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Foto © Iko Freese

Mit schwerer Hand

BLAUBART
(Jacques Offenbach)

Besuch am
23. März 2018
(Premiere)

 

Komische Oper Berlin

Die Komische Oper Berlin feiert in dieser Spielzeit ihren 70. Geburtstag und bringt als Erinnerung an den Gründer Walter Felsen­stein zwei seiner berühm­testen Insze­nie­rungen in Neupro­duk­tionen heraus. Nach dem Musical Anatevka, das in der Regie von Barrie Kosky zum Kassen­knüller geworden ist, folgt die Operette Blaubart von Jacques Offenbach. Aller­dings mit Hinder­nissen im Vorfeld. Denn technische Probleme machten eine Verschiebung der Premiere um eine Woche nötig. Dazu wurde der vorge­sehene Dirigent Clemens Flick durch Stefan Soltesz ersetzt, „weil die theater­prak­tische Reali­sierung der Partitur einer anderen Art des musika­li­schen Zugriffs bedarf“, wie es diplo­ma­tisch in der Presse­er­klärung heißt.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Felsen­steins Blaubart-Insze­nierung aus dem Jahr 1963 wurde fast 400 Mal gespielt und liegt auch als DVD vor. In die Fußstapfen dieser Regie-Legende tritt Stefan Herheim, dessen opulente Theater-im-Theater-Insze­nierung von Händels Xerxes auch noch sechs Jahre nach der Premiere den Spielplan der Komischen Oper schmückt. An den Vielbe­schäf­tigten sind hohe Erwar­tungen geknüpft, auch weil es seine erste Operet­ten­aus­ein­an­der­setzung ist. Er hat keinen Aufwand gescheut und gemeinsam mit dem Drama­turgen Alexander Meier-Dörzenbach und Clemens Flick eine eigene Fassung gebastelt, mit neuen deftigen Texten und musika­li­schen Einschüben von Wagner, Smetana und anderen Offenbach-Werken. Doch damit nicht genug. Zum Original gibt es eine Rahmen­handlung mit zwei erfun­denen Figuren: der Liebesgott Cupido und der Gevatter Tod befinden sich im Wider­streit und mischen sich ständig ins Geschehen ein. Der erste Auftritt gehört ihnen: Cupido zieht eine Wander­bühne hinter sich her, angetrieben von dem auf dem Kutschbock sitzenden Tod. Das Thema Eros oder Thanatos ist im Blaubart allge­gen­wärtig, aller­dings satirisch überspitzt. Die sechs Ehefrauen des Ritters und die vermeint­lichen Neben­buhler von König Bobèche werden in beider Auftrag ermordet. Das geschieht jedoch dank der mitlei­digen Henker nur zum Schein. Angeführt von der durch­set­zungs­fä­higen Boulotte, Blaubarts letzter Gattin, verbünden sich die Opfer und demas­kieren die Täter. Am Ende steht einer Gruppen­heirat nichts mehr im Wege. Ob die Liebe gesiegt hat, bleibt aller­dings offen. Denn die Reise von Cupido und Thanatos geht weiter.

Foto © Iko Freese

Aus der von Christoph Hetzer entwor­fenen Wander­bühne purzeln eine Fülle von magischen Kulissen und Requi­siten heraus, die jenen Theater­zauber entfalten, der in der Insze­nierung nur bedingt aufblitzt. Weil Herheim zu viel will. Er jongliert zwischen vielschich­tigem Welttheater, tiefgrün­digem Diskurs und konven­tio­neller Posse mit vielen anzüg­lichen Aktionen und neckisch geführtem Chor. Dazu gibt es Verweise auf andere Operetten und auf Felsen­steins Insze­nierung, die sich in Esther Bialas‘ Kostüm­zi­taten von Blaubart und König Bobèche nieder­schlagen. Auch die DDR-Vergan­genheit und Berliner Aktua­li­täten kommen zum Zuge, wenn vom Abriss des Palasts der Republik die Rede ist oder das zum Humboldt­forum wieder­erbaute Schloss als Vorlage für das Bühnenbild des zweiten Akts dient. Solch intel­lek­tu­eller Überbau bekommt dem Blaubart nicht, zumal es am Wichtigsten fehlt: Tempo und pointiertem Timing.

Die breit ausge­walzte Insze­nierung schlägt sich auf die Solisten nieder, zu denen immerhin so kompe­tente Ensem­ble­mit­glieder wie Johannes Dunz und Tom Erik Lie gehören. Wolfgang Ablinger-Sperr­hacke ist ein Blaubart ohne beson­deres Charisma. Auch Sarah Ferede fehlt es für die Boulotte an Ausdrucks­kraft und raumfül­lender Präsenz, die Anny Schlemm bei Felsen­stein so auszeichnete. Sie singt schön, doch das reicht nicht aus für diese Operette. Wie Offenbach klingen sollte, demons­trieren die beiden Veteranen Peter Renz und Chris­tiane Oertel als Königspaar: mit vielen Zwischen­tönen und messer­scharf artiku­liert. Die Krone aber gebührt Rüdiger Frank, der neben dem Tod von Wolfgang Häntsch den Cupido gibt. Der als Putte ausstaf­fierte, klein­wüchsige Darsteller verkörpert einen Liebesgott, der wiesel­flink und geschunden, gewitzt und zerbrechlich zugleich agiert und spielt sich damit in das Herz des Publikums.

Stimmung will sich auch nicht aus dem Orches­ter­graben einstellen. Stefan Soltesz hangelt sich uninspi­riert und zäh durch Offen­bachs Partitur. Vom Esprit und Charme der Melodien und Couplets ist wenig spürbar und mitunter hapert es auch mit der Koordi­nierung zwischen Bühne und Orchester.

Kurzer Applaus nach langen dreieinhalb Stunden. Bravos branden nur bei beiden Schau­spielern auf.

Karin Coper

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