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Foto © O-Ton

Kunstvoller Minimalismus

DUO CON PIANO
(Annalisa Derossi, Gianfranco Celestino)

Besuch am
27. September 2019
(Premiere)

 

BAM!, Volks­bühne, 3. Stock

Musik­theater kennt keine Größe, um Größe zu entfalten. Also hat Roland Quitt, Künst­le­ri­scher Leiter des Berliner Festivals für aktuelles Musik­theater, ein Paar einge­laden, seine Arbeit auf der Probe­bühne im dritten Stock der Volks­bühne zu zeigen. Annalisa Derossi und Gianfranco Celestino verbinden ein paar Gemein­sam­keiten. Das stellten sie fest, als sie sich im Internet kennen­lernten. Beide sind in Turin geboren. Beide studierten Klavier und Tanz, arbeiten als Choreo­grafen. Und beide leben seit vielen Jahren im Ausland. Bei so viel Ähnlichkeit liegt es nahe, künst­le­risch zu gemein­samer Arbeit zu finden. Und so präsen­tieren sie in der Volks­bühne ein minima­lis­ti­sches Stück Musik­theater aus dem Jahr 2014. Für ihr Duo con Piano benötigen sie nicht mehr als einen Flügel, und der sollte, bitte schön, nicht zu neu sein.

Foto © O‑Ton

Duo con Piano wirkt auch nach fünf Jahren in seiner Zeitlo­sigkeit noch taufrisch. In einer guten Stunde liefern Derossi und Celestino ein Stück ab, das an Humor und Akrobatik, aber auch kriti­scher Sicht­weise nicht spart. Dabei gehen die beiden es ruhig an. In der Mitte der Bühne steht der reichlich abgewrackte Flügel. Delarossi stellt sich davor. Als Celestino die Bühne betritt, tritt die Tänzerin zurück. Schnell wird deutlich, dass zwischen den beiden eine – eher schwierige – Beziehung herrscht. Die Beziehung wird sich nicht auflösen, sondern in ständigen Konflikten bestehen. Dabei gibt es ständige Kunst­stückchen am Klavier. Mal spielt Delarossi mit einem auf ihr liegenden Celestino Klavier, mal muss Celestino die Tastatur rückwärtig zwischen seine Knie nehmen. Dann werden Standard­si­tua­tionen im Klavier- und Tanzun­ter­richt auf’s Korn genommen. Zwischen­durch stellen die Tänzer Fragen, denen sie sich oft selbst ausge­setzt sehen. Stereotype Fragen, die sich kaum noch ein Journalist zu stellen traut, weil sie so profan oder vielbe­ant­wortet sind.

Anschließend geht es wieder in den Clinch. So finden tänze­rische und pianis­tische Exzellenz auf der Grundlage von künst­le­ri­scher Virtuo­sität zusammen. Der Applaus ist überwäl­tigend für ein kleines Stück Musiktheater.

Michael S. Zerban

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