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Zwei Inszenierungen auf einmal

PARSIFAL
(Richard Wagner)

Besuch am
25. Juli 2023
(Premiere)

 

Bayreuther Festspiele, Festspielhaus

Mit stürmi­schem Beifall und relativ wenigen Buh-Rufen reagiert das Bayreuther Premieren-Publikum auf die Eröffnung der 111. Festspiele mit einer Neuin­sze­nierung des Parsifal, der im Vorfeld emsige Diskus­sionen um den Einsatz und die Vergabe von Augmented-Reality-Brillen voraus­gehen. Schwarze, schwere Gestelle, die so teuer sind, dass sich selbst in Bayreuth jeweils nur 330 der fast 2000 Besucher vom Sinn oder Unsinn der Techno­logie überzeugen können.

Ein Experiment, das dem von Wagner anvisierten „Werkstatt-Charakter“ der Festspiele entge­gen­kommt. Weniger aller­dings die „Zweiklas­sen­ge­sell­schaft“, die Wagners Vorstellung von einem „demokra­ti­schen“ Theater wider­spricht, bei dem selbst der Kaiser bei der Gründung der Festspiele vor 147 Jahren mit den unbequemen Klapp­sitzen des gemeinen Volks vorlieb­nehmen musste. Immerhin hat der ameri­ka­nische Regisseur Jay Scheib recht, wenn er garan­tiert, dass auch der „unbebrillten“ Mehrheit eine vollständige Insze­nierung geboten wird. Aller­dings eine in Sachen stati­scher Perso­nen­führung erzkon­ser­vative und kreuz­brave Produktion vor unauf­dringlich schlichten Bühnen­bildern in mehr oder weniger fanta­sie­vollen Kostümen. Aus der Passi­vität der „analogen“ Welt wird man mit der Brille in eine hyper­aktive Bilderflut katapul­tiert, in der dreidi­men­sional und pausenlos Gegen­stände und Symbole aller Art durch den virtu­ellen Raum fliegen, die oft ein Eigen­leben führen und nur selten eine sinnvolle Verknüpfung mit der Handlung erkennen lassen. Wenn, dann meist plakativ: Da wird gleich ein ganzer Schwarm von Schwänen von Parsifals Pfeil getroffen, zur Beichte des sündigen Amfortas winden sich Riesen­schlangen durch den Raum und am Ende erscheint sogar der Heilige Geist in Gestalt einer Taube, die seit Wieland Wagners Entrüm­pe­lungs-Ästhetik lange Zeit vom Grünen Hügel verbannt war. Da ließen sich schon subtilere Verknüp­fungen mit dem Gehalt des Werks vorstellen und realisieren.

Foto © Enrico Nawrath

Den Gral selbst, ein blauer Kristall, zerschmettert Parsifal. Als Warnung vor der Zerstörung der Welt, nachdem der gesamte dritte Akt mit Umweltmüll aller Art bombar­diert wird. Die religiöse Essenz des Werks, Wagners Appell an die Chris­tenheit, nicht den Menschen als Sünder in den Mittel­punkt ihres Glaubens zu stellen, sondern sich wieder auf das verloren gegangene Mitleid, die Caritas, zu besinnen, inter­es­siert den Regisseur nicht. Die wird von den optischen Attacken ohnehin überrollt. Und man muss sich schon zusam­men­reißen, um sich davon nicht allzu sehr von der Musik ablenken zu lassen. Denn musika­lisch kann die Produktion so vollauf überzeugen wie schon lange nicht mehr auf dem Grünen Hügel.

Überra­schend das Debüt von Maestro Pablo Heras-Casado, der einen wunderbar trans­pa­renten, unpathe­ti­schen, die Sänger nie in Bedrängnis bringenden Klang entwi­ckelt, der zügige, aber nie überdrehte Tempi anschlägt. Eine gleich­wertige Alter­native zu Christian Thiele­manns spiri­tu­eller ausge­rich­tetem Werkver­ständnis. Auf jeden Fall ein Umfeld, in dem sich die Sänger mühelos entfalten können. Auch der kurzfristig einge­sprungene Andreas Schager in der Titel­rolle, der diesmal wesentlich diffe­ren­ziertere Töne anschlägt als im Siegfried des letzten Jahres. Ein Ereignis, trotz mangelnder Textver­ständ­lichkeit, ist Elīna Garanča mit ihrer betörend schönen Stimme als ebenso kühle wie innerlich glühende Kundry. Einen Höhepunkt bieten beide mit dem Mammut-Duett im zweiten Akt, bei dem man am besten die Brille absetzt.

Publi­kums­liebling Georg Zeppe­nfeld steigert sich mit jeder Rolle und liefert als Gurnemanz ein Muster­bei­spiel an stimm­licher Präsenz und Textver­ständnis. Dass ihm in zwei Jahren der Hans Sachs angeboten wird, ist mehr als verdient. Derek Welton als Amfortas, Jordan Shanahan als Klingsor und Tobias Kehrer als Titurel runden das Ensemble homogen ab. Chor und Orchester glänzen wie gewohnt und die im Parsifal besonders kompli­zierte Organi­sation und Koordi­nation der Klang­gruppen gelingt dem Dirigenten bei seinem ersten Einsatz vorbildlich.

„Augmented Reality“ ist als Erwei­terung der Theater­technik durchaus ernst zu nehmen, wenn sie sich nicht zu penetrant in den Vorder­grund rückt wie in diesem Parsifal. Angesichts des immensen finan­zi­ellen und techni­schen Aufwands wird die Technik in naher Zukunft aller­dings wohl eine Ausnahme bleiben. Musika­lisch lohnt die neue Produktion mit und ohne Brille.

Pedro Obiera

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