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IRIS
(Pietro Mascagni)
Besuch am
18. Februar 2020
(Einmalige Aufführung)
Hierzulande ist Pietro Mascagni eigentlich nur wegen seiner Cavalleria Rusticana bekannt. Dabei hat er noch 15 weitere Opern geschrieben. Zum zehnjährigen Jubiläum hat die Berliner Operngruppe eine davon produziert: Iris mit einem Libretto von Luigi Illica, erfolgreich uraufgeführt 1898 in Rom. Illica lieferte auch das Libretto für Madama Butterfly von Puccini, die 1904 zum ersten Mal gespielt wurde. Gibt es Parallelen? Ja – beide drehen sich um junge Frauen, die von Männern ausgebeutet werden und kein gutes Ende finde.
Die hübsche, junge Iris kümmert sich um ihren blinden Vater, lässt sich von einem Lebemann, Osaka, blenden und wird von ihm in ein Bordell entführt. Dort hat Kyoto das Sagen und zwingt Iris, für ihn als Lockvogel zu arbeiten, nachdem Osaka sich gelangweilt von ihr abwendet. Der blinde Vater sucht seine Tochter auf, nur um sie zu verfluchen. Iris verzweifelt und stürzt sich in einen Fluss, wo ein Lumpensammler ihr die schönen Kleider vom Leib stehlen will. Im Sterbewahn glaubt Iris zu hören, wie die drei Männer zu ihr sprechen, die ihr Unglück verschuldet haben: Osaka, der nur seine Lust im Sinn hat, Kyoto, der nur an Gewinn denkt, und der blinde Vater, der nur sein eigenes Elend beweint. Alle enden mit der lakonischen Feststellung: „So ist das Leben“. Die Oper endet, wie sie anfing – mit wunderbaren Chormelodien, die von der Schönheit, Licht und lebenspendenden Wärme der Sonne erzählen. Sie rufen Iris zu sich, die getröstet stirbt.

Die Berliner Operngruppe ist ein privater Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, jedes Jahr eine Opernrarität zu produzieren. Der Verein lebt von privaten Förderern und Sponsoren wie der Bertelsmann-Stiftung und dem Historischen Archiv von Ricordi. Finanzbedingt sind die Probenzeiten des Orchesters, des Chors und der Solisten sehr reduziert. Bei aller Professionalität der Orchestermusiker und der Solisten – zusätzliche Proben hätten ein besseres Resultat geliefert.
Auf dem Podium des Berliner Konzerthauses werden einige wenige Requisiten wie Masken und Fächer an der Rampe abgelegt. Hier agieren die Sänger in einer angedeuteten Regie von Isabel Ostermann, die völlig überflüssig ist. Die Musikalität des Stückes zuzulassen und den Sängern die Möglichkeit zu geben, ihre Emotionen durch die Stimme zu gestalten, wäre viel sinnvoller als die stilisierten Gesten, die zu sehen sind. Gerade hat das Orchester noch Platz auf der ziemlich engen Bühne; der Chor ist auf der Orgelempore platziert. Unter Einstudierung von Stefen Schubert kann der Chor den Vorteil der Akustik voll ausnutzen und wortwörtlich die Sonne zum Strahlen bringen.
Sopran Karine Babajanyan als Iris verfügt über eine einnehmende Persönlichkeit, wenngleich sie stimmlich nicht das gesamte Register beherrscht – besonders in der Höhe macht sich ein reifes Vibrato bemerkbar. Osaka ist ein unsympathischer Kerl und Tenor Samuele Simoncini gibt ihn genau so – laut und intonationsschwach lässt er keine Identifikationsmöglichkeiten zu. Dagegen ist Ernesto Petti als Bordellbesitzer Kyoto mit seinem wohltimbrierten, männlichen Bariton viel einehmender. Bass David Oštrek gibt einen verzweifelten Vater ab, und Sopran Nina Clausen ist eine schrill-trippelnde Geisha. Aufhorchen lässt Tenor Andrés Moreno García in der kleinen, aber wichtigen Rolle des Lumpensammlers mit seinem geschmeidigen, schönen Ton.
Felix Krieger meint, mit Lautstärke die Qualität des Orchesters verbessern zu können. Das ist leider ein Irrtum und drängt die Sänger zum Forcieren.
Dennoch sollte der Enthusiasmus und Hingabe des gesamten Ensembles gelobt werden, weiter zu machen. Man kann auf die nächste Wiederentdeckung gespannt sein!
Einhelliger Applaus für die Solisten und die Produktion.
Zenaida des Aubris