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Eine leere, schwarze Bühne. An der Hinterwand ein goldener Gong. Langsam schiebt sich ein Nebelteppich vor. Elektronisch ansteigendes, lautes und schrilles Grummeln, das wie Wellen über die Zuschauer schwappt. Aus dem Off – Stimmen, die über den Rauschzustand sinnieren: Muss man denn berauscht sein, um das Leben zu erfahren? Kann man nüchtern berauscht sein? Nein, ich nehme keine Drogen, weil ich die Nebenwirkungen nicht erleben will. Doch ich will alles überspitzt erleben. Die Aussagen gehen der Reihe um und geben persönliche Einblicke in die Gründe, sich in einen Rauschzustand zu begeben.
Dann taumeln drei Darsteller nacheinander auf die Bühne. Sind sie nüchtern oder berauscht? Was gibt es für unterschiedliche Rauschzustände?
Nick Romeo Reimann verfällt in eine Rage-ähnliche Epilepsie, spricht in einer Nonsense-Sprache, die von Emotionen nur so strotzt, tanzt wild, zerreisst sich, fällt theatralisch bewusstlos auf die Bühne. Nach der zweiten Wiederholung der Sequenz wirkt es allerdings langweilig.
Pauline Werner ist eher der Kontrollfreak, bei dem obsessiv jede Tasse auf dem Tablett in der richtigen Richtung stehen muss, wo jedes Detail durchdacht ist; das wird mit klassischen Ballettposen aufgelockert. Ihre Texte werden bedacht klar und poetisch vorgetragen.
Julia Windischbauer tanzt sich wild die Seele aus dem Leib, steigert sich in eine Ekstase, während sie Texte deklamiert und ihr langes rotes Haar als Requisit einsetzt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
So wild die physische Ebene vorgeführt wird, so sanft geht es auf der musikalischen Ebene zu. Ted Schmitz trägt melancholische Songs vor und begleitet sich selbst auf der Gitarre, Tobias Weber auf der E‑Gitarre und Percussionist Philipp Kullen spielt mit eher sanften, monochromatischen und minimalistischen Tönen, die gut tun, ganz im Kontrast zu den überdrehten Beiträgen der drei Darstellern des dritten Jahrgangs der Otto-Falckenberg-Schule München, die auf der Bühne agieren.
Es werden Texte von Hugo Ball, Charles Baudelaire, Hugo von Hofmansthal, Aldous Huxley, Edna St. Vincent Millay, Novalis, Shakespeare, Benjamin von Stuckrad-Barre, Georg Trakl und Konstantin Wecker zum Thema vorgetragen.
Unter dem Motto „Wie viel Rausch braucht die Gesellschaft? Und welche Droge passt zu meinem Heute?” hat Nicola Hümpel, die künstlerische Leiterin der Navigatoren, mit diesem experimentellen, knapp über eine Stunde langen Programm szenische und musikalische Improvisationen entwickelt, die versuchen, Antworten auf diese Fragen zu geben. Von Antworten aber tatsächlich kein Schimmer, eher Schreckensvisionen, was für Zustände sich Menschen selber antun können und dann durchleben müssen, ganz zu schweigen davon, „clean“ zu werden. Als Abschreckungsbeispiel ideal.
Anhaltender Applaus für die große Leistung der drei noch studierenden Darsteller, die sich in diese Exzesse begeben haben.
Zenaida des Aubris