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LA DOLCE VITA
(Claudio Monteverdi)
Besuch am
10. Dezember 2017
Die Opernwerke von Claudio Monteverdi sind spätestens seit den Bemühungen von Nikolaus Harnoncourt und Jean-Pierre Ponnelle Mitte der 1970-er Jahre, den Komponisten wieder in das gegenwärtige Bewusstsein zu bringen, bekannt. Aber die vielen anderen Kompositionen aus seinen insgesamt neun Madrigalbüchern sind eigentlich nur den Liebhabern alter Musik ein Begriff.
Damit auch ein breiteres Publikum Zugang zu dieser Musik erhält, engagiert sich die Lautten Compagney Berlin seit vielen Jahren. Jetzt hat das Ensemble unter Mitwirkung der Sopranistin Dorothee Mields das Album La dolce vita eingespielt, das zahlreiche Beispiele aus den Madrigalbüchern aufgreift.
Anlässlich der CD-Premiere findet in der Elisabethkirche in Berlin ein Konzert statt. Alleine die Lokalität – der nur minimalst renovierte Schinkelbau mit seinen unverputzten Ziegeln und exzellenter Akustik – gibt so einem Konzert einen schlichten, aber richtigen Rahmen. Als Zuschauer könnte man sich nur wünschen, dass es ein kleines Podest für die Bühne gäbe und so die Musiker und ihre doch nicht alltäglichen Instrumente besser zu sehen wären.
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Das Programm des Abends ist folgerichtig mit La dolce vita übertitelt und in vier Teile gegliedert: Amor Profanus, Amor Divinus, Liebesklagen und Liebesfreuden. Wer meint, es ginge im 17. Jahrhundert pietätvoll und prüde zu, irrt gewaltig. Monteverdi, als absolut anerkannter und gefeierter Meisterkomponist seiner Zeit, vertont vermutlich den Zeitgeist und der ist durchaus korpulent, lustig und geistreich. Eben, weil in jener Epoche nicht alles direkt ausgesprochen wurde, sind die Emotionen und Situationen in einer viel reicheren Sprache ausgedrückt. Da wird die Heißgeliebte mit honigsüßen Worten gepriesen, pastorale Reize ausgekostet und der Verlassene mit bitteren Tränen beweint.
In Dorothee Mields hat die Lautten Compagney Berlin eine würdige Partnerin gefunden. Ihr klarer und weicher Sopran ist zwar keine große Stimme, aber eben gerade eindringlich genug, um harmonisch über den Instrumenten zu schweben und sie zu ergänzen. Ihre wendige und flexible Stimmführung kostet alle Verzierungen aus, unterstreicht die Emotionen, ohne auftrumpfen zu wollen.
Seit nunmehr drei Jahrzehnten existiert die Lautten Compagney Berlin unter der Leitung von Wolgang Katschner, einzig mit dem Ziel, die Musik des Barocks zu neuem Leben zu erwecken. An diesem Abend fügen sich die Musiker und Musikerinnen mit Viola da Gamba, Bratschen und Geigen zwischen Flöte, Zink und Schlagzeugklänge in perlenden Melodeien und schillernden Harmonien. Es werden sogar – wie im aus dem Jahr 1610 stammenden Lied Nigra Sum – gewollte Dissonanzen auf den Streichinstrumenten erzeugt, indem Aluminiumfolie unter die Saiten gelegt wird. Kein Wunder, dass es zu einer Liebesklage kommt!
Das Publikum ist von Sängerin und Ensemble begeistert, und es verabschiedet die Interpreten mit wärmstem Applaus.
Zenaida des Aubris