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LOVE, YOU SON OF A BITCH
(Alessandro und Domenico Scarlatti)
Besuch am
27. Oktober 2019
(Premiere am 25. Oktober 2019)
Um es vorwegzunehmen – die Musiktheaterperformance Scarlatti Project der Multimedia-Künstlerin Letizia Renzini bringt keine Erleuchtung. Weder in musikalischer noch theatraler Weise. Wer jemals in einem Fitness-Studio war, kennt es: Jeder macht seine Übungen, meist in sich gekehrt, als wolle er das Pochen seines eigenen Herzens hören wollen. Was um ihn herum geschieht, nimmt er nur wahr, um einem anderen Teilnehmer Platz zu machen.
So in etwa läuft es auch bei dieser Produktion: Musikinstrumente statt Hanteln, obwohl auch einige echte Fitnessgeräte herumstehen und gelegentlich benutzt werden.
Der Titel leitet sich von Alessandro Scarlattis Popsong Amore, brutto figlio de pottana ab, auf Deutsch Liebe, hässlicher Hurensohn, aber dann doch auf Englisch Love, You Son of a Bitch, weil es sich etwas hipper anhört. Es wird – meist undeutlich – auf Italienisch gesungen. Vielleicht gehört das auch in ein Fitness-Studio – die Musik soll nur Geräuschkulisse sein oder vielmehr den Beat angeben. Dafür sind die ausgesuchten Barock-Stücke allerdings etwas zu gemächlich und werden mit elektronischen Einlagen teilweise aufgepeppt. Die 70 Minuten der Aufführung – mit einer beliebigen Aneinanderreihung von Nummern aus sechs Kantaten, drei Oratorien und zwei Opern von Alessandro Scarlatti und einer Kantate von Domenico Scarlatti – fühlen sich länger an. Immerzu drängt sich die Frage nach dem Sinn und Zweck dieser Uraufführung auf, zumal sie als Auftakt für die Barocktage 2019 stehen. Musik aus dem Barock ist alles andere als langweilig. Warum aber entsteht bei diesem Stück dann der Eindruck? Musik aus dem Barock spricht die Emotionen an, es geht um den Ausdruck von Gefühlen, von Temperament – da passt eigentlich auch ein neapolitanischer Gassenhauer wie Amore, brutto figlio de pottana. Aber im renovierten Alten Orchestersaal, hier als Fitness-Studio mit großer Leinwand für die Videoeinlagen, Laufanlage, Auffangmatratze, diversen Podesten, sterilem Weißlicht und Sportdress – alles aus der Hand von Letizia Rensini – fehlt jegliche Emotion.

Die sieben Darsteller scheinen auf allein gelassen zu sein, obwohl doch alles von Marina Giovannini durchchoreografiert ist. Interdisziplinär folgen die diversen Nummern aufeinander. Mal wird ein Cello aus einem Pappkarton ausgepackt, eine Sandsack-Puppe hoch- und niedergezogen, Luftpolsterfolie gepoppt – ja, das ergibt auch „Musik“, die Harfenistin darf ihr Instrument hieven, drei Darstellerinnen lassen sich auf die Luftmatratze fallen.
Bei dieser Sinnleere wird musikalisch schließlich doch etwas geboten: Allen voran Sopran Lore Binon und Countertenor Thomas Lichtenecker, die beide mit Hingabe und Intonationssicherheit ihren leider so gut wie unverständlichen Text bringen. Bei den Tönen für Thomas Baeté auf der Viola da Gamba, Okkyung Lee Violoncelle, Luise Enzian an der Harfe und Franziska Fleichanderl am verstärkten Hackbrett gibt es Live- und eingespielte Sequenzen, die im Einklang mit dem umfassenden Raumklang von Giuseppe Ielasi wirken.
Zum Schluss kommen alle Mitwirkenden nochmals in Bademänteln auf die Bühne. Sie sind auf dem Weg in die Sauna – hier dann als Video live aus dem Lift übertragen – zu den Klängen einer Komposition von Domenico Scarlatti. Jetzt aus den Zwängen der Fitnesspflicht geht es in die Kür, fröhlich albernd.
Auch wenn man die Aussage der Regisseurin Letizia Renzini ernst nimmt, dass das Fitness-Studio für den Drang nach Selbstoptimierung steht, bleibt nur ein fader Nachgeschmack. Die Musik beider Scarlattis verdient mehr.
Zenaida des Aubris