O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Bernd

Kein Plädoyer für die Freiheit

FIDELIO
(Ludwig van Beethoven)

Besuch am
30. November 2022
(Premiere am 25. November 2022)

 

Deutsche Oper Berlin

Die Geschichte von Fidelio – der Ehefrau, die sich als Mann verkleidet und in den politi­schen Gefäng­nissen nach ihrem Mann sucht, ihn findet und befreit – ist zeitlos und ebenso aktuell heute wie zur Zeit ihrer Urauf­führung 1805. Sollte es solch eine Überschrift in der Zeitung von morgen geben, würde es kein großes Aufsehen erregen.

In der Neupro­duktion an der Deutschen Oper setzt Regisseur David Hermann auf kargen Minima­lismus. Nach der gloriosen musika­li­schen Strahl­kraft der Ouvertüre befinden wir uns in einem einge­zäunten Raum von Johannes Schütz, der auch für die Kostüme verant­wortlich zeichnet, wo die Gefan­genen mit überge­stülpten Kopfbe­de­ckungen und übergroßen Masken entlang der Mauern unbeweglich sitzen und angekettet sind. In der Mitte befindet sich ein Podest, hier wäscht Marzelline, die Tochter des Gefäng­nis­wärters Rocco, routi­niert die neueste Leiche und ihr Freund Jaquino hilft ihr dabei. Warum die Leiche gewaschen wird, wenn sie sowieso kurz darauf ziemlich brutal in ein Massengrab geschmissen wird, bleibt unerklärt. Aber allein diese Szene setzt die Stimmung, die in der gesamten Oper herrschen wird: kalt, unmenschlich, brutal, ein Ort, in dem ein skrupel­loses politi­sches System ihre Unbeliebten abschiebt. Hier kommt keiner lebend raus. Und doch überrascht es dann, wenn die Gefan­genen sich erstaunlich leicht und ohne großen Wider­stand von ihren Ketten befreien, die Mauern des Gefäng­nisses durch­brechen und das Weite suchen. Dagegen ist die gesamte leere Bühne der kalte Kerker. Florestan ist auch nicht der einzige, der hier lebt. Einige andere Körper – oder eventuell Leichen – liegen hier auch herum.

Dagegen kann die Musik von Beethoven mit ihrer Positi­vität und echter Empathie nicht ankämpfen. Es bleibt immer ein beklem­mendes Gefühl, besonders wenn am Ende der Minister das Gefängnis als publi­kums­wirk­samen Stopp auf seiner Wiederwahl-Tour besucht und konstant auf die Uhr schaut, wann das senti­mentale Geschwafel endlich zu Ende sein wird, schließlich wartet der nächste Termin schon. Auch die dann befreiten Insassen werden nicht von ihren liebenden Frauen, wie im Libretto von Ferdinand Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Treit­schke notiert, empfangen. Nein, hier steht der Pöbel, der sensa­ti­ons­lustig droht, die Absperr­rungen zu stürmen und eigentlich eher inter­es­siert ist, ein Autogramm vom Politiker zu erhaschen.

Foto © Bernd Uhlig

Ingela Brimberg ist eine Leonore, die zwar physisch und schau­spie­le­risch gut zur Rolle passt und jegliche Weiblichkeit bis zum Schluss unter­drücken kann. Aller­dings erfüllt sie die vokalen Anfor­de­rungen der Rolle nicht – ihr Sopran hat keinen Kern und entbehrt der nötigen Strahl­kraft, besonders in der Befreiungs-Szene. Ihr Florestan wird von Robert Watson gesungen. Sein Tenor ist zwar wirkungsvoll in dem berühmten Gott, welch Dunkel hier, aber auch er wirkt erschöpft und gebrochen – was schau­spie­le­risch natürlich überzeugt, aber der Musik wenig dienlich ist. Tobias Kehrer bringt seinen Bass gut zur Geltung. Mit seinem Arbeits­anzug, der in dem aus den Medien bekannten Orangeton der Anzüge aus dem Guantanamo-Gefängnis erinnert, macht Rocco einen Oppor­tu­nisten. Sopran Sua Jo und Tenor Gideon Poppe wirken als Marzelline und Jaquino beide sonnenlos bleich, ihrem Schicksal ergeben, sind aber beide stimmlich hervor­zu­heben in ihrer klaren Linien­führung und Wortver­ständ­lichkeit. Bariton Jordan Shanahan ist Don Pizarro, der mit dunklem Kern als korrupter Beamte rücksichtlos buchstäblich über Leichen geht, bis er selbst in das für Florestan bedachte Grab gestoßen wird. Bariton Thomas Lehmann ist der smarte Don Fernando, der hier von einem Wahltermin zum nächsten hetzt, getrieben von seiner Kampagnen-Managerin.

General­mu­sik­di­rektor Sir Donald Runnicles dirigiert sein Orchester mit zum Teil forschen Tempi und probiert besonders im letzten Bild, allen strah­lende Klang­farben abzuver­langen. Der Chor der Deutschen Oper, einstu­diert von Jeremy Bines, gibt seinem Ruf alle Ehre, sowohl stimmlich wie schau­spie­le­risch fokus­siert und präsent.

David Herrmann gestaltet die letzte Szene als einen Massen­auf­tritt, in dem auch Leonore und Florestan, Marzelline und Jaquino in der tobenden, ja wütenden Menge verschwinden. Gefühls­mäßig bleibt der große Jubel der Freiheit aus. Ob es überhaupt eine Freiheit gibt? Die Frage bleibt offen.

Zenaida des Aubris

Teilen Sie O-Ton mit anderen: