O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Ernst aufgeführte Blödelei

DIE GROßHER­ZOGIN VON LUXEMBURG
(Jacques Offenbach)

Besuch am
31. Oktober 2020
(Premiere)

 

Komische Oper Berlin

Bekanntlich liebt Barrie Kosky, Intendant und Regisseur der Komischen Oper, sein Publikum anzusprechen und den direkten Kontakt herzu­stellen. Diese Premiere, am Vorabend des zweiten Lockdowns, bietet ihm eine gute Gelegenheit, sowohl davor wie danach zum Mikrofon zu greifen und vor dem Corona-bedingt ausver­kauften Saal kleine Ansprachen zu halten. Mehrheitlich richten sich seine Worte als Dank an die Mitwir­kenden und das Publikum. Aller­dings lässt er sich nicht nehmen, seinen – nun beruhigten – Zorn gegen die gegen­wärtige Pandemie-Politik zu wenden: Erst jetzt sei ihm klar gemacht worden, dass Oper‑, Theater‑, Konzert-Schaf­fende gleich­ge­setzt mit Tattoo- und Fitness-Studios sind, da alle als Freizeit­in­dustrie und ‑dienst­leister einge­stuft werden. Mehr noch, da Gottes­dienste ja noch erlaubt sind, könne man die Komische Oper in eine Synagoge umwandeln – schön getrennt in Männer unten und die Frauen in den Rängen. Aber dann auch: „Der Geist unseres Ensembles ist stark genug, um einen zweijäh­rigen Lockdown zu überstehen, er kann nicht getötet werden“, erklärt er und erntet damit großen Beifall.

Jetzt soll aber erstmal gelacht werden – das hilft in jeder Krise, so Kosky, und er verspricht zweieinhalb Stunden hundert Prozent Blödsinn. Und dass mit einer Operette: Die Großher­zogin von Gerol­stein ist eine dreiaktige Opéra bouffe von Jacques Offenbach, erstmalig 1867 in Paris aufge­führt. Die Geschichte hat rein gar nichts mit einer realis­ti­schen Begebenheit zu tun; damals galt es noch als schick, eine Parodie auf das Militär zu schreiben. Dazu hatte sich Offenbach das Libretto-schrei­bende Erfolgsduo Henri Meilhac und Ludovic Halévy geholt, in der jetzigen Insze­nierung wird die deutsche Neufassung von Stefan A. Trossbach einge­setzt. Übrigens ohne Übertitel – mit der teilweisen schlechten Diktion der Sänger geht viel Witz verloren.

Foto © Monika Rittershaus

Zur Handlung: Drei Militärs wollen nicht, dass sich die Großher­zogin eines kleinen Staates in ihre Affären mischt. Deswegen veran­stalten sie einen kleinen Krieg, in den sie auch den gegen­wär­tigen Favoriten der Großher­zogin, den Soldat Fritz, der wiederum schnell zum General befördert wird, schicken. Er kommt erfolg­reich zurück und will nur noch Wanda, ein einfaches Bauern­mädchen, heiraten. Doch die Großher­zogin will ihn eigentlich für sich und nicht den Prinzen Paul, den die Militärs ihr zugedacht haben. Fritz soll ermordet werden, jetzt mit Zustimmung der abgewie­senen Großher­zogin. Letzt­endlich gibt es doch ein Happy-End – Fritz bekommt seine Wanda, die Großher­zogin den Prinzen Paul und die Militärs können weiter ungestört herumkruschen.

Weil die Großher­zogin eine letzt­mi­nütige Corona-bedingte Programm­än­derung ist, hat Kosky auf ein Bühnenbild verzichtet. Also nur kahle Wände, kein Chor, nur sieben Solisten und vier Tänzer. Auch die üblichen Kosky-Gags fehlen großen­teils. Und doch funktio­niert es dank des guten Zusam­men­spiels des hausei­genen Ensembles. Dazu tragen auch die fanta­sie­vollen, Corona-gerechten Kostümen bei. Wie können Kostüme Pandemie-Richt­linien entsprechen? Klaus Bruns entwirft Reifröcke mit einem gehörigen 1,5‑Meter-Durchmesser für die Damen, und die Männer bekommen Humpty-Dumpty-ähnliche Ballon­kostüme. In dem energie­ge­la­denen Quartett von Gender-Fluid-Tänzern in der Choreo­grafie von Damian Czarnecki wird ebenfalls der notwendige Abstand gehalten, ebenso wie auf der überlangen Couch des letzten Bildes, die über die Gesamt­breite der Bühne steht.

Kosky spitzt die Parodie zu und besetzt die Großher­zogin mit dem Bariton Tom Erik Lie in Drag, der seine spiele­ri­schen und gesang­lichen Talente zum Besten gibt.  Offenbach liebte starke Frauen­fi­guren und hatte die Rolle für den damaligen Star Hortense Schneider geschrieben – sogar Bismarck soll extra nach Paris gereist sein, um sie zu hören. Tenor Ivan Turšic ist der unbeholfene Soldat Fritz, Bass Jens Larsen der sehr runde und stimm­starke General Bumm; Bass Tijl Faveyts als Baron Puck ist sein konspi­ra­tiver Kumpel und Tenor Christoph Späth der einfältige Prinz Paul. Mezzo Chris­tiane Oertel gibt den myste­riösen Baron Grog. Strahlend frisch und unschuldig zeigt sich der Sopran von Alma Sadé als Wanda.

Im Graben führt die vor kurzem einge­sprungene Alevtina Ioffe das kleine Orches­ter­en­semble von gerade mal 18 Musikern präzise und elegant. Sicherlich hätte Ioffe den Offen­bach­schen musika­li­schen Witz mit einem größeren Ensemble besser heraus­kitzeln können.

Einhel­liger Applaus für die Solisten und das Produk­ti­onsteam. Leider bleibt es vorerst bei dieser ersten Vorstellung. Aufgrund der Corona- bedingten Theater­schlie­ßungen sind alle weiteren Auffüh­rungen im November abgesagt.

Zenaida des Aubris

Teilen Sie O-Ton mit anderen: