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In der Reihe an der Deutschen Oper Berlin mit Opern von Giacomo Meyerbeer ist jetzt seine Opéra comique Dinorah oder Die Wallfahrt nach Ploërmel auf die Bühne gebracht worden. Das Libretto stammt von dem eingespielten Team Jules Barbier und Michel Carré. Aus heutiger Sicht ist der Inhalt – und eben das Libretto – unglaublich trivial, frivol und unglaubwürdig: Die junge Dinorah ist wahnsinnig geworden, weil ihr Bräutigam Hoël sie verlassen hat. Seitdem irrt sie hinter ihrer Lieblingsziege her. Ihr Verlobter ist derweil auf der Suche nach einem Schatz, auf dem jedoch ein Fluch liegt – wer ihn als erstes anfasst, stirbt bald daraufhin. Deswegen nimmt Hoël den habgierigen Corentin mit, und gemeinsam suchen sie den verborgenen Schatz, zu dem ihnen eine Ziege den Weg zeigen soll. Angezogen von dem Glöckchen der Ziege folgt ihnen auch unbemerkt Dinorah in die finstere Schlucht, wo jetzt ein Gewitter aufkommt. Dinorah fällt in einen Abgrund, wird von Hoël erkannt und gerettet. Hoël bereut seine Aktivitäten, Dinorah erwacht und beide ziehen zur Wallfahrt in die Kapelle um dort getraut zu werden.
Man könnte meinen, das sei ein frühes Werk von Meyerbeer, von dem aus er sich von diesem sowohl inhaltlich wie musikalischen „leichten“ Thema später in die „schwereren“ Grand-opéra-Werke wie Les Huguenots oder Le Prophète entwickelt hätte. Aber nein, Dinorah ist ein abgeklärtes Spätwerk – Meyerbeer war 68 Jahre alt, als es zur Uraufführung in der Opéra comique in Paris kam, wo auch das damalige Publikum völlig überrascht ob dieses Genres des alten Meisters war. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es über 200 Mal gespielt, dann geriet es in Vergessenheit. Obwohl es – wie wohl alle Meyerbeer-Werke – eine große Orchesterbesetzung und einen großen Chor benötigt, sticht es in seinem Oeuvre durch die fast humoristischen und spielerischen Melodien hervor. Insbesondere das Motiv der leichtfüßigen Ziege – Glöckchen inklusive – zieht sich durch das gesamte Stück.
Die Deutsche Oper Berlin hat sich entschlossen, diese kleine pastorale Intrige konzertant zu bringen – eine gute Entscheidung. Eine romantische bretonische Geister- und Feenwelt zu zaubern, ist bestimmt kein leichtes Unterfangen in der heutigen harten hyper-realistischen Welt.
Dinorah wird von der jungen Sopranistin Rocío Perez einfühlsam dargestellt – von zarter Statur und mit einer reinen, intonationssicheren Koloratur begnadet, schwingt sie nicht nur durch die Trillerpfeifentöne ihrer großen Arie mit Bravour. Ihr Bräutigam Hoël wird von dem bodenständigen Bariton Régis Mengus etwas uneben und vibratoreich gebracht. Interessanterweise hat das Werk kein echtes Liebesduett, obwohl es mit einem Happy End endet. Der Tenor Philippe Talbot verkörpert den Einfaltspinsel und Dudelsackpfeifer Corentin mit gekonntem Buffo folkloristisches Kolorit. Der sonore Bass-Bariton von Seth Carico als Jäger lässt aufhorchen.
Dirigent Enrique Mazzola, ein bekennender Meyerbeer-Liebhaber und ausgewiesener Experte, führt das große Ensemble geschickt durch die farbenreiche Instrumentierung – mit Jagdhörnern und händisch geführter Windmaschine, wie auch pastoralen Dudelsack-Effekten. Jeremy Bines hat den gemischten Chor vorzüglich einstudiert – die Sänger geben der Wallfahrt transzendentale Dimension mit wunderschönen Pianissimi in ihren Preisungen Mariens. Sopran Nicole Haslett und Mezzosopran Karis Tucker glänzen als Schäferinnen in zwei entzückenden kleinen kommentierenden Arien.
Warmer Applaus für alle Teilnehmer vom Publikum in dem bei weiten nicht ausverkauften Haus.
Zenaida des Aubris