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Foto © Bernd

Vokale Pracht in Düsternis

MACBETH
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
29. Juni 2018
(Premiere am 17. Juni 2018)

 

Staatsoper Berlin

Vor drei Jahren gab Plácido Domingo im stolzen Alter von vierund­siebzig Jahren sein Rollen­debüt als Giuseppe Verdis Macbeth an der Berliner Staatsoper im Schil­ler­theater. Dafür wurde die 15-jährige Insze­nierung von Peter Mussbach aus dem Fundus hervor­geholt und aufge­frischt. Drei Jahre später bekommt Domingo eine Neupro­duktion der Oper spendiert, diesmal in dem in neualtem Glanz erstrah­lenden Stammhaus Unter den Linden. Regie führt Altmeister Harry Kupfer, der Dirigent ist wie damals Daniel Barenboim. Und als Lady ist die um eine Generation jüngere Anna Netrebko aufge­boten, derent­wegen das opern­be­geis­terte Berlin mehrheitlich Schlange steht.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Um es vorweg­zu­nehmen: Domingo ist in blendender Form, mehr noch als 2015. Zu bestaunen ist das unver­wech­selbare, bronzene Timbre und die stimm­liche Verve mit erstaunlich vielen Zwischen­tönen. Er agiert eher statua­risch, aber durch seine Bühnen­präsenz und die Inten­sität des Singens gelingt ihm ein eindring­liches Rollen­porträt des in Zweifeln und Ängsten verstrickten Macbeth, der der Dominanz der Lady nichts entge­gen­zu­setzen zu hat und ihr immer noch verfallen ist. Was nur allzu verständlich ist, wird sie doch von Anna Netrebko verkörpert. Für die Sopra­nistin ist diese Partie wie maßge­schneidert, wie auch die eleganten Kostüme von Yan Tax. Sie füllt Verdis Wunsch­vor­stellung, die Lady möge rau, erstickt und dunkel klingen, perfekt aus – bietet aber noch viel mehr. Welches Spektrum an Farben sie ihrer Stimme abgewinnt, wie sie hässliche Töne zulässt, aber genauso unver­gleichlich schöne Passagen mit vollen Höhen produ­ziert, ist grandios. Und eine in dieser Rolle aufge­hende Darstel­lerin ist sie ohnehin. Was mit an Harry Kupfers psycho­lo­gisch ausge­feilter, logischer Perso­nen­führung liegt, die eine der Stärken des Regis­seurs ist.

Foto © Bernd Uhlig

Seine Sicht­weise bietet zwar keine neuen Aspekte, doch ist sie im besten Sinne werkdienlich. Zu sehen ist ein bitter­böses Drama um Macht­spiele und seine Folgen, das in einer zeit- und ortsun­ge­bun­denen Diktatur spielt – mit viel Militär, zackigen Aufmär­schen und einleuchtend arran­gierten Massen­auf­zügen, in denen der Staats­opernchor seine prächtige Klang­kultur entfalten kann. Düsternis beherrscht die von Hans Schavernoch ausge­stattete Bühne, deren Haupt­merkmal ein metal­lenes Gatter ist, das als durch­lässige Wand oder Tür dient. Für visuelle Effekte sorgen die Video­pro­jek­tionen von Thomas Reimer, die mal Burgruinen, mal Schlacht­felder inklusive Bomben­ein­schlägen und brennende Verwüs­tungen zeigen. Warum aller­dings die Ermordung von Banquo, dem Kwangchul Youn seinen profunden Bass leiht, vor einem Flugzeugfeld statt­findet, ist eine Merkwür­digkeit des Abends.

Daniel Barenboim entfacht mit der Staats­ka­pelle drama­tisch-wuchtige Leiden­schaften, rasante Rhythmen und eine bisweilen gewaltige Dynamik, die das Haus erzittern lässt. Dass er auch ein einfühl­samer Begleiter sein kann, wird besonders in der Todes­szene des Macbeth deutlich.

Nach der ausver­kauften Vorstellung gibt es standing ovations. In der nächsten Saison wird Domingo wieder­kehren, dann mit Ekaterina Semenchuk an seiner Seite.

Karin Coper

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