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Foto © Frol Podlesnyi

Wenn jeder es mit jedem treibt

DON GIOVANNI
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
3. Mai 2025
(Premiere am 27. April 2025)

 

Komische Oper Berlin

Fangen wir mit dem Ende an: Als Komplet­tierung der Trilogie der Mozart­schen Da-Ponte-Opern an der Komischen Oper Berlin insze­niert Regisseur Kirill Serebren­nikov nicht nur den Don Giovanni, sondern paart dieses Stück – attaca, ohne Pause – mit dem Requiem. Da das finale Sextett wegge­lassen wird, ergibt diese Version musika­lisch eine gewisse Logik. Wie sagte Serebren­nikov in einem Interview? „Es ist ein Requiem für uns alle.“

So verstanden, machen viele seiner Deutungen eines drama giocoso Sinn: Der Wüstling Giovanni kitzelt sein Schicksal heraus, legt es darauf an, dass er in die Hölle kommen wird. Oder mindestens in die Schat­tenwelt des Bardo – ein Begriff der aus dem Tibeti­schen Buddhismus stammt und für einen Zwischen­zu­stand oder eine Übergangs­phase der Seele steht. Dafür erhebt sich der ermordete Commen­datore kurz nach seiner Ermordung wieder und führt als philo­so­phie­render Kommen­tator durch das Stück. Norbert Stöß übernimmt die Sprech­rolle mit der nötigen Gravitas. Aller­dings kommen die ihm zugewie­senen Texte aus dem Buddhis­ti­schen Totenbuch oft als Platti­tüden an, wirken entfremdend.

Serebren­nikov ist auch für die minima­lis­ti­schen Sperr­holz­kästen des Bühnen­bilds und die zumeist lässigen Mönchs­kutten-inspi­rierten Kostüme zuständig.  In solchem Rahmen entwi­ckelt er die komödi­an­ti­schen Aspekte des Werkes, überspitzt die Situa­tionen und betont die lässige Repekt­lo­sigkeit, die bei Mozart implizit ist: Schon während der Overtüre erweist eine Trauer­ge­meinde am offenen Sarg den letzten Abschied – auf sehr indivi­duelle Art. Der Zuschauer erfährt: Es ist der Sarg von Don Giovanni, der aber dann ziemlich munter nach einem letzten Kuss wieder aufer­steht und die gesamte erste Szene mit Donna Anna quasi als Albtraum auf dem Krankenbett erlebt.  Der Übergang zur Realität ergibt sich dann mit dem Auftritt Don Elivros. Ja, in dieser Deutung treibt es der Don mit allen – unabhängig vom Geschlecht. Zerlina ist schon hochschwanger, als sie heiratet – damit das Publikum es auch wirklich versteht, gibt es eine Video­pro­jektion mit Embryo – und in den darauf­fol­genden Szenen ist sie die hinge­bungs­volle Mutter, die ihren Masetto herum­scheucht und auch an den elter­lichen Pflichten wie Windel­wechsel teilhaben lässt. Die aktuelle Berliner Sparzwang­po­litik ist auch berück­sichtigt mit einer Einblendung, die infor­miert, dass Ottavios Arie O mio tesoro wegen der Einspa­rungen gestrichen werden musste. Bringen solch oberfläch­liche Witze­leien neue Einsichten? Eher nicht, sind aber unterhaltsam.

Foto © Frol Podlesnyi

Das durchaus homogene Ensemble junger Sänger macht den Besuch dann doch wert. Hubert Zapiór als Don Giovanni und Tommaso Barea als Leporello sind sich stimmlich und körperlich zum verwechseln ähnlich und erfüllen ihre Rollen mit dem nötigen musika­li­schen und drama­ti­schen, jugend­lichen Elan. Adela Zaharia ist eine überzeu­gende und elegante Donna Anna, mit großer Stimme und Ausstrahlung. Ihr Verlobter Don Ottavio wird von Agustín Gómez mit klarem Tenor verkörpert, bleibt aber deutlich in ihrem Schatten. Der männliche Sopran von Bruno de Sá überrascht mit seinem klaren und eindring­lichen Timbre immer wieder. Als Zerlina bringt Penny Sofro­niadou ihren quirligen Sopran an, im Requiem ist ihr das Sopransolo anver­traut. Philip Meier­höfer ist ihr boden­stän­diger, bürger­licher Masetto. Tijl Faveyts ist ein eher unauf­fäl­liger Komtur, dagegen hinter­lässt sein Bass-Solo im Requiem einen viel stärkeren, positiven Eindruck.

Dem Chor der Komischen Oper wird in der Produktion vieles zugetraut – nicht nur die mit vielen Einsätzen verse­henen Auftritte in der Oper, er agiert als geschlos­sener, aber durchaus nicht stati­scher Klang­körper im Requiem in einer Choreo­grafie von Evgeny Kulagin und Ivan Estegneev für die etwa 20 Minuten Musik, die Mozart selbst vollendet hat, als Tanztheater.  Don Giovannis Seele wird von Fernando Suels Mendoza, ehema­liges Mitglied der Pina-Bausch-Compagnie, ausge­sprochen präsent und doch verklärt verkörpert. Sein Kampf mit der Endlichkeit des Todes und die resignie­rende Akzeptanz ist bemerkenswert.

Musik­di­rektor James Gaffigan nimmt sich des Werks mit einem flotten  und straffen Tempo an, vermeidet  damit die gelegent­lichen Längen des zweiten Aktes; Feinheiten sind nicht so seins. Gehörig folgt ihm das gut aufge­legte Orchester. Am Ende des fast vierstün­digen Abends ist keine musika­lische Ermüdung zu spüren, weder beim Orchester, Chor noch bei den Solisten.

Das Publikum würdigt die Produktion mit viel Applaus, gewürzt mit gelegent­lichem Missmut.

Zenaida des Aubris

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