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ECHO 2050
(Diverse Komponisten)
Besuch am
17. Februar 2024
(Premiere am 15. Februar 2024)
Ob wir sie lieben oder hassen, akzeptieren oder zurückweisen, die KI – künstliche Intelligenz – ist in allen Bereichen des Lebens angekommen. Auch im Theater, auch in der Musik. Und das heißt, dass die Zeit gekommen ist, sich mit diesem Phänomen und möglichen Konsequenzen auseinanderzusetzen. Das macht die Compagnie Opera Lab Berlin auf ihre ganz eigene Weise. Hier ist die KI ein Wesen – männlich, weiblich, dienlich – wie es die Situationen erfordern. Es hat sogar einen Namen – Ursula. Es erscheint mal als Dirigent in der Gestalt eines Herbert von Karajan, mal als Moderatorin, mal als Arzt, mal als Oscargewinnerin. Sie kann alles, weiß alles, saugt alles Wissen und Können auf. Nur eines fehlt – eine Seele. Und so ist das Stück Echo 2050 die Erzählung der Suche nach einer Seele.
Regisseur Martin Miotk meint, die Seele kann in der Musik gefunden werden. Er lässt die Bühne des Alten Delphi-Theaters als nachempfundenes Konzerthaus Berlin erstrahlen. Nina Schopka ist das vieldeutige KI-Wesen Ursula, das in den Körper Karajans schlüpft und Martha Ärgerlich peinigt, auf dem Klavier Perfektion zu finden. Alba Gentili-Tedeschi macht das vorzüglich und gibt der berühmten Pianistin ihr ganz eigenes Leben, aber nicht ihre Seele her. Karajan, also Ursula, nimmt sich als nächstes eine Opernsängerin vor. Gina May Walter ist die Synthese aller Operndiven – bildschön, elegant, mit ihrem ganz eigenen vokalen Charisma, wenn sie Casta Diva aus der Oper Norma singt, aber auch sie gibt ihre Seele nicht weg. Also begibt sich Ursula in Karajan-Gestalt in das Altenheim Happy End, wo er seine ureigene Erfindung trifft, die Geigenvirtuosin Anne-Sophie Mutter. Die ist mittlerweile fast dement, klammert sich an ihre Geige, als wäre es ihr Baby, aber auch sie gibt nichts her.

Erst als Arzt Ursula ihr droht, springt, oh, Michelangelo-Kreationswunder, durch eine leichte Berührung vielleicht doch ein Seelenfunken überspringen. Frankenstein lässt grüßen. Nun kann Ursula alle Preise gewinnen – Emmys, Grammys, Echos, Oscars – die sie aus der Geschirrspülmaschine holt. Sie ist an ihrem Artmatrix-Gipfel vollkommen angekommen und ist besonders anmutig anzuschauen in ihrem Outfit, bestehend aus einem Bikini mit zwei Oscarfigurinen am Oberteil 3‑D-mäßig hängend und einer Figurine als Dildo. Jetzt kann sie ihre elendlange und sich adjektiv-wiederholende Rede halten. Ganz im Sinne von ChatGPT hängt sie sekundenlang immer wieder, während die passende marketingreife Formulierung in der KI-Datenbank zusammengebastelt wird. Womit aber die KI nicht gerechnet hat, der Seelenfunkensprung hat auch die Demenz übertragen, und somit erledigt sich die schöne,neue Welt. Als Epilog der etwa 90 Minuten dauernden Show erscheinen noch zwei Gestalten in weißen Kitteln, die sich als die Programmiereltern von Ursula entpuppen und zugeben, es sei alles nur ein Experiment gewesen, das sich verselbständigt habe.
Der musikalische Leiter des Opera Labs, Evan Gardner, zeichnet zuständig für die Medleys der Musiknummern, allesamt elektronisch wiedergegeben. Viele der Werke werden nur scheinbar sekundenlang eingespielt und sind somit schwierig erkennbar.
Insgesamt hat Echo 2050 viele gute Ansätze und Ideen. Weniger Einfälle, ein enger definierter Fokus und zeitliche Raffung, dazu noch verständlichere Diktion und schon ist ein Hit programmiert. Vielleicht gibt es sogar etwas zu lachen. Das würde das Publikum auch freuen, das den Darstellern dennoch viel Beifall schenkt.
Zenaida des Aubris