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Foto © Stage Entertainment

Ewige Freundschaft

THE BAND
(Tim Firth)

Besuch am
13. Juli 2019
(Premiere am 12. April 2019)

 

Stage Theater des Westens Berlin

In den 1990-er Jahren eroberten die Jungs der engli­schen Popgruppe Take That die Charts und lösten bei unzäh­ligen, vorwiegend weiblichen Fans hyste­rische Emotionen und Reaktionen aus. Zum Bruch kam es 1996 nach dem Ausstieg von Robbie Williams, der als Solist durch­startete. Doch aus dem Gedächtnis waren Songs wie Back for Good oder Patience nie. Was also lag näher, als aus den Hits ein Musical zu zimmern, so wie es ABBA mit Mamma Mia erfolg­reich vorge­macht hatte. Und so geschah es: Mit kräftigem Zutun der Gründungs­mit­glieder wurde The Band produ­ziert, den Text verfasste der renom­mierte Drehbuch­autor und Drama­tiker Tim Firth.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Das Stück erzählt die Geschichte von fünf Schul­freun­dinnen. Zu Beginn sind sie 16 Jahre alt und schwärmen wie ganz normale Teenager für eine nicht näher bezeichnete Boygroup. Die beherrscht ihren Alltag und ist in der Fantasie – und auf der Bühne – ständig anwesend, auf sie proji­zieren die Mädchen ihre Wünsche und Sehnsüchte. Nach einem gemein­samen Konzert­besuch kommt eine von ihnen bei einem Unfall ums Leben. Die Wege der verblie­benen vier trennen sich. Erst 25 Jahre später treffen sie sich anlässlich einer Revival-Veran­staltung der Gruppe wieder. Dabei stellen sie fest, wie wenig ihre Lebens­ent­würfe der jetzigen Realität entsprechen und dass sich manche Hoffnung nicht erfüllt hat. Dafür entdecken sie ihre Freund­schaft neu.

The Band feierte 2017 in Manchester Urauf­führung, an die sich eine überaus erfolg­reiche, andert­halb­jährige Tournee durch Großbri­tannien mit Abschluss in London anschloss. Diese Produktion hat Stage Enter­tainment nach Berlin ins Theater des Westens übernommen, und sie wird danach noch in München zu sehen sein. Den Weg nach Deutschland hat sie unbeschadet überstanden, wenn man einmal davon absieht, dass die übersetzten Dialoge mehr Witz und Tempo und weniger platte Sprüche vertragen könnten.

Foto © Stage Entertainment

Die Insze­nierung von Kim Gavin und Jack Ryder ist profes­sionell arran­giert, das Bühnenbild von Jon Bausor sorgt mittels Video­pro­jek­tionen naht- und geräuschlos für den schnellen Wechsel der teils überra­schenden Schau­plätze. Typen­mäßig treff­sicher besetzt sind die Darstel­le­rinnen: Maria Arnold, Jara Buczynski, Franziska Trunte, Kristin Heil und besonders Ruth Lauer als Debbie bringen die indivi­du­ellen Persön­lich­keiten der puber­tie­renden Mädchen­clique genauso auf den Punkt, wie ihre musical­ver­sierten erwach­senen Pendants Yvonne Köstler, Heike Kloss, Silke Geertz und Laura Leyh.

Die sechs­köpfige Band verbreitet unter der Leitung von Dominik Franke das rechte Maß an poppig-rockigem Sound. Prince Damien, Helge Mark Lodder, Eric Hallengren, Alex Charles und Sonny Grieveson gelingt es, Erinne­rungen an das tänze­rische und gesang­liche Geschick der Boygroup-Originale zu wecken, ohne dass es wie ein peinlicher Aufguss wirkt.

In der Samstag­abend­vor­stellung ist das Theater nur schütter besetzt. Schade, denn ein Take-That-Musical, das so sympa­thisch das Thema Erwach­sen­werden und Freund­schaft aufgreift und dabei nostal­gische Gefühle aufkommen lässt, hätte mehr Zuspruch verdient.

Karin Coper

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