­punkt als Elektra auf der Bühne. Nicht von ungefähr zählt die Partie zu den anspruchs­vollsten der Opern­li­te­ratur. Die Sopra­nistin konzen­triert sich auf den Gesang, bleibt wortver­ständlich, sprüht kaum drama­ti­sches Gift, sondern lässt sich auf anmutigen Gesang ein. Bis fast ans Ende reicht die Kraft ihrer Stimme an diesem Abend, im letzten Bild haucht sie sowohl Stimme als auch Seele aus ihrem Körper und fällt nach einem stamp­fenden Opfertanz in sich zusammen. Markant und präsent setzt sich Gun Brit Barkmin als ihre Schwester Chryso­t­hemis in Szene. Ihr Sopran ist in eine kräftige schil­lernde Farbe einge­hüllt. Dramatik versprüht ihr hoffnungs­voller Lebens­geist. Die Besetzung der Clytem­nestra bringt ein Wieder­sehen mit dem griechi­schen Weltstar Agnes Baltsa. Schon ihr Erscheinen auf der Bühne zieht die Aufmerk­samkeit an. Weiß und kurzge­schnitten ist jetzt ihre Haarpracht, elegant und bewusst sind die wenigen Bewegungen gesetzt, fest und klar ihre Stimme mit der satten Klang­farbe des gereiften Soprans. Ein Wieder­sehen, das Freude bereitet. Mit ihrem Auftritt pro bono unter­stützt und anerkennt sie die Bemühungen der griechi­schen Staatsoper. Inter­na­tionale Erfahrung hat auch Bariton Dimitris Tiliakos als Orest. Totge­glaubt kehrt er von Elektra langersehnt zurück, um die Ungerech­tigkeit an dem abgöt­tisch geliebten Vater Agamemnon zu rächen. Ruhig und lyrisch bleibt er in seiner Inter­pre­tation und singt ohne Druck.

Druck und Kraft setzt Vassilis Chris­to­poulos als Dirigent im Orches­ter­graben ein, um seine vielen Musiker bei Tempo und Konzen­tration zu halten. Wahrhaft sympho­nische Ergüsse werden in der Partitur bis an die Grenzen der Tonalität auf die Zuhörer geschüttet. Die heißt es im Zusam­men­spiel aufzu­bauen, in den Instru­men­ten­gruppen abzustimmen und gleich­zeitig zum Siede­punkt zu bringen. Das Selbst­be­wusstsein im Orchester wächst spürbar im Laufe des Abends, und explosiv schwungvoll stimmen die Musiker in den Abschlusstanz Elektras ein.

Brachial und monumental das Ende vor fast ausver­kauftem Haus. Das Publikum klatscht eupho­risch, die obligaten Handys laufen im Kamera­modus heiß und nur zögerlich bewegt sich das elegante Publikum, nochmals Blicke auf das neue Haus werfend. Jetzt sollte noch der öffent­liche Nahverkehr seinen Weg zum neuen Kultur­zentrum finden, dann wird dieses Opernhaus sicher die Kultur­land­schaft Griechen­lands in ihrer ganzen Breite bereichern.

Helmut Pitsch

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