O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
ALTAR BOYZ
(Kevin Del Aguila, Gary Adler, Michael Patrick Walker)
Besuch am
8. Februar 2020
(Premiere am 15. Januar 2019 in der Bar jeder Vernunft)
OFFstage Germany, so nennt sich ein 2017 gegründeter Verein aus professionellen Kunstschaffenden, der Off-Musicals vom New Yorker Broadway oder vom Londoner Westend in Deutschland, speziell in Berlin und Hamburg, zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen möchte. Den Auftakt machte vor zwei Jahren der Zweipersonen-Musikkrimi Thrill Me. Im Januar vergangenen Jahres holte man die deutsche Erstaufführung von Altar Boyz in den Berliner Kleinkunsttempel Bar jeder Vernunft, wo der Erfolg so groß war, dass die Produktion in das größere Tipi am Kanzleramt umzog.
Altar Boyz wurde 2005 am Off-Broadway uraufgeführt und entwickelte sich dort mit einer fünfjährigen Spieldauer zu einer der erfolgreichsten Shows.
Sie handelt von einer fiktiven, christlich geprägten, amerikanischen Boy Band und dem letzten Abend ihrer Sensation Christ Tour. Während der Show, die Gottes Stimme aus dem Off persönlich anleitet, kommt eine neu entwickelte Maschine zum Einsatz, die auf einem Display die Sündigen im Publikum anzeigen kann. Durch die Glaubenskraft der Texte und Songs minimiert sich ihre Anzahl im Verlauf bis auf vier abtrünnige Seelen. Der Clou: Es sind die Performer selbst, die heimlich Soloverträge abgeschlossen haben und damit das Weiterbestehen der Gruppe aufs Spiel setzen.

Altar Boyz wirft einen satirischen, aber nie denunzierenden Blick auf Boygroups und deren Gehabe, gepaart mit Seitenhieben auf amerikanischen Bibelpop und ein bisschen Werbung für Toleranz. Denn von den fünf Jungs fühlt sich einer, der jüdisch-stämmige Abraham, als Außenseiter. Klar, dass er sich integrieren kann: Er behauptet sich als Texter. Neben Abraham, den Tom Schimon mit liebenswerter Schüchternheit verkörpert, gibt es den schwulen Mark, der sich in Gestalt von Martin Mulders in einem urkomischen Geständnis als bekennender Christ outet: Ich bin katholisch. Mit dabei sind auch Daniele Alan-Carter als Latino-Herzensbrecher, der eine feurige Samba hinlegt, der zu verbotenen Späßen neigende Luke, von Christopher Bolam mit rhythmischer Gelenkigkeit ausgestattet, und der blondlockige, den Ton angebende Bandleader Tobias Bieri.
Musik, ein gekonnter Mix aus Pop, Rock und Balladensentiment, und Tanz sind angelehnt an Vorbilder wie Take That, Backstreet Boys oder Tokio Hotel. Die synchronen Bewegungen, das Spiel mit weiblichen Zuschauerinnen, die Gänge durchs Publikum haben Regisseur Michael Heller und sein Choreograf Christopher Bolam genau beobachtet und so treffend umgesetzt, dass die Grenzen zwischen Fiktion und echtem Konzert verwischen. So gibt es auch keine üppige Ausstattung, es reichen Licht- und Nebeleffekte.
Die fünf Jungs, in Glitzerkostüm und Priesterkutte gleichermaßen agil, singen und tanzen sich die Seele aus dem Leib. Ihre darstellerische Energie lässt den Funken schnell ins Publikum überspringen. Einziges Manko: nicht jeder ist gleich gut verständlich, so dass manche Pointe untergeht. Für den nötigen musikalischen Schwung sorgt ein von Lidia Kalendareva angeleitetes Band-Quintett.
Nach dem begeisterten Applaus und den vielen Fans zu urteilen, dürfte Altar Boyz nicht zum letzten Mal in Berlin gespielt worden sein.
Karin Coper