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Im Bordell unterm Wasserturm

CARMEN
(Georges Bizet)

Besuch am
7. März 2020
(Premiere am 15. Augusts 2004)

 

Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Bei der Carmen-Insze­nierung von Martin Kušej an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, die erstmals 2004 und dann 2010 gezeigt wurde, gibt es keine folklo­ris­ti­schen oder maleri­schen, lauschigen Plätze oder Stier­kampf­arenen.  Alles ist minima­lis­tisch, kalte Abstraktion. Es fängt schon in der Ouvertüre an, als ein Erschie­ßungs­kom­mando einen Mann exeku­tiert.  Bald stellt sich heraus, dass es Don José ist, dessen Leichnam dann von Micaëla in Empfang genommen wird. Alles ist auf Ur-Instinkte reduziert – Sex, Eifer­sucht, Rache, Mord. Echte Liebe hat hier keinen Platz.

Jens Kilian hat eine Drehbühne mit einem elemen­taren, dreieckigen Bauwerk mit sehr steiler Rampe konzi­piert, das uns eine fast porno­gra­fische Einsicht in die darun­ter­lie­gende Tabak­fabrik gibt – zumal sich die Arbei­te­rinnen dort in ihrer Pause deutlich mit ihren Verehrern verlus­tieren. Die Taverne von Lilas Pastia befindet sich unter einem plätschernden Wasserturm – auch hier ist Sex als Ware im Angebot; sakrale Elemente deuten Kontraband in einer Kirche im dritten Akt an und eine Stier­kampf­arena lässt sich nur durch einen dunklen Hinter­grund erahnen im letzten Akt. Die Kostüme von Heidi Hackl halten sich ebenso zurück – eine nicht definierte, schlichte Aktua­lität und mehr nicht. Der Fokus – kalt beleuchtet von Reinhard Traub – ist klar auf die Akteure dieses Dramas gerichtet.

Foto © Monika Rittershaus

In der Wieder­auf­nahme sind es die weiblichen Akteure, die klar dominieren.  Allen voran Anita Rachve­lishvili, die mit einem wunder­baren runden und musika­li­schen Alt die Bühne von Anfang beherrscht. Während um sie herum kopuliert und randa­liert wird, strahlt sie eine erotische Ruhe und Autorität aus, die magne­tisch wirken. Ihr zur Seite als Mercédés und Frasquita, Serena Sáenz und Alyona Abramova: Beide bezaubern mit frischer Stimme und Gestik. Chris­tiane Karg gibt eine pure und selbst-opfernde Micaëla mit einem kristall­klaren Sopran. Michael Fabiano spielt und singt den José wie ein Verlierer, der sich von Anfang an als Opfer sieht – seine Körper­sprache lässt keinen Stolz zu. Der Bariton von Lucio Gallo erweist stimm­liche Uneben­heiten, die auf den Glanz vergan­gener Tage schließen lassen. Der Chor, von Martin Wright einstu­diert, ist zwar szenisch gut einge­bunden, aber musika­lisch gibt es einige kleine Divergenzen.

Daniel Barenboim lässt die Schlag­zeuger mit beson­derer Wucht die ersten Akkorde der Ouvertüre ansetzen, um dann doch breitere Tempi anzugehen und erlaubt schließlich, die bekann­teste aller Bizet-Opern als dunkle, groß angelegte Tragödie zu entfalten. Besonders in den Momenten der Inner­lichkeit wie etwa bei der Vorahnung von Carmen von ihrem eigenen Tod im Trio des dritten Aktes, lässt Barenboim die kalte Unerbitt­lichkeit des Schicksals durchklingen.

Alleine wegen der weiblichen Sänge­rinnen lohnt ein Besuch dieser dritten Wieder­auf­nahme einer Produktion, die durch ihre szenische Kälte besticht.

Warmer Applaus für die Solisten und den Dirigenten.

Zenaida des Aubris

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