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DIE FRAUEN VOM MEER
(Olga Bach)
Besuch am
17. Februar 2018
(Premiere am 16. Februar 2018)
Das integrative Theater RambaZamba hat sich in fast 30 Jahren zu einer festen Größe im Berliner Kulturleben etabliert. Zu danken ist das dem Enthusiasmus der Gründerin Gisela Höhne, die mit Willenskraft und professionellem Anspruch Künstler mit Beeinträchtigungen zu einem beglückenden Schauspielensemble formte und bis zuletzt weiterentwickelte. 2017 gab sie die Leitung des Theaters an ihren Sohn Jakob Höhne ab, der hoch ambitioniert seine Intendanz angetreten hat. Es gibt mehr Premieren, die Mitwirkung bekannter Theaterstars, wie es Eva Mattes in Gisela Höhnes Brechtadaption Der gute Mensch von Downtown vorgemacht hat, wird ausgeweitet, ebenso die Kooperation mit anderen Bühnen, etwa dem Berliner Ensemble. Ehrgeizig ist auch der Spielplan, der zur Saisoneröffnung mit Schillers Die Räuber und einer eigenen Fassung von Hebbels Die Nibelungen keine leichte Kost bot. Dass beim Neuanfang und den damit verbundenen Umstrukturierungen auch manch liebgewordene Tradition zum Opfer fällt, ist allerdings zu bedauern: so nahm das RambaZamba, bisher Stammgast beim inklusiven Berliner Festival No Limits, bei der letztjährigen Ausgabe nicht teil.
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Die jüngste Premiere gilt einer Adaption von Ibsens Drama Die Frau vom Meer, die Olga Bach unter dem Titel Die Frauen vom Meer verfasst hat. Bach, und das ist ein Trumpf des RambaZambas, wird derzeit hochgehandelt, nachdem sie im vergangenen Jahr für ihr Stück Die Vernichtung zur Nachwuchs-Autorin des Jahres gewählt und damit auch zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde. Ibsens Original handelt von dem Versuch einer Frau, aus ihrer unglücklichen Ehe auszubrechen. Doch als ihr Mann ihr die Entscheidung überlässt zu gehen, bleibt sie. Bach siedelt das Stück in einem Zwischenreich an. Ellida, die Frau, befindet sich mit ihren beiden Stieftöchtern und einer Malerin, die zu Besuch ist, in einem Wartezustand. Dabei taucht eine weitere bekannte Meeresfrau, die Märchennixe Undine, auf, die sich nach einem sterblichen Bräutigam sehnt. Hinzu kommen der Ehemann und der Lehrer, sie bringen ein wenig Bewegung in die Starre. Am Ende entzieht sich Ellida der Situation und verschwindet im Nebel. Doch vorher sitzen Mutter und Tochter, im Stück wie in der Wirklichkeit, innig und vertraut nebeneinander und halten sich die Hände. Alleingeblieben streichelt sich die Jüngere ihren Leib, sie ist schwanger.

Vieles bleibt dunkel und rätselhaft an Bachs Dramatisierung. Sie ist reich an Bezügen und Symbolen, doch ohne Kenntnis von Ibsens Schauspiel nicht immer verständlich. Dafür bietet sie Raum für Imaginationen und Assoziationen, wozu die stimmungsvolle Ausstattung von Paula Wellmann beiträgt. Ein Gazevorhang, auf dem eine mystische Wasserfee abgebildet ist, stimmt auf das folgende Geschehen ein. Wenn er fällt, wird ein mit schwarzen Partikeln gefülltes Schwimmbecken inmitten einer länglichen Spielfläche sichtbar. An beiden Seiten befinden sich von transparenten Schleiern begrenzte Gänge, im Hintergrund hängt das Gemälde einer einsamen Frau am Meer. In dieser geheimnisvollen Atmosphäre, die durch die von Johannes Cotta erzeugte Synthesizer-Musik unterstrichen wird, gelingt Lilja Rupprecht eine Inszenierung, die packend zwischen Realität und Unwirklichkeit changiert und in einer phantastischen Traumszene kulminiert.
Als Ellida ist Angela Winkler besetzt, und ihr Engagement ist der zweite Clou der Produktion. Sie spielt sie wunderbar verhalten als verhuschtes und ein wenig entrücktes Wesen. Dabei fügt sie sich völlig natürlich in das Ensemble ein. Juliane Götze und Nele Winkler als Stieftöchter, Zora Schemm als Malerin und Hieu Pham als Undine besitzen eine starke Präsenz und vermögen es, ihren Rollen Individualität zu geben. Die Männer werden von Joachim Neumann und Aaron Smith verkörpert, die mit ihrer handfesten und direkten Art einen starken Kontrast zu den traumverlorenen Frauen bilden.
Viel Beifall nach der fast ausverkauften zweiten Vorstellung. Die nächste Premiere steht schon in zwei Wochen an. Dann wird Jakob Höhne den Berliner Schwank Pension Schöller inszenieren.
Karin Coper