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Foto © Stefan Maria Rother

Kindliches Gemüt wird ausgenutzt

IRIS
(Pietro Mascagni)

Besuch am
18. Februar 2020
(Einmalige Aufführung)

 

Konzerthaus am Gendar­men­markt, Berlin

Hierzu­lande ist Pietro Mascagni eigentlich nur wegen seiner Caval­leria Rusticana bekannt. Dabei hat er noch 15 weitere Opern geschrieben. Zum zehnjäh­rigen Jubiläum hat die Berliner Opern­gruppe eine davon produ­ziert:  Iris mit einem Libretto von Luigi Illica, erfolg­reich urauf­ge­führt 1898 in Rom. Illica lieferte auch das Libretto für Madama Butterfly von Puccini, die 1904 zum ersten Mal gespielt wurde. Gibt es Paral­lelen? Ja – beide drehen sich um junge Frauen, die von Männern ausge­beutet werden und kein gutes Ende finde.

Die hübsche, junge Iris kümmert sich um ihren blinden Vater, lässt sich von einem Lebemann, Osaka, blenden und wird von ihm in ein Bordell entführt. Dort hat Kyoto das Sagen und zwingt Iris, für ihn als Lockvogel zu arbeiten, nachdem Osaka sich gelang­weilt von ihr abwendet. Der blinde Vater sucht seine Tochter auf, nur um sie zu verfluchen. Iris verzweifelt und stürzt sich in einen Fluss, wo ein Lumpen­sammler ihr die schönen Kleider vom Leib stehlen will. Im Sterbewahn glaubt Iris zu hören, wie die drei Männer zu ihr sprechen, die ihr Unglück verschuldet haben: Osaka, der nur seine Lust im Sinn hat, Kyoto, der nur an Gewinn denkt, und der blinde Vater, der nur sein eigenes Elend beweint. Alle enden mit der lakoni­schen Feststellung: „So ist das Leben“. Die Oper endet, wie sie anfing – mit wunder­baren Chorme­lodien, die von der Schönheit, Licht und leben­spen­denden Wärme der Sonne erzählen. Sie rufen Iris zu sich, die getröstet stirbt.

Foto © Stefan Maria Rother

Die Berliner Opern­gruppe ist ein privater Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, jedes Jahr eine Opern­ra­rität zu produ­zieren. Der Verein lebt von privaten Förderern und Sponsoren wie der Bertelsmann-Stiftung und dem Histo­ri­schen Archiv von Ricordi. Finanz­be­dingt sind die Proben­zeiten des Orchesters, des Chors und der Solisten sehr reduziert. Bei aller Profes­sio­na­lität der Orches­ter­mu­siker und der Solisten – zusätz­liche Proben hätten ein besseres Resultat geliefert.

Auf dem Podium des Berliner Konzert­hauses werden einige wenige Requi­siten wie Masken und Fächer an der Rampe abgelegt. Hier agieren die Sänger in einer angedeu­teten Regie von Isabel Ostermann, die völlig überflüssig ist. Die Musika­lität des Stückes zuzulassen und den Sängern die Möglichkeit zu geben, ihre Emotionen durch die Stimme zu gestalten, wäre viel sinnvoller als die stili­sierten Gesten, die zu sehen sind.  Gerade hat das Orchester noch Platz auf der ziemlich engen Bühne; der Chor ist auf der Orgel­empore platziert. Unter Einstu­dierung von Stefen Schubert kann der Chor den Vorteil der Akustik voll ausnutzen und wortwörtlich die Sonne zum Strahlen bringen.

Sopran Karine Babajanyan als Iris verfügt über eine einneh­mende Persön­lichkeit, wenngleich sie stimmlich nicht das gesamte Register beherrscht – besonders in der Höhe macht sich ein reifes Vibrato bemerkbar. Osaka ist ein unsym­pa­thi­scher Kerl und Tenor Samuele Simoncini gibt ihn genau so – laut und intona­ti­ons­schwach lässt er keine Identi­fi­ka­ti­ons­mög­lich­keiten zu. Dagegen ist Ernesto Petti als Bordell­be­sitzer Kyoto mit seinem wohltim­brierten, männlichen Bariton viel eineh­mender. Bass David Oštrek gibt einen verzwei­felten Vater ab, und Sopran Nina Clausen ist eine schrill-trippelnde Geisha. Aufhorchen lässt Tenor Andrés Moreno García in der kleinen, aber wichtigen Rolle des Lumpen­sammlers mit seinem geschmei­digen, schönen Ton.

Felix Krieger meint, mit Lautstärke die Qualität des Orchesters verbessern zu können.  Das ist leider ein Irrtum und drängt die Sänger zum Forcieren.

Dennoch sollte der Enthu­si­asmus und Hingabe des gesamten Ensembles gelobt werden, weiter zu machen. Man kann auf die nächste Wieder­ent­de­ckung gespannt sein!

Einhel­liger Applaus für die Solisten und die Produktion.

Zenaida des Aubris

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