O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Mit Koloraturen ins Wasser

HAMLET
(Ambroise Thomas)

Besuch am
29. Juni 2019
(Premiere am 24. Juni 2019)

 

Deutsche Oper Berlin

Oper konzertant! Da kommen Werke zum Zug, die szenisch kaum eine Chance haben. Oder sie sind Vehikel für große Sänger­stars, die sich in neuen Rollen auspro­bieren möchten. Beides trifft zu für die Auffüh­rungs­serie von Hamlet in der Vertonung von Ambroise Thomas, die die deutsche Oper Berlin ihren Gästen zum Abschluss der Saison beschert.

Die 1868 in Paris urauf­ge­führte musika­lische Tragöde mag zwar Shake­speare-Puristen drama­tur­gisch Probleme bereiten – in der Urfassung überlebt Hamlet und wird zum König ausge­rufen; erst in der zweiten, die in Berlin gespielt wird, begeht der Prinz am Ende Selbstmord – doch für Stimmfans wie Inter­preten ist das Stück ein Lecker­bissen. Es bietet jede Menge an effekt­voller Musik in der Tradition der franzö­si­schen Grand opéra: darunter ist das wunder­schöne Liebes­duett, das leitmo­ti­visch immer wieder kehrt, das Trinklied Hamlets und vor allem die ausufernde Wahnsinns­szene der Ophélie. Sie gehört zu den Wunsch­rollen vieler Kolora­tur­diven, und so dürfte auch Diana Damrau, die die Partie nach zwei Vorstel­lungen in Barcelona in Berlin gibt, der Grund gewesen sein, das Stück anzusetzen. Sie verkörpert immer noch glaubhaft das junge Mädchen und sie singt bewun­de­rungs­würdig, auch wenn kleine Härten in der Höhe einen Wechsel ins drama­ti­schere Fach andeuten. Doch wie sie Töne an- und abschwellen lässt, Kolora­tur­gir­landen fein spinnt und vor ihrem Wassertod zusammen mit dem makel­losen Damenchor reinen Wohlklang verströmt, das ist große Sangeskunst.

Florian Sempey – Foto © Bettina Stöß

Dennoch stiehlt ihr Florian Sempey als Hamlet fast die Schau. Mit langen Haaren und bekleidet mit einem Gehrock, in der Hand einen antiqua­ri­schen Klavier­auszug, wirkt er wie eine überstei­gerte roman­tische Figur des 19. Jahrhun­derts. Und als solche gibt er dem Dänen­prinzen fast wahnhafte Züge. In erster Linie aber beein­druckt die vokale Gestaltung. Sempey verfügt nicht nur über einen Pracht­ba­riton, sondern setzt ihn mit einem Nuancen­reichtum ein, der vom mächtig auftrump­fenden Trinklied bis zum fast tonlosen Sein oder nicht sein alle erdenk­lichen stimm­lichen Schat­tie­rungen ausschöpft. Großes Format besitzt auch Eve-Maud Hubeaux, die die Gertrude mit imposantem Mezzo­sopran ausstattet und zwischen zurück­ge­nom­menem Arioso und drama­ti­schem Ausbruch alle vokalen Register zieht. Nicolas Testé scheint zwar immer ein wenig unbeteiligt, gibt aber stimmlich einen markanten König.

Über drei Stunden währt das musika­lische Glück. Großen Anteil daran hat Dirigent Yves Abel, der mit leiden­schaft­lichem Zugriff für nicht nachlas­sende Spannung sorgt. Er hat das Orchester der Deutschen Oper in blendende Form gebracht, die sich in den sinfo­ni­schen Zwischen­spielen und etlichen famosen Soli, insbe­sondere der Blasin­stru­mente und Harfen, niederschlägt.

Am Ende der dritten, gut besuchten Aufführung werden alle Betei­ligten ausdauernd und mit vielen Bravos gefeiert.

Die neue Saison verspricht weitere attraktive konzer­tante Auffüh­rungen: Anna Netrebko wird in Adriana Lecou­vreur erwartet, der neue franzö­sische Kolora­turstar Sabine Devieilhe in Dinorah und Nicole Car in Thais.

Karin Coper

Teilen Sie O-Ton mit anderen: