O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Die Queen lässt grüßen

DIE ITALIENERIN IN LONDON
(Domenico Cimarosa)

Besuch am
10. August 2018
(Premiere)

 

Festival Schloss Britz, Berlin

Die liebevoll restau­rierte Anlage Schloss und Gutshof Britz im Berliner Stadt­bezirk Neukölln ist das ganze Jahr über eine Besich­tigung wert. In zwei Wochen­enden im August aber gibt es seit über zehn Jahren eine zusätz­liche Attraktion, die ein Publikum von nah und fern anlockt. Dann nämlich zieht die Sommeroper Festival Schloss Britz in den ehema­ligen Kuhstall ein und bietet unter­halt­sames Musik­theater auf hohem Niveau. Dabei setzt man nicht aufs Bewährte und Bekannte, sondern spielt Salieri, Paisiello oder Dittersdorf statt Mozart oder Rossini. Das Budget ist schmal, das Engagement des Teams aus profes­sio­nellen Künstlern, Förderern und Mitar­beitern der bezirk­lichen Musik­schule Paul Hindemith groß. Wofür beispiels­weise spricht, dass die Instru­men­tal­lehr­kräfte, die das Orchester bilden, trotz Urlaubs dem Projekt zur Verfügung stehen.

2018 sind die Britzer bei Domenico Cimarosa fündig geworden. Der 1749 geborene Italiener war im ausge­henden 18. Jahrhundert einer der führenden Opern­kom­po­nisten und ein Vielschreiber dazu. Bis heute hat sich aber nur Die heimliche Ehe im Reper­toire gehalten. Selten gezeigt wird indes die 1778 urauf­ge­führte Buffo-Oper Die Italie­nerin in London, die Cimarosa europaweit bekannt machte und die in der behutsam aktua­li­sierten deutschen Fassung von Bettina Barz und Jürgen Hinz ihre Berliner Premiere erlebt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Worum geht es? Die junge Italie­nerin Livia hat es bei der Suche nach ihrem verschol­lenen Bräutigam nach London verschlagen. Dort trifft sie auf die Kiosk­be­sit­zerin Miss Brillant und auch auf ihren Geliebten, der von seinem Vater wegen der nicht standes­ge­mäßen Beziehung nach Jamaika geschickt wurde. Zwei weitere Verehrer mischen sich ein, von denen einer plötzlich glaubt, durch einen Zauber­stein unsichtbar zu werden. Mit Hilfe von Miss Brillant findet sich das Paar, und auch sie selbst kommt unter die Haube. Die Story strotzt nur so vor Unwahr­schein­lich­keiten, und genau die betont Regisseur Oliver Trautwein. Er macht aus der Oper eine absurde Nonsens-Komödie mit Slapstick-Einlagen, viel Situa­ti­ons­komik und Fantasie, ohne dabei in aufdring­lichen Klamauk zu verfallen. Alexander Martynow hat die kleine Bühne geschickt in einen Londoner Bahnhof verwandelt. Die Gebäu­de­ele­mente sind aus Backstein, vorne links steht eine rote Telefon­zelle, rechts die grün gestri­chene, mit briti­scher Werbung beklebte Imbissbude, von oben herab hängt eine Uhr nebst Taube und bei der Einfahrt eines Zuges wechselt das Licht.

Foto © Christian Brachwitz

Das Ensemble muss sich erst warmsingen, ist aber szenisch vom ersten Moment putzmunter da und macht jeden Spaß und jede Aktion mit. Andrea Chudak, seit Beginn Stütze beim Britzer Opern­sommer, steht, auch wenn sie nichts zu singen hat, im Mittel­punkt des Geschehens, ist als resolute Kiosk­be­sit­zerin und Strip­pen­zie­herin immer präsent und von überbor­dender Spiellust. Katharina Ajyba hat als Italie­nerin den sensi­bleren Part und füllt ihn gekonnt aus. Andreas Elias Post als Lord, Julian Rohde als hollän­di­scher Geschäftsmann und Tobias Hagge als kolum­bia­ni­scher Obdach­loser stellen jeder für sich eine indivi­duelle Type dar und bilden zusammen ein witziges Männertrio. Urkomi­sches Talent zeigt Björn Wunsch in verschie­denen stummen Rollen. Mit stoischer Miene verkörpert er nachein­ander Straßen­feger, Polizist, Hamlet, Amor und als Clou die Queen, die huldvoll über die Bühne schreitet.

Dirigent Stefan R. Kelber, der als südame­ri­ka­ni­scher Straßen­mu­siker auch in die Szene integriert ist, sorgt mit dem bestens aufge­legten Orchester des Festivals Schloss Britz dafür, dass die Musik angesichts des szeni­schen Trubels nicht völlig in den Hinter­grund gedrängt wird.

Das Publikum ist spürbar animiert und feiert bei der Premiere alle Mitwir­kenden mit vielen Bravos. Vielleicht findet nächstes Jahr auch der neue Bezirks­bür­ger­meister Martin Hikel den Weg zur Sommeroper, so wie bislang seine Vorgän­gerin, die zur Minis­terin aufge­stiegene Franziska Giffey.

Karin Coper

Teilen Sie O-Ton mit anderen: