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FARGES MIKH NIT
(Diverse Komponisten)
Besuch am
10. Mai 2018
(Premiere am 5. Mai 2018)
Der kongeniale Intendant der Komischen Oper, Barrie Kosky, kann weit mehr als ein Opernhaus leiten. An diesem Abend sitzt er am Klavier und moderiert das Programm zugleich. Es sind Lieder, die eine lange Geschichte und Tradition haben, die im Osteuropa des späten 19. Jahrhunderts ihren Anfang haben. Sie wurden großenteils in den Vereinigten Staaten von dorthin emigrierten Komponisten geschrieben, die vor den Pogromen in dieser Zeit geflüchtet waren, auf der Suche nach einem besseren Leben.
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Die Lieder von Sholom Secunda, Abraham Ellstein, Joseph Rumshinsky, Alexander Olshanetsky oder dem „jiddischen Shakespeare“ Abraham Goldfaden drehen sich alle im Wesentlichen nur um zwei Themen – die Welt ist gut, oder die Welt ist schlecht. Darin wird dann das gesamte große Emotionsspektrum von Liebe, Verzweiflung, Heimweh und Hoffnung auf etwas Glück miteinbezogen. Mit melodischen Anklängen an Emmerich Kálmán und Strauss waren alle Kompositionen in den Jahren zwischen 1900 und 1941 sehr populär. Viele wurden für den damaligen großen Star, Molly Picon, geschrieben und fanden dann ihren Platz im volkstümlichen Repertoire – und durch Assimilierung prompt vergessen, als die zweite und dritte Generation der Einwanderer heranwuchs und das Jiddisch nicht mehr gepflegt wurde.

Barrie Kosky erzählt von den vielen, vielen kleinen Bühnen – zeitweise sogar über 40 – die vorwiegend in der Lower East Side von Manhattan ihr Publikum hatten. Kleine Bühnen mit simplen, dreckigen Dekorationen, die für einige Stunden den Immigranten ein Stückchen Heimat näherbrachten. Hier wurden die Exil-Lieder oft täglich ab 11 Uhr non-stop bis spät in die Nacht gespielt – man konnte kommen und gehen und für wenig Geld etwas Abwechslung erleben. Sogar Parsifal und Aida wurden auf Jiddisch gebracht.
Alma Sadé und Helene Schneiderman sind die Interpretinnen, die wissen, wie man menschliche Emotionen kommuniziert. Helene Schneiderman, die etwas erfahrenere Mezzosopranistin, singt sehr charmant über das Glück von Alexander Olshanetsky, das doch etwas zu spät kommt. Sie singt auch den Titel Farges mikh nit – Vergess mich nicht – von Abraham Ellstein und dem Texter Jacob Jacobs mit anrührender Melancholie, aber doch mit einem Augenzwinkern. Sadé ist das junge Mädel, was über A bis’l libe – Ein bisschen Liebe – von Joseph Rumshinsky inbrünstig sinniert oder mit Tif vi di nakht – Tief wie die Nacht – von Abraham Ellstein ihre Liebe beschwört.
Insgesamt sind es 17 Nummern, die von den beiden Sängerinnen geboten werden. Und dann eine Überraschung – Kosky singt Meydele von Ellstein, komponiert 1934, das er in Jingele umwandelt, um seiner Person gerechter zu werden.
Wer sich mehr mit der Geschichte der Lieder des jiddischen Theaters befassen will, kann den sehr guten, achtseitigen Artikel von Jascha Nemtsov im Programmheft des Abends von der Webseite der Komischen Oper kostenlos herunterladen.
Die beiden Sängerinnen und ihr Pianist werden nach dem 80-minütigen Programm mit wärmstem Schlussapplaus bedacht. Für die meisten Besucher ist es sicherlich ein sehr bereichernder Abend gewesen.
Zenaida des Aubris