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Ein Oratorium von Georg Friedrich Händel ist leicht an der Musik zu erkennen: üppig und meist beschwingt, auch wenn das Libretto ernste Themen behandelt. Das gilt auch für den 1745 komponierten Hercules in drei Akten. Der Text basiert auf den Tragödien Die Trachinier von Sophokles und Hercules Oetaeus von Seneca, die von Thomas Broughton bearbeitet wurden. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die letzten Tage des mythischen Helden Herkules und die tragischen Ereignisse, die sich nach seiner Rückkehr von seinen berühmten zwölf Taten ereignen.
Herkules ist seit Jahren auf Reisen und niemand weiß, ob er noch lebt oder nicht. Tatsächlich kehrt er zurück, sehr zur Freude seiner Frau Dejanira, seines Sohnes Hyllus und der gesamten Bevölkerung von Trachis. Die Wiedersehensfreude wird von Dejaniras Eifersucht auf die junge und schöne Prinzessin Iole überschattet, eine Kriegsgefangene, die von Herkules, der ihren Vater getötet hat, zurückgebracht wurde. Dejaniras Eifersucht steigert sich, und sie beschließt, Herkules ein mit dem Blut des Zentauren Nessus getränktes Hemd zu schenken, in dem Glauben, dass es ihre Liebe erneuern wird. Sie weiß nicht, dass das Blut giftig ist und zum Tod führen wird. Zu spät erkennt Dejanira die tragischen Folgen ihres Handelns. Herkules, der qualvolle Schmerzen erleidet, bereitet sich auf seinen Tod vor und bittet, dass ein Scheiterhaufen errichtet wird, auf dem er verbrannt werden soll. Jupiter schickt seinen Priester Chorsoli, um den trauernden Sterblichen mitzuteilen, dass Herkules in den Kreis der Götter aufgenommen wurde, und befiehlt seinem Sohn Hyllus, die Prinzessin Iole zu heiraten und damit die Vergangenheit zu bereinigen.
Barrie Kosky, damals noch Intendant der Komischen Oper, hat in den letzten Spielzeiten Händels Oratorien zu neuem Leben erweckt. Nach Semele und Saul ist Hercules nun das dritte Werk. Es handelt sich um eine Koproduktion mit der Oper Frankfurt, wo es im vergangenen Jahr aufgeführt wurde. Katrin Lea Tag gestaltet eine fast leere Bühne, mit kalter Beleuchtung mit einer sitzenden Herkules-Statue auf einem violettfarbenen Sofa im ersten Akt und einer stehenden Herkules-Statue im zweiten Akt. Die Figuren tragen moderne Kleidung, was die Zeitlosigkeit der von der Musik ausgedrückten Emotionen noch unterstreicht. War es die relativ breite Bühne, die Kosky dazu veranlasste, die Schauspieltechnik, bei der die Figuren oft auf die Bühne rennen und gegen die Wände schlagen, als Mittel des dramatischen Ausdrucks einzusetzen? Dazu kommen stereotypische Gesten wie Händeringen und Seufzen, die die Figuren wenig charismatisch erschienen lassen. Es ist nicht effektiv, da es überstrapaziert wird und sich wiederholt.

Mezzosopranistin Paula Murrihy singt die Rolle der Dejanira mit einem emotionsgeladenen Timbre, das dieser eher eindimensionalen Rolle Ausdruck bringt. Ist es die alles verzehrende Eifersucht, ist es Wahnsinn? Ihre Darstellung der leidgeprüften Ehefrau ist überwältigend. Ihr Herkules, der Bassbariton Brandon Cedel, ist physisch perfekt besetzt und verfügt über eine beeindruckende Stimmkraft, vor allem in der letzten Szene, in der er den Tod herbeisehnt, um die giftigen Qualen zu beenden. Tenor Caspar Singh liefert eine stilistisch einwandfreie Darstellung des an sich schüchternen Sohnes der willensstarken Eltern. Die lyrische Sopranistin Penny Sofroniadou gibt mit der Prinzessin Iole die interessanteste Rolle des Werks: ihr Vater ermordet, sie eine Gefangene in einer fremden neuen Umgebung, vom Sohn des Herrschers geliebt, von der Mutter des Herrschers gehasst. In der stimmlichen und schauspielerischen Verkörperung der Rolle ist sie absolut überzeugend. Susan Zarrabi bleibt mit ihrem angenehm timbrierten, aber nicht sehr kraftvollen Mezzo als Herkules‘ Schwester und Vertraute von Dejanira allzu blass.
Besonders gewürdigt werden muss der Chor der Komischen Oper unter der Leitung von David Cavelius: Als Gesamtkörper glänzt er in dieser Inszenierung. Nicht nur seine stimmlichen Fähigkeiten und sein Ausdruck, sondern auch seine dramatische Wirkung sind überwältigend. Kosky verleiht dem Chor als Körper lebendige Persönlichkeit und Vitalität, besonders in der Szene, in der er die eifersüchtigen Schrecken von Dejanira darstellt.
Die Musik von Hercules zeichnet sich durch ihre emotionale Tiefe und komplexe Charakterisierung aus, mit Akzenten, die durch solistische Instrumente wie Theorbe, Cembalo, Cello und Orgel hervorgehoben werden. Es ist ein Werk, das sowohl menschliche Schwächen als auch die Suche nach Tugend und Erlösung thematisiert. Dem Barockmusikspezialisten und Dirigenten David Bates gelingt es, die Partitur wirkungsvoll herauszuarbeiten, wobei er sich zuweilen recht breite Tempi gönnt, mit denen er die Spannung nicht durchgehend aufrechtzuerhalten vermag. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Orchestergraben ziemlich hochgefahren ist, dass der Klang, vor allem während der Ouvertüre, als der Vorhang noch unten ist, deutlich dumpf klingt.
Der begeisterte Zuspruch des Publikums für alle Mitwirkenden zeigt, dass Händels Musik und insbesondere die in seinen Oratorien zum Ausdruck gebrachten Emotionen heute noch genauso aktuell sind wie im 18. Jahrhundert.
Zenaida des Aubris