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Duell zweier Königinnen

MARIA STUARDA
(Gaetano Donizetti)

Besuch am
28. Mai 2018
(Premiere)

 

Deutsche Oper Berlin

Gerade einmal vier Jahre ist es her, dass Gaetano Donizettis Oper Maria Stuarda an der Deutschen Oper Berlin Furore machte. Damals gab Joyce DiDonato in der Titel­partie eine Lehrstunde im Belcanto-Gesang und bescherte dem Haus eine Stern­stunde. Nun macht es ihr Diana Damrau nach. Die Sopra­nistin, die erst vor kurzem in Zürich als Maria in einer Insze­nierung von David Alden ihr Rollen­debut gegeben hat, gastiert mit der Partie zweimal konzertant in Berlin und überwältigt vom ersten Ton an. Mit welcher stimm­lichen Souve­rä­nität und expres­siven Ausdrucks­kraft sie die schot­tische Königin verkörpert, ist schlicht phäno­menal. Da wird jeder Affekt und jede Phrase ausge­kostet, die höchsten Noten tauchen wie aus dem Nichts auf und der vokale Nuancen­reichtum scheint grenzenlos zu sein. Und wenn sie nach ihrer umjubelten Auftrittsarie für einen kurzen Moment aus der Rolle fällt und sich herzlich freut, erringt sie damit einen zusätz­lichen Sympathiebonus.

POINTS OF HONOR

Solisten
Dirigent
Orchester
Programm
Publikum
Chat-Faktor

Dass Jana Kurucová als Königin Elisa­betta bei solcher Meister­schaft mithalten kann, ist ein weiteres Wunder dieser Aufführung. Die Slowakin, die sich von leichten Mezzo­partien verab­schiedet hat und allmählich das schwerere Fach erobert, ist eine absolut glaub­würdige Königin. Von Kopf bis Fuß Herrscherin lässt sie bei ihrem kühl-überle­genen Auftreten die Verletz­lichkeit der abgewie­senen Frau spüren. Großartig, wie genau sie die Kolora­turen platziert, wie scharf sie artiku­liert und Töne wie Pfeile abschießt, ohne dabei den Schön­gesang zu opfern. Wenn die beiden Regen­tinnen am Ende des ersten Aktes aufein­an­der­prallen, stehen sich zwei absolut ebenbürtige Singak­teu­rinnen gegenüber, die ihren Emotionen durch ein vokales Feuerwerk Ausdruck verleihen.

Javier Camarena kann als Liebhaber Leicester mit den beiden Diven stimmlich absolut mithalten und prunkt mit strah­lenden Höhen. Nicolas Testé, im wirklichen Leben der Gatte Diana Damraus, Dong-Hwan Lee und Amira Elmadfa komplet­tieren das Ausnah­me­en­semble. Der Chor der Deutschen Oper, einstu­diert von Jeremy Bines, hat seine große Stunde im Finale und nutzt sie für eine klanglich opulente Preghiera. Am Pult des bisweilen arg mächtig aufspie­lenden Orchesters der Deutschen Oper stellt sich der Dirigent Francesco Ivan Ciampa ganz in den Dienst der Sänger und bietet ihnen die notwendige kapell­meis­ter­liche Unterstützung.

Viel Zwischen­beifall und Riesen­jubel am Ende in der fast ausver­kauften Deutschen Oper.

Karin Coper

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