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Foto © Jan-Pieter Fuhr

Pomp und Gefühle à la Hollywood

JFK
(David T. Little)

Besuch am
24. März 2019
(Europäische Erstaufführung)

 

Staats­theater Augsburg, Martini-Park

Er war eine Kultfigur zu Lebzeiten, sein früher Tod und die rätsel­haften Umstände machten ihn zum Mythos. John F. Kennedy, der jüngste Präsident der Verei­nigten Staaten, wurde am 22.11.1963 ermordet. Die Bilder des Attentats, die Tragödie seiner Familie und des gesamten Kennedy-Clans sind ameri­ka­nische Zeitge­schichte. Jacqueline Kennedy, seine Frau, ist und bleibt Stilikone. Der junge, erfolg­reiche, ameri­ka­nische Komponist David T. Little und der kanadische Librettist und Filme­macher Royce Vavrek schufen rund um die letzten Stunden des charis­ma­ti­schen Präsi­denten eine abend­fül­lende Oper. 2016 in Fort Worth urauf­ge­führt, erlebt das gefeierte Werk nun seine europäische Erstauf­führung im Stadt­theater Augsburg. In 31 Bildern erfahren wir von dem schmerz­vollen Rücken­leiden des Präsi­denten, seiner Sexsucht, seiner familiären Bande zur nach einer Operation geistes­kranken Schwester, Brüdern und Eltern. Aber die Oper könnte auch Jackie heißen. Auch ihre Geschichte und besonders Emotionen und Gefühle dominieren an diesem Abend neben der gemein­samen Liebes­ge­schichte, den gegen­sei­tigen Gefühlen und insbe­sondere das Trauma der beiden verlo­renen Kinder Arabella und Patrick.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



JFK ist ein Stück Amerika, und ein gutes Stück Amerika dürfen die Zuschauer in der gekonnten Regie von Roman Hoven­bitzer erleben, jede Menge Klischees inklusive. Da treten gleich zu Beginn die bestens vorbe­rei­teten Augsburger Domsing­knaben in Khaki-Hosen wie Pfadfinder auf und halten die rot-weiß-blauen Schilder mit den typischen Wahlslogans in die Luft. Der Texaner und Vizeprä­sident Lyndon B. Johnson trägt Cowboy-Stiefel und ‑Hut, Cheer­leader schwingen die Beine und mehr. Die blonde Marylin Monroe kommt auch vorbei und verführt den feschen Präsi­denten. Jackie schlüpft und entschlüpft laufend dem rosafar­benen Chanel-Kostüm mit Hut. Nikita Chruscht­schow marschiert in rot mit unifor­mierter Entourage und jeder Menge Wodka ein. Viele Video­pro­jek­tionen begleiten die Fragmente der Lebens­ge­schichte dieses Traum­paares. Geschickt integriert sich der Bühnen­nachbau der Präsi­den­ten­li­mousine mit den Filmauf­nahmen, und verschiedene Szenen werden so lebensecht. Hoven­bitzer setzt noch eine Ebene auf die Handlung und lässt das Geschehen wie den Dreh eines Kinofilms ablaufen. Zu Beginn nehmen Regisseur und Assis­tentin am Regiepult im Zuschau­erraum Platz, aber dieser Einfall lässt sich nicht stringent durch­setzen und lenkt von der ohnehin dichten Handlung ab. Das Bühnenbild besteht aus fahrbaren Elementen, die ohne großen Aufwand schnell neu geordnet und aufge­stellt werden können. Ein Hotel­zimmer, die Badewanne des Präsi­denten, der Rücksitz seiner Limousine und das Weiße Haus sind Schau­plätze des Geschehens. Flott und ohne Kanten fließen die Szenen und Bilder inein­ander, auch wenn der direkte Bezug einer Handlung in dieser Oper fehlt. In rascher Abfolge erfahren wir viel von den Qualen der beiden, von ihrer gegen­sei­tigen Liebe und Wertschätzung in den einzelnen Momenten und dem Prolog.

Foto © Jan-Pieter Fuhr

David T. Little wurde schon als Retter und Erneuerer der Oper in Amerika tituliert. Kraftvoll ungeniert und mit viel Fantasie schafft er neue Werke, die sowohl modern, aber auch bekannt wirken. Er schreibt gekonnt Melodien, reizt Harmonien aus und verbindet Stilele­mente des Rock mit der Klassik. Sein Schaffen darf nicht mit der Kompo­sition von Filmmusik gleich­ge­stellt werden. Zu elabo­riert ist seine Instru­men­tierung, zu ausge­fasert sind seine Harmonien, zu einfalls­reich seine Melodien. Bewusst bewegt er sich auch in der Klangwelt des Expres­sio­nismus, in Ansätzen der Zwölf­ton­musik, aber auch Romantik und Verismo lassen sich heraus­hören. Somit setzt er hohe Ansprüche an die Orches­ter­mu­siker und Sänger.

Lancelot Fuhry führt sicher den Stab dieser europäi­schen Erstauf­führung und findet sich in der bunten Stilwelt sichtlich wohl. Sehr präsent steht die Orches­ter­musik im Raum, er lässt aber den Sängern ausrei­chend Raum für deren Gestaltung der Gesangs­partien und begleitet die durchaus ariös wirkenden Gesänge raffi­niert und ausge­reizt im Wechsel­spiel mit den Instrumenten.

Alejandro Marco-Buhrmester verkörpert den Titel­helden. Gesanglich stellt er sich der Partie gewachsen, doch darstel­le­risch kann er dem Idol nicht gerecht werden. Eine große Aufgabe für jeden in dieser Rolle. Hier kommt Kate Allen mit ihrer Bühnen­präsenz und der kräftigen, gut einge­färbten Stimme schon näher, auch wenn im Äußeren wenig Ähnlichkeit mit Jaqueline Bouvier Kennedy besteht. Sally du Randt und Wolfgang Schwa­ninger übernehmen jeweils zwei Rollen. The Spinner und Clara sowie The Allotter und Rathborne. Sie präsen­tieren zum einen das öffent­liche Interesse als Vertreter von Fernseh­sta­tionen, die das Geschehen begleiten als auch Regisseur und Cutterin in der Inter­pre­tation von Roman Hoven­bitzer. Ihr Mezzo verfügt über die nötige Schärfe und den ameri­ka­ni­schen Tonfall, wie wir es aus US-Nachrich­ten­sen­dungen kennen, seine Stimme gerät in der anspruchs­vollen Partie an ihre Grenzen und ist gepresst in den Höhen. Roman Poboinyi ist ein mächtiger, gesetzter Chruscht­schow, seine Macht unter­mauert mit dem Podest, auf dem er steht. Irakli Gorgo­shidze ist ein schwung­voller, leutse­liger Lyndon B. Johnson. Der Opernchor des Staats­theaters Augsburg hat in dieser Aufführung viel zu tun und verkörpert verschiedene Rollen. Bestens einstu­diert tragen die Sänger viel zum berech­tigten Erfolg des Abends bei. Eine gelungene Einführung dieses Werkes in Europa, und beim begeis­terten Schluss­ap­plaus fühlt sich der Komponist und Librettist sichtlich beein­druckt und zufrieden.

Helmut Pitsch

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