O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Bildschirmfoto

Decrescendo

CHRISTIAN THIELEMANN DIRIGIERT HINDEMITH, STRAUSS UND BUSONI
(Diverse Komponisten)

Gesehen am
27. Februar 2021
(Premiere/​Livestream)

 

Berliner Philhar­monie

Es ist Samstag­abend, 19 Uhr. Zum letzten Mal treten die Berliner Philhar­mo­niker an, um ihr Festival Die Goldenen Zwanziger zu zelebrieren. Und wenn es etwas Beson­deres wie den Abschluss eines Festivals zu feiern gibt, darf man sich auch schon mal mit „großen“ Namen schmücken. Und das in doppelter Hinsicht. Da stehen zum einen berühmte Kompo­nisten auf dem Programm, und zum anderen hat man es sich nicht nehmen lassen, Christian Thielemann und Camilla Nylund einzu­laden. Nylund ist gelungen, was Diana Damrau, die ursprünglich einge­laden war, nicht geschafft hat: Nämlich unter Lockdown-Bedin­gungen nach Berlin zu kommen. Bis zu ihrem Auftritt müssen die Zuschauer des Livestreams sich noch etwas gedulden.

Wilhelm Furtwängler schätzte seine Arbeit sehr: Die Ouvertüre in der Konzert­fassung aus Paul Hinde­miths Oper Neues vom Tage bildet den Auftakt des Abends. Acht Jahre vor der Urauf­führung dieser Oper, also 1921, wurde der Tanz-Walzer für Orchester von Ferruccio Busoni das erste Mal aufge­führt. Busoni war Lehrer von Kurt Weill, und damit dürfte sich auch dieser Kreis schließen. Mit dem Walzer Künst­ler­leben von Johannes Strauss Sohn aus dem Jahr 1867 endet dann auch der beschwingte Teil des Abends, wenngleich sich der Zusam­menhang mit dem Festival nicht zwingend erschließen mag.

Bildschirmfoto

Im Huldi­gungs­ge­spräch zwischen Oliver Hilmes und Christian Thielemann während der Pause erzählt der Dirigent, dass er das Programm bewusst diminu­ierend gestaltet habe. Da passen die spätro­man­ti­schen Orches­ter­lieder eines Richard Strauss glänzend, die sich anschließen. Es ist ein Fest. Und schließlich hat Strauss die Lieder erst in den 1920-er Jahren für Orchester geschrieben. Passt also auch. In Folge gibt es das Ständchen, Freund­liche Vision, Wiegenlied, Aller­seelen und selbst­ver­ständlich die Zueignung, ehe es nach Morgen in die Pause geht. Nylund liefert ebenso wie die Philhar­mo­niker eine glänzende Inter­pre­tation ab. Was nicht anders zu erwarten war. Nylund gilt als Strauss-Expertin. Hier muss im Grunde niemand mehr dirigieren. Aber Thielemann zeigt sich mehr als engagiert.

Zum Ende des Konzerts hat er ein Stück mitge­bracht, das bislang kaum aufge­führt wurde. Mit Die Tages­zeiten hat Strauss einen Lieder­zyklus für Männerchor und Orchester auf der Grundlage von Gedichten Joseph von Eichen­dorffs geschaffen, den der Rundfunkchor Berlin von den Rängen herunter singt. Thiele­manns Begeis­terung für das Werk ist überschäumend. Aber so ganz möchte man diesen Enthu­si­asmus nicht teilen. Eichen­dorff beschreibt in den Tages­zeiten in vier Sätzen den Ablauf eines Tages in roman­ti­scher Verbrämung. Und ist irgendwie ganz weit weg vom rasenden Puls der Zeit in den Goldenen Zwanzigern. Da hilft auch der langsam versie­gende Gesang nicht weiter.

Bildschirmfoto

Ja, auch so kann man ein Festival zum Ende bringen. Hochka­rätig und langsam versiegend. Der fünfte Abend ist damit vorüber. Zeit, über ein Festival nachzu­denken, das sich zum Ziel gesetzt hatte, die Goldenen Zwanziger – in Berlin – mit einem Schwer­punkt bei den Werken Kurt Weills abzubilden. Mit den Mitteln der Digital Concert Hall, die die Berliner Philhar­mo­niker zu einer Zeit einge­führt haben, als sie noch dafür belächelt wurden, haben sie ein Beispiel für das Machbare abgeliefert, was Tontechnik und Kamera­führung angeht. Da darf man die Stereo­anlage aufdrehen und das Bild auf den Großfern­seher holen, ohne irgend­welche Einbußen befürchten zu müssen. Das ist offenbar möglich, wenn ein Jahres­budget von 60 Millionen Euro zur Verfügung steht und zusätzlich Einnahmen über Eintritts­gelder erhoben werden. Mit solchen Mitteln kann man die Besten der Besten bezahlen, und das war an den vergan­genen fünf Abenden auch zu hören. Musika­lisch war das Festival ein Genuss. Defizite gab es sicher im drama­tur­gisch-program­ma­ti­schen Bereich.

Da gab es so einiges, was noch durch­dacht gehört. Erstaunlich bei solchen Summen. Aber zugestanden bei einem ersten Versuch. So bleibt die Hoffnung, dass das Festival eine Wieder­auflage erfährt, denn es gibt sicher mehr über die Roaring Twenties zu erzählen, als in diesem Festival zu erfahren war. Rückmel­dungen der Zuschauer waren ebenso wenig möglich, wie etwas über die Zahl der Zuschauer zu erfahren. Immerhin aber haben die Berliner Philhar­mo­niker hier eine solche Perfektion erreicht, dass die Frage nach dem Live-Auftritt keine große Rolle mehr spielt. Ist er also nach einer entspre­chenden Weiter­ent­wicklung doch möglich, der reine Online-Auftritt? Werden wir uns daran gewöhnen müssen oder können? Fragen, die wir heute noch nicht abschließend beant­worten können. Vielleicht bringt uns die Neuauflage dieses Festivals da schon eine ganze Ecke weiter. Freuen wir uns darauf.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: