O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Jaro Suffner

Die Hölle ist daheim

KATJA KABANOVA
(Leoš Janáček)

Besuch am
27. November 2021
(Premiere)

 

Komische Oper Berlin

Die Hölle muss gar nicht aus Feuer und Folter­in­stru­menten bestehen. Sie kann auch in einer ganz normalen, unbedeu­tenden Umgebung statt­finden, in der es kein bisschen mensch­liche Wärme gibt. Regis­seurin Jetske Mijnssen ziseliert jede Rolle in dem Meisterwerk von Leoš Janáček minutiös und stellt die familiären Bezie­hungen gegen­ein­ander auf als kammer­thea­tra­li­sches Psychodrama.

Unmerklich schieben sich die drei Räume mit den hohen Wänden von links nach rechts oder umgekehrt und geben immer ein Stück des Nachbar­raumes – und der darin statt­fin­denden Aktionen – frei. Eng und klaus­tro­pho­bisch gibt das Bühnenbild von Julia Katharina Berndt die Stimmung im Hause Kabanow wieder. An einem Tisch spielt sich das gesamte Drama ab. Unter­stützt in der Visua­li­sierung dieser Welt wird sie von den zeitlos spießigen Kostümen von Dieuweke van Reij. Hier dringt keine frische Luft, kein Vogel­gesang ein, schon gar nicht Sonnenschein.

Unter der dominanten Regie der Schwie­ger­mutter, der Witwe Kabanicha, leiden alle.  Der Sohn Tichon wird gnadenlos herum­kom­man­diert, er hat nicht die Kraft, sich gegen die Mutter zu stemmen. Die Schwie­ger­tochter Katja geht ins innere Exil. Nur die Pflege­tochter Varvara zeigt noch Wärme und Lebensmut.

Katja wird von der Sopra­nistin Annette Dasch mit einer schau­spie­le­ri­schen und vokalen Vollkom­menheit darge­stellt, die fast beängs­tigend ist. Sie gibt eine Katja, die äußerlich ruhig ist, eine spröde, konven­tio­nelle Ehefrau und Schwie­ger­tochter, die sich bemüht ein normales Famili­en­leben vorzu­leben, bis hin zur genauen und präzisen Verlegung des Tisch­tuches und der Platzierung der Teller auf dem Esstisch. Sie hat sich ihrem Schicksal ergeben, aber innerlich kocht sie und ihre Emotionen explo­dieren, als sie sich einen kleinen Glücks­moment mit dem gutaus­se­henden Boris gönnt. Und es sogleich bereut. Da hilft keine Beichte, nur der Tod. Der findet – entgegen dem Libretto nicht in der nahege­le­genen Wolga – sondern ruhig, belanglos, im Wohnzimmer statt. Weniger ist mehr.

Tenor Magnus Vigilius ist der Liebhaber, der mit elegantem Timbre die Gunst der Abwesenheit des Ehemanns nutzt. Er wird von Stephan Rügsamer, dessen Tenor anfänglich ein gehöriges Vibrato aufweist, das aber zur Charak­te­ri­sierung des verun­si­cherten Mannes zwischen Gut-Sohn und Lieb-Ehemann gut passt.

Foto © Jaro Suffner

Ebenbürtig zur Katja von Annette Dasch ist Doris Lamprecht als Kabanicha. An Kälte ist ihr wohl timbrierter und doch farbloser Mezzo nicht zu überbieten. Ob diese Frau jemals echte Liebe verspürt hat? Vermutlich nicht. Sie gönnt sich zwar einen eroti­schen Exkurs mit dem ältlichen Dikoj – die Szene wirkt hölzern komisch und ungelenk, soll es vermutlich auch. Der exzel­lente Bass und langjäh­riges Ensem­ble­mit­glied Jens Larsen überzeugt als alter Famili­en­freund und gelegent­licher Liebhaber von Kabanicha.

Auch die kleineren Neben­partien sind gut ausge­ar­beitet. Die junge Pflege­tochter Varvara, von Karoline Gumos mit ihrem freund­lichen und samtigen Mezzo gesungen, dient als Gegenpol zur düsteren familiären Stimmung. Der junge Lehrer Wanja Kudrjasch wird von Timothy Oliver mit frischem Tenor gegeben. Hier zeigt Janáček eine halbwegs normale Beziehung, die hoffentlich in echter Liebe aufblühen wird, nachdem das junge Paar zusammen am Ende der Oper nach Moskau aufbricht.

Leoš Janáček verleiht seinen Charak­teren auf der Bühne eine emotionale Sprach­lo­sigkeit, die ander­seits in der Musik ihren Ausdruck findet. Die Höhen und Tiefen der gesamten Bandbreite der Verzweiflung von Katja wie auch der anderen Charaktere finden Ausdruck in der Partitur.  Das versteht Dirigentin Giedrė Šlekytė bestens umzusetzen. Sie leitet das Orchester der Komischen Oper mit einer direkten Dynamik und Trans­parenz, die das Stück seine volle emotionale Wucht entfalten lässt. Der Eindruck entsteht, dass bei dieser Produktion die Regis­seurin und die Dirigentin gut zusam­men­ge­ar­beitet haben – Darstellung und musika­li­scher Ausdruck gehen sehr gut Hand in Hand.

Die Produktion wird mit großem Jubel vom Publikum begrüßt. Höchst selten bei der Komischen Oper: sogar eine standing ovation. Statt einer Premie­ren­feier hält Hausherr Barrie Kosky eine kleine Rede direkt auf der Bühne, wo er sich bei den Mitwir­kenden und auch bei dem masken­tra­genden Publikum der knapp zweistün­digen Oper bedankt.

Zenaida des Aubris

Teilen Sie O-Ton mit anderen: